Fußball | 1. Bundesliga RB Leipzig zwischen Zittern und drei goldenen Punkten

Aufatmen bei RB Leipzig: Die Mini-Krise ist beendet. Der Vizemeister hat am Sonnabend seine zweite Englische Woche mit einem Heimsieg beendet und damit auch die Serie von drei sieglosen Spielen in Folge ad acta gelegt. Doch bei dem 2:1 gegen Eintracht Frankfurt war nicht alles Gold, was glänzte.

von Sven Kups

Jubel bei RBL um 2:1-Torschütze Timo Werner.
Jubel bei Torschütze Timo Werner (2. v. r.). Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Eintrittskarten für ein Heimspiel von RB Leipzig sind in dieser Saison Gold wert. Wer ein Ticket ergattern konnte (drei von bislang vier Spielen waren im Heimbereich ausverkauft), wird unterhalten. Ganz egal, ob er nun RBL-Fan ist oder ein neutraler Zuschauer. Und genauso egal, ob RB Leipzig gewinnt oder nicht. Auch die Partie gegen Eintracht Frankfurt hatte mit drei Toren und vielen Großchancen auf beiden Seiten den Hang zum Spektakel. Dabei verließ RB Leipzig als Sieger den Platz. Wenngleich es hätte auch ganz anders kommen können.

Kam es aber nicht, was an vier Schlüsselspielern lag. Zu diesen gehörten einmal mehr Timo Werner und Dayot Upamecano. Stürmer Werner war wieder ein Aktivposten (11 km, 37 Sprints!), machte ein alles andere als einfaches Tor zum 2:0 und glänzte in der Nachspielzeit im eigenen Strafraum sogar als Retter in der Not. Der blutjunge Innenverteidiger Upamecano wiederum war erneut ein Fels in der Brandung. Nicht nur wegen seiner körperlichen Präsenz. Die von ihm ausstrahlende Ruhe und Ballsicherheit hatte nach seinem wackligen Saisonbeginn kaum einer für möglich gehalten.

Timo Werner erzielt das 2:1. Frankfurt-Torhüter Hradecky und die Frankfurt-Spieler Falette und Hasebe können dem Ball nur hinterherschauen.
Timo Werner (re.) erzielt das 2:1. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Ansteigende Form bei Forsberg

Die anderen beiden Schlüsselspieler waren – das ist aktuell etwas überraschend - Emil Forsberg und Stefan Ilsanker. Forsberg läuft nach wie vor seiner Form der letzten Saison hinterher. Gegen die Eintracht ließ der Schwede allerdings erahnen, warum der AC Mailand an ihm interessiert ist. In der Offensive (unter anderem ein Pfostentreffer) und nicht zuletzt in der Defensive. RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl war begeistert: "Mich hat gefreut, dass er heute auch die Wege nach hinten gemacht hat. Das ist wichtig für unser Spiel."

Auch Stefan Ilsanker war zuletzt nicht so gut drauf und meldete sich eindrucksvoll zurück. Das lag auch an seiner Position. Nach diversen Einsätzen als Innenverteidiger durfte er gegen Frankfurt wieder als "Sechser" ran, was dem Österreicher offensichtlich am besten liegt. Das zeigen auch die Statistiken: Ilsanker gewann die meisten Zweikämpfe und glänzte mit hoher Passsicherheit (Rang zwei hinter Dauerläufer Diego Demme).

Rangelei zwischen Upamecano und Kevin-Prince Boateng.
Rangelei zwischen Dayot Upamecano und Kevin-Prince Boateng (Nr. 17). Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Viele Chancen vergeben und zugelassen

Genug des Lobes. Dass gegen Frankfurt nicht alles Gold war, was glänzte, liegt angesichts der finalen Zittereinlage auf der Hand. So fiel in der zweiten Halbzeit zwar das 2:0, aber der Sack wurde nicht zugemacht, was sich beinahe gerächt hätte. Dabei ist mangelhafte Effektivität bei RB Leipzig nichts Neues. Überraschend ist viel mehr, dass das Team um Kapitän Willi Orban dem Gegner zahlreiche Großchancen zubilligte – qualitativ und quantitativ so viele wie noch nie in dieser Saison. Orban sagte: "Im Fußball klappt nicht immer, was man sich vorgenommen hat. Unterm Strich zählen die drei Punkte."

Stefan Ilsanker sah das hinterher relativ entspannt. "Wenn man sieht, mit welcher Leidenschaft und Wucht Frankfurt in den letzten 15 Minuten gekommen ist – da können solche Chancen entstehen", bemerkte der mit 28 Jahren älteste Spieler in der Leipziger Startelf. Auch sein Coach Hasenhüttl verwies auf die Gäste: "Frankfurt hat da mehr riskiert und mehr lange Bälle gespielt." Was der Trainer aber auch bemerkt und nicht gefallen haben dürfte: RB Leipzig hat wie gegen Mönchengladbach in der zweiten Hälfte komplett die Spielkontrolle verloren.

Die Bilder von Leipzig gegen Frankfurt

Ralph Hasenhüttl
RBL-Coach Ralph Hasenhüttl wechselt mal wieder gründlich durch. Sechs neue Spieler schaffen es in die Startformation. In den Englischen Wochen sind Pausen wichtig. Bildrechte: Picture Point
Kevin-Prince Boateng
Bei Frankfurt sitzt überraschend Neuzugang Kevin-Prince Boateng nur auf der Bank. Aber er wird noch in der 1. Halbzeit eingewechselt. Bildrechte: Picture Point
Naby Keita
Nur auf der Tribüne ist Naby Keita, der wegen seiner Rotsperre zuschauen muss. Wenn er schon nicht den Taktgeber auf dem Feld geben kann, dann zumindest den Styler auf den Zuschauerrängen. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Torjubel nach dem 1:0 durch Jean-Kevin Augustin (r., verdeckt, RB Leipzig).
Und auch der Rest des Teams kommt zum gemeinsamen Feiern. Bildrechte: Picture Point
 v.l. Torjubel zum 2:1 durch Ante Rebic (Eintracht Frankfurt) mit Marius Wolf (Eintracht Frankