Nachklapp Ein Feuerwerk, ein Sieg, ein Achtungszeichen

"Die zweite Saison ist immer die schwierigste" - diese alte Fußballweisheit gilt auch für Ex-Aufsteiger und Vizemeister RB Leipzig. Der verpatzte Auftakt vor einer Woche bei Schalke 04 (0:2) untermauerte das und war Futter für Pessimisten und Unker. Doch dann kam das Spiel gegen den SC Freiburg …

von Sven Kups

Choreo der RB-Leipzig-Fans:
Beste Stimmung in der Red Bull Arena. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Es gibt Siege, die bringen mehr als nur drei Punkte. Ein Beispiel dafür ist das 1:0 von RB Leipzig vor einem Jahr gegen Borussia Dortmund. Naby Keita hatte damals kurz vor Schluss den Siegtreffer erzielt und die damals sowieso schon große Euphorie noch einmal gesteigert. Es war der (Heim-)Auftakt zu einer grandiosen Saison, an deren Ende Tabellenplatz zwei stand.

Der "Dosenöffner" für die neue Spielzeit könnte jetzt erneut am zweiten Bundesliga-Spieltag stattgefunden haben: Mit 4:1 fertigten die Leipziger am Sonntag den SC Freiburg ab. Das ist von der Sache her keine echte Überraschung. Doch wie RB einen deprimierenden 0:1-Rückstand nach der Pause in einen souveränen Sieg umwandelte, beschert dem Klub und seinen Fans viel Hoffnung. Hoffnung darauf, dass der von einer überregionalen Zeitung gerade prognostizierte "wahrscheinliche Absturz" ausbleibt. Trotz der vielzitierten Dreifachbelastung.

Trainer Ralph HasenhüŸttl
Ralph Hasenhüttl ist mit seinem Team wieder in der Spur. Bildrechte: Picture Point

Ein Erfolg - viele Väter

65 Prozent Ballbesitz, 29:7 Torschüsse, 11:2 Schüsse aufs Tor - die Statistik der Partie Leipzig gegen Freiburg spricht eine klare Sprache, das 4:1 nach 90 Minuten ist das dazu passende Endergebnis. Aber das Ganze war alles andere als ein Selbstläufer. RB war zwar schon in der ersten Halbzeit dominant, erarbeitete sich dicke Chancen und sorgte mit Kabinettstückchen (Augustin, Werner) für Zungeschnalzen. Doch es fehlte an Effektivität. Zudem gelang Marcel Sabitzer kaum etwas, Emil Forsberg war fast schon unsichtbar, und hinten wurde manchmal recht arglos verteidigt. Die Konsequenz war ein 0:1-Rückstand zur Pause, der so manchem der 39.265 Zuschauer Angst vor einem echten Fehlstart machte.

Dass dieser letztlich ausblieb, lag an der zweiten Halbzeit. In der nahm RB die Freiburger nach allen Regeln der Kunst auseinander. Mit Tempofußball, wie man ihn aus der letzten Saison kennt, mit geballter Angriffswucht und großartigen Toren. Bemerkenswert dabei: Der Erfolg stand auf mehreren Füßen. Natürlich wurde Timo Werner mit seinen Treffern zum 1:1 und 3:1 reflexhaft zum "Man of the Match" ernannt. Nicht unverdient, denn der Stürmer war nach einer nicht gerade optimalen Vorbereitung und wenigen guten Momenten gegen Schalke tatsächlich wieder in Topform. So weit, so gewohnt.

v.l.: Dayot Upamecano (5, RB Leipzig), Jean-Kevin Augustin (29, RB Leipzig), Torschütze Timo Werner (11, RB Leipzig), Diego Demme (31, RB Leipzig) und Marcel Halstenberg (23, RB Leipzig). Torjubel nach dem 1:1 Ausgleich
Timo Werner (mi) lässt sich von seinen Mitspielern feiern. Bildrechte: Picture Point

Augustin sorgt für Aufsehen

Für echtes Aufsehen sorgte vielmehr Jean-Kévin Augustin, der den verletzten Yussuf Poulsen ersetzte, für viel Torgefahr sorgte und zwei Treffer vorbereitete. "Leipzig sollte Augustin lieber auswechseln, sonst hat RBL morgen ein 100-Millionen-Angebot von Barca oder Paris aufm Tisch", kommentierte "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" den Auftritt des Franzosen per Twitter.

Einen Tweet wert waren auch Leistungen von Dayot Upamecano, Diego Demme und Marcel Sabitzer. Der mit riskanten Aktionen gern mal für Schockmomente sorgende Innenverteidiger Upamecano hatte diesmal die meisten Ballkontakte, die besten Zweikampfwerte der Partie und war der Ausgangspunkt für viele Angriffe. Der wiedergenesene Demme wiederum zeigte ein starkes Comeback und war als Ballverteiler der Dreh- und Angelpunkt im Spiel nach vorn. Sabitzer wiederum kam mit neuem Selbstvertrauen aus der Kabine und gab mit Schüssen aus allen Lagen die Initialzündung für die Aufholjagd. Und dann war da noch Neuzugang Bruma, der zwei Minuten nach seiner Einwechslung einen "Tor des Monats"-Kandidaten ins Dreiangel hämmerte.

