Naby Keita (8, RB Leipzig) sieht von Schiri Marco Fritz die rote Karte.
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Fußball | Bundesliga Patzer, Probleme und ein Zähler

4. Spieltag

„Saturday Night Fever“ bei RB Leipzig: Fünf personelle Veränderungen, vier Tore, zwei verschiedene Halbzeiten und eine Rote Karte sind die Eckpfeiler des Bundesliga-Spiels gegen Borussia Mönchengladbach. Alexander Kunze und Sven Kups waren im Stadion und haben danach über das Spiel gesprochen.

von Sven Kups und Alexander Kunze

Naby Keita (8, RB Leipzig) sieht von Schiri Marco Fritz die rote Karte.
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Sven Kups: Wie schon nach dem 1:1 am Mittwoch gegen Monaco steht auch jetzt wieder die Frage im Raum: Ist das 2:2 gegen Gladbach ein gewonnener Punkt oder sind es zwei verlorene?

Alexander Kunze: Wenn man die zweite Halbzeit betrachtet mit der taktischen Umstellung auf ein 4-3-3-System, mit der fehlenden Stabilität und der Roten Karte, dann ist es wirklich ein glücklicher Punkt. Gladbach war dem 3:2 deutlich näher.

Kups: Diesmal haperte es mächtig in der Defensive. Vielleicht waren drei personelle Änderungen allein in der Hintermannschaft doch etwas viel.

Kunze: In der zweiten Halbzeit hatte vor allem Konrad Laimer mächtige Probleme. Es gab zwar die Balleroberungen, aber der Ball war danach schnell wieder weg.

Kups: Das Gleiche kann man aber auch über Naby Keita sagen. Der vereinte mal wieder Genie und Wahnsinn. Mit genialer Balleroberung und unmittelbar danach dem leichten Ballverlust. Mit dem Zuckerpass zum 2:1 durch Augustin und dem Patzer vor dem 2:2. Und natürlich mit der Roten Karte. Das Problem war eigentlich weniger die Abwehr, sondern mit Laimer und Keita eher das defensive Mittelfeld. Die klassische Abwehrreihe selbst machte gar nicht so viele Fehler. Vom Foulelfmeter, den Bernardo ungeschickt verschuldet hat, mal abgesehen.

Kunze: Ja, wenn die erste Defensiv-Linie überwunden war und Gladbach ins Rollen kam, war das grundsätzlich schwer zu verteidigen.

Kups: Innenverteidiger Dayot Upamecano machte wieder ein gutes Spiel. Mal. Er ist für mich ein Gewinner dieser ersten englischen Woche. Angeblich hat er im Vertrag eine Ausstiegsklausel mit einer Ablösesumme von 100 Millionen Euro.

Kunze: Und er ist erst 18 Jahre alt! Gut möglich, dass er Leipzig bereits nächsten Sommer verlässt. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, angesichts der aktuellen Inflation im Fußball.

Kups: Die großen Summen werden allerdings meist für Offensivspieler gezahlt, nicht für Innenverteidiger.

Kunze: Aber Manchester City hat zuletzt etwa 140 Millionen Euro für Defensivspieler ausgegeben, weil Pep Guardiola unzufrieden war. In dieses Team würde Upamecano zum Beispiel gut reinpassen.

Kups: Der große Verlierer des Spiels dürfte der bereits erwähnte Naby Keita sein, der eine Aktie am 2:2-Ausgleich hatte und dann auch noch Rot sah. Über den Feldverweis muss man nicht diskutieren, oder?

Kunze: Nein. Eine interessante Randgeschichte: Liverpools Sadio Mané, der mit Keita befreundet sein soll, hat vor einer Woche im Spiel gegen ManCity wegen einer ähnlichen Aktion auch die Rote Karte gesehen. Er hat seinem Gegenspieler mit gestrecktem Bein den Kiefer gebrochen. Deswegen war mein erster Impuls nach der Situation mit Keita: Rot! Zum Glück konnte Christoph Kramer weiterspielen.

Kups: Ziemlich enttäuschend war auch der Auftritt von Emil Forsberg. Gegen Monaco war er nach 60 Minuten ausgewechselt worden und darüber wenig erfreut. Gegen Gladbach hätte ihn Ralph Hasenhüttl eigentlich noch eher rausnehmen können.

Trainer Ralph HasenhŸüttl
Trainer Ralph HasenhŸüttl wechselte den platten Forsberg erst nach 85 Minuten aus. Bildrechte: Picture Point

Kunze: Oder sogar müssen. Nach 85 Minuten – das war ziemlich spät. Er wirkte auf mich platt. Ich bin gespannt, wo es mit ihm hin geht. Letzte Saison spielte er über dem, was man von ihm erwarten konnte. Seine Qualität liegt in seinem ersten Ballkontakt. Aber das ist heute gar nicht mehr so sehr gefragt. Seine Stärken kann er so nicht mehr ausspielen.

Kups: Hinzu kommt, dass Forsberg im Spiel immer wieder abtaucht. Aber genug gemeckert - wer hat dir gegen Gladbach gefallen?

Kunze: Es ist immer leicht, den Torschützen zu nehmen. Aber Timo Werner beeindruckt mich. Der läuft und läuft und läuft. Trotz verkürzter Sommerpause durch die Länderspiele, und er hat alle bisherigen sechs Saisonspiele fast durchgespielt. Auch heute war er wieder sehr aktiv. Upamecano fand ich auch stark. Sein Timing, wie er seinen Körper einsetzt, wie er Gegner mit hohem Tempo abläuft. Auch wenn er ab und zu einen Schnitzer dabei hat – was Upamecano rettet, ist der Wahnsinn. Bei seinen Dribblings als letzter Mann rutscht manchen sicher das Herz in die Hose. Aber sie gelingen ihm. Und wenn er so am ersten Gegenspieler vorbei kommt, hilft das dem Spielaufbau ungemein weiter.

Kups: Wie siehst du Kevin Kampl? Gegen Gladbach stand er erstmals in der Startelf von RB und verteilte die Bälle in der Offensive, als ob er schon zwei Jahre in Leipzig wäre.

Kunze: Ich mag an ihm, dass er variiert. Mal spielt er direkt weiter, mal hält er den Ball und geht ins Dribbling. Das macht ihn unberechenbar.

Kups: Auch am Dienstag gegen den FC Augsburg ist er ein Mann für die Startelf. Augsburg hat zu Hause gegen Gladbach übrigens auch 2:2 gespielt, zuletzt aber gegen Köln und Frankfurt gewonnen. Wie lautet deine Prognose?

Kunze: Sie kreieren viele Chancen. Nach dem Spiel heute bin ich gespannt, ob das RB Leipzig unterbinden kann. Die Arbeit gegen den Ball wird entscheidend sein. Ich tippe auf ein Unentschieden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 17. September 2017 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2017, 21:01 Uhr

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2 Kommentare

17.09.2017 08:51 C 2

Die Gegner haben sich inzwischen auf das System RB eingestellt. In der ersten HZ RB anrennen lassen, massiv verteidigen, Kräfte schönen, Konterversuche starten, RB ermüden und in HZ2 dann die ausgelaugten Leipziger bezwingen. Da muss RB gegensteuern, in HZ1 Kräfte schönen. Sonst wird es in der zweiten Halbserie ein Abstiegskampf.

17.09.2017 08:40 RBLer 1

Feine Analyse dieses aufregenden Spiels!