Fußball | 1. Bundesliga RB Leipzig fehlt Plan B bei Platzverweisen

Rote Karte gegen Gladbach, Gelb-Rot in Dortmund sowie daheim gegen den FC Bayern und zuletzt noch eine Rote Karte beim Spitzenspiel in München. RB Leipzig schwächte sich in den vergangenen Wochen ungewohnt häufig und beraubte sich damit der eigenen Spielidee: dem Pressing. RBL verfällt in reaktives Verteidigen und kommt selten zu Entlastungsangriffen. Einen Plan B gibt es dafür bislang nicht.

von Marcus Teichmann

Arjen Robben und Robert Lewandowski gegen Willi Orban.
RBL-Verteidiger und Kapitän Willi Orban (rechts) kurz vor seiner Notbremse. Bildrechte: IMAGO

RB Leipzigs Pressing - so funktioniert es

Es ist kein Geheimnis, dass ein wesentlicher Bestandteil des Leipziger Erfolgs das Pressing ist. Unter Trainer Ralph Hasenhüttl hat sich die Spielweise im Vergleich zu seinem Vorgänger Alexander Zorniger noch einmal weiterentwickelt. Statt 90 minütigem Dauerpressing auf dem gesamten Spielfeld wird nur noch in bestimmten Situationen der entscheidende Mechanismus ausgelöst. Diese "Trigger" variieren von Spiel zu Spiel und orientieren sich natürlich auch am Gegner. Schnappt die Falle zu, attackiert RBL in Überzahl die ballführenden Spieler und verschiebt im kompletten Mannschaftsverbund, um die Räume eng zu machen.

Das funktioniert, wie die Vergangenheit gezeigt hat, sehr erfolgreich. Gegen Gladbach, Dortmund und den FC Bayern sah das auch solange erfolgsversprechend aus, bis durch die Platzverweise eine Unterzahlsituation entstand und das Pressing nicht mehr angewandt werden konnte. Emil Forsberg erklärte nach Abpfiff, dass sie nach der Roten Karte das eigene Spiel nicht mehr umsetzen konnten.

RB Leipzig gegen den FC Bayern

Joshua Kimmich, Yussuf Poulsen und Dominik Kaiser
Wiedersehen macht Freude. Joshua Kimmich spielte von 2013-15 für RB Leipzig. Ein Plausch mit Yussuf Poulsen und Dominik Kaiser. Bildrechte: Picture Point
Joshua Kimmich, Yussuf Poulsen und Dominik Kaiser
Wiedersehen macht Freude. Joshua Kimmich spielte von 2013-15 für RB Leipzig. Ein Plausch mit Yussuf Poulsen und Dominik Kaiser. Bildrechte: Picture Point
Timo Werner, Sebastian Rudy und Dominik Kaiser
Und auch RBL-Stürmer Timo Werner (li.) findet einen Gesprächspartner. Er kennt Bayern-Neuzugang Sebastian Rudy aus seiner Zeit in Stuttgart. Bildrechte: Picture Point
Corentin Tolisso, Emil Forsberg und Joshua Kimmich
Anpfiff. Vollgas? Nein, denn beide Mannschaften lassen sich gegenseitig kaum Platz. Bildrechte: Picture Point
Ralph Hasenhüttl
Die Mannschaft von Ralph Hasenhüttl glänzt vor allem in der Defensive. Marcel Halstenberg und Emil Forsberg stellen Bayern-Kapitän Arjen Robben immer wieder zu. Bildrechte: Picture Point
Torwart Sven Ulreich pariert den Schuß von Emil Forsberg
Vorn erarbeitet sich RBL bis zur Pause ein Chancenplus. Emil Forsberg ist der erste, der nach 25 Minuten Sven Ulreich prüft. Bildrechte: Picture Point
Im Bild von links: Marcel Sabitzer (7, RB Leipzig) und Thiago (6,Bayern).
Hier ist Marcel Sabitzer am Ball. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Arturo Vidal und Emil Forsberg
Dann wird es brenzlig: Emil Forsberg wird vor und auf der Strafraumlinie gefoult. Bildrechte: Picture Point
Schiedsrichter Felix Zwayer und Assistent Arno Blos
Schiedsrichter Felix Zwayer (rechts) nimmt seine Elfmeter-Entscheidung zurück, gibt stattdessen einen Freistoß. Bildrechte: Picture Point
Im Bild: Schiedsrichter Felix Zwayer zeigt Naby Keita (8, RB Leipzig) die zweit Gelbe Kart und danach die GelbRote Karte.
Auch nach der Pause, hat Zwayer viel zu tun. Nach einem Foul zeigt er Naby Keita (Nr. 8) die Gelb-Rote Karte. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Im Bild: Tor für RB Leipzig. Emil Forsberg (10, RB Leipzig) trifft per Foullmeter zum 1:0.
Yussuf Poulsen holt mit einem Sprung in den Strafraum einen Elfmeter heraus. Emil Forsberg verwandelt sicher. Fünf Minuten später gleicht aber Thiago aus. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Im Bild: Torwart Sven Ulreich (26,Bayern) hält den Elfer von Timo Werner (11, RB Leipzig).
Erst im Elfmeterschießen fällt die Entscheidung. Alle treffen außer Timo Werner. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Im Bild: Torwart Sven Ulreich (26,Bayern) hält den Elfer von Timo Werner (11, RB Leipzig) und jubelt.
Sven Ulreich jubelt, ist kaum zu halten. Er sorgt dafür, dass RB Leipzig auch im dritten Anlauf nicht gegen den FC Bayern gewinnt. Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
Im Bild: Torwart Sven Ulreich (26,Bayern) jubelt mit der Mannschaft des FC Bayern.
Damit steht der FC Bayern im Achtelfinale. Zuletzt waren die Münchner im November 2000 in der 2. Runde gescheitert - beim 1. FC Magdeburg. (Dieses Thema im Programm: (MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 26. Oktober 2017 | 19:00 Uhr) Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag
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RBL-Trainer Hasenhüttl muss umbauen