Zweikampf im Strafraum zwischen Marc Oliver Kempf (Freibrug/li.) und Jean-Kevi Augustin (RBL/re.)
Augustin feierte ein beachtliches RB-Debüt. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Steigerung nötig?

Nach der Pleite bei Schalke 04 hatte Willi Orban erklärt, dass sein Team „heute noch nicht ganz 100 Prozent RB-Fußball" gezeigt habe. Gegen Freiburg konnte man den anvisierten RB-Fußball zu Beginn ansatzweise und nach der Pause in ganzer Pracht sehen. Die Frage ist, ob RB Leipzig dieses Niveau jetzt halten kann, und dieses in naher Zukunft in der Champions League und in zwei Monaten gegen den FC Bayern reicht. Darauf kann man wirklich gespannt sein. Egal ob man den Klub nun mag oder auch nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 28. August 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2017, 11:14 Uhr

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21 Kommentare

30.08.2017 10:57 zwigger 21

Mal ein kurzer Test Herr Oberlehrer Bernd
Abseits Freistoß an der Strafraumgrenze für das Projekt . Orban will zu rück zum Torwart spielen der denkt Nur an Gulasch und lässt den Ball ohne Berührung ins Tor . Wie geht es nun weiter? Mal sehen wie hell Ihre Kerze brennt?

30.08.2017 07:41 Bernd 20

@MDR (17) ???
verstehe Ihren Einwand nicht. Ich habe zu einer Schlüsselszene des Spiels - ein klarer aber nicht gegebener Strafstoss mit anschliessender Fehlleistung des Videobeweises Stellung bezogen. Fakt ist nach dieser Szene gab es erst mal einen Bruch im Spiel von RBL inclusive Gegentor. Schön dass es RBL in Halbzeit 2 drehen konnte.

30.08.2017 07:35 Bernd 19

@Skeptiker, mit der Ausnahme dass der Abgang von Burke noch nicht kompensiert wurde, wobei ich den Eindruck habe dass daran gearbeitet wird, sind alle Positionen mindestens doppelt besetzt und teilweise qualitativ sehr gut. Aber richtig ist die aktuelle Dreifachbelastung und der Einsatz in den Nationalmannschaften ist eine Herausforderung und man muss sehen wie es gelingt. Fakt ist nicht jedes Spiel wird wohl so klasse laufen wie die zweite Halbzeit gegen Freiburg.

29.08.2017 21:48 Skeptiker 18

Leipzig wird das Niveau nicht halten können, da der Kader für drei Wettbewerbe zu klein und der Anteil an Nationalspielern zu groß ist. Sollten sie bis Do hinsichtlich Neuverpflichtungen nicht nachlegen, wird es dieses Jahr nicht für das obere Drittel reichen.

29.08.2017 18:29 Bernd 17

@13, schade sie haben wohl MDR Sport um 18:00 verpasst (gut Sie brauchen einen der es Ihnen dann erklärt) dort gab es einen Bericht zum Videobeweis. Und was kam raus, vergleichbares zu dem was ich hier geschrieben habe. Es ist so Merk war schon als Schiri nicht die hellste Kerze auf der Torte beim Video-Team setzt er das konsequent fort.

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29.08.2017 17:22 Checker 16

@4 Lothar, deutsche Rechtschreibung gilt auch für RB Hasser !!!

29.08.2017 17:10 saxon 15

@13 zwigger, da bin ich voll und ganz ihrer Meinung. Kompetente Leute wie@11 werden vom DFB und deren Unterverbänden immer gesucht. Wie wäre es mit gemeinnütziger Arbeit bei einem Kreisligisten. Würde ich mich echt drüber freuen.

29.08.2017 16:31 Bernd 14

@13, warum sollte ich? Diejenigen die dort aktiv sind und dazu gesagt haben dass sie es koennten sollten zeigen dass dem so ist. Und ich empfehle den Videozusammenschnitt des Spiels (ich denke die Quelle ist DSF) dort wird nicht anderes gesagt wie ich hier geschrieben habe.

29.08.2017 15:08 zwigger 13

Bernd , da Sie ja schon lange als Schiedsrichter aktiv sind , bitte bewerben Sie sich beim DFB als Video Schiedsrichter . Ihre Kompetenz wird da dringend benötigt

28.08.2017 20:07 Onkel Konrad 12

"Ein Feuerwerk, ein Sieg, ein Achtungszeichen" - hatte die (Achtung, Humor!) journalistisch hochqualifizierte Sportredaktion des mdr nicht noch weitere Übertreibungen & Superlative auf Lager? Man hätte das Spiel auch mit Gästetrainer C. Streich kommentieren können, der mit Blick auf die finaziellen Möglichkeiten von RB und die ungleichen Wettbewerbsvoraussetzungen lakonisch anmerkte, "das hat doch eigentlich gar nichts mit uns zu tun".

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