Das Problem: Die Spieler der ersten Pressingreihe (in der Regel die Stürmer und die Flügelspieler) haben keinen Zugriff mehr auf den Spielaufbau (die Abwehr) des Gegners.  Hasenhüttl opferte nach den Platzverweisen in Dortmund und in den Duellen gegen München jeweils eine der beiden Sturmspitzen. Dadurch entsteht beim Anlaufen und Verschieben eine Lücke, die durch den fehlenden Feldspieler verursacht wird. Das Pressing wäre kinderleicht auszuspielen und die Offensivspieler würden unnötige Wege machen. Deshalb zieht sich RBL in die eigene Hälfte zurück und reagiert nur noch. Der verbliebene Stürmer ist stark mit Defensivaufgaben beschäftigt, um die Kompaktheit in der Mitte zu halten und die Flügelspieler haben bei Umschaltmomenten einen weiten Weg bis zum gegnerischen Tor. Demzufolge sind Entlastungsangriffe eine Rarität geworden.

Es fehlt ein Plan B

So kam beispielsweise beim Spiel in München in der zweiten Halbzeit nur ein Torschuss zustande. Der resultierte aus einem Sololauf des eingewechselten Bruma direkt nach der Pause. Auch beim Pokal-Spiel am Mittwoch in Leipzig waren die Spieler so sehr mit der Defensive beschäftigt, dass sie nur in seltenen Fällen den Weg nach vorne suchten. Dasselbe passierte übrigens auch nach dem Platzverweis von Ilsanker in Dortmund, als RBL das Spiel aus der Hand gab und sich einer Angriffswelle nach der nächste ausgesetzt sah. Es ist kaum dauerhaft zu verteidigen, wenn der Gegner zusätzlich die individuelle Klasse besitzt, mit langen Diagonalbällen die Kompaktheit bei RBL zu zerstören und den Gegner zu zahlreichen Sprints zu zwingen.

Es ging auch schon anders

Natürlich ist es für die Mannschaft in Unterzahl schwieriger, gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Partien, bei denen es auf dem Spielfeld kaum ersichtlich war, dass der Mannschaft ein Feldspieler fehlte. Auch RBL hat schon bewiesen, dass trotz Unterzahl Nadelstiche und sogar Tore möglich sind. Beim Heimspiel im April gegen Leverkusen musste Orban mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz. Dank eines Konters kurz vor Spielende sicherte sich der spätere Vizemeister aber noch drei Punkte.

Es mag der Dreifach-Belastung geschuldet sein, dass die Spieler in Unterzahl nicht mehr die nötigen Körner haben, um immer wieder die Wege nach vorne zu suchen. Bayern und Dortmund zählen zudem zu den spielstärksten Teams der Liga, so dass es schon bei Elf gegen Elf schwer genug ist, dagegenzuhalten. Aber RBL muss sich für die Zukunft etwas einfallen lassen, wie man besser auf Platzverweise reagieren kann und gegebenenfalls an taktisches Feintuning an der Spielweise vornimmt. Hier sei der jungen Mannschaft der entsprechende Lernprozess zugestanden, auch wenn er vor allem in den vergangenen Spielen schmerzhaft war.

Aktuelle Berichte zur 1. Fußball-Bundesliga

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 29. Oktober 2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2017, 09:51 Uhr

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20 Kommentare

30.10.2017 16:26 insider 20

Ich bin eher Rot Weiss Erfurt zugeneigt als irgendeinem Team in der langweiligen ersten Bundesliga. Insofern kenne ich die Spiele gegen den BFC zu DDR Zeiten noch sehr gut und sage nur wehret den Anfängen. Sicher geht es heute nicht mehr um Ideologien aber um Geld. Um sehr viel Geld.

30.10.2017 13:18 corazon 19

yep, #17 Insider.....
ich glaube , der lange Arm des alten BFC hatte hier wahrscheinlich seine Finger im Spiel. Ein Teufelskreis! Bei "Breitbart" wird vermutet, dass W.Iljitsch Putin dahinterstecken könnte.
wann hört das endlich auf, unseren Heimatverein RB zu benachteiligen.

30.10.2017 12:20 heino 18

Die Diskussion um einen Plan B ist doch eine Scheindiskussion. In erster Linie ist der Plan B vom Gegner und der körperlichen Verfassung der eigenen Mannschaft abhängig. Das keiner besser beurteilen als der Trainer. Da gibt es also kein Patentrezept, was bei Unterzahl in jedem Spiel greift.

30.10.2017 12:14 insider 17

RB Leipzig hatte einfach das Pech 2 mal hintereinander in wichtigen Spielen gegen Bayern München antreten zu müssen. Hierzu gibt es doch einen schönen Artikel aktuell im Spiegel. So hat Bayern München in den letzten 3 Spielen(HSV und 2mal RB Leipzig) jeweils von Heraustellungen des Gegners profitiert und die Spiele jeweils erst nach den roten Karten für sich entscheiden können. Bemerkenwert vor allem der Hinweis das in allen 3 Spielen der Gegner auf keinen Fall unsportlicher gespielt hat als Bayern München selbst. Aber nun sind Sie ja erstmal wieder Tabellenführer. Der BFC Dynamo aus DDR Zeiten lässt grüssen.

30.10.2017 10:46 corazon 16

vom VfB Leipzig lernen, heißt siegen lernen.
Die haben IN Dortmund 1:0 gewonnen!! Und das obwohl ZWEI Spieler vom Platz flogen! ( 43min Gelb/Rot, 60min Rot!!

30.10.2017 08:39 RB Fan 15

Plan B für ein Spiel in Unterzahl? Ich glaube nicht, dass man Unterzahl systematisch trainieren sollte.
Es war vollkommen nachvollziehbar, dass Leipzig keine Kraft und keine wirkliche Lust mehr nach der roten Karte hatte. Bayern konnte das ja schon am Mittwoch üben. Porto ist einfach zu wichtig, um sich in München vollkommen auszupowern. Schade nur für die mitgereisten Fans.

29.10.2017 19:21 Eventi 14

Plan B war, dass das Spiel als verloren ab dem 0:2 abgehakt wird und im Schongang keine weiteren Treffer zugelassen werden. Plan B erfüllt und Porto wird am Mittwoch geschlagen. Etwas zu wenig für die mitgereisten Fans, aber einfach Rational gehandelt. RB wird cleverer. Blöde, dass Keita kurz vor Schluss noch getroffen wird. Dies war wahrscheinlich nicht Bestandteil von Plan B.

29.10.2017 18:03 Camem Bert 13

@Gerald glücklicherweise geht es nicht nach dir. RB Macht tausenden Fußballbegeisterten viel Freude. Endlich wieder Spitzenfussball in Sachsen. Wer den nicht ertragen kann, darf doch das wöchentliche Versagen des Traditionsclubs Dynamo Dresden genießen, oder Magdeburg, Zwickau, Chemnitz, Erfurt ..O

29.10.2017 17:12 Gerald 12

Zu @ Bernd 10
Warum nicht? Jetzt bin ich schwer enttäuscht!

29.10.2017 17:10 Benachteiligter Jammerossi 11

@10 Bernd, und wer bestimmt das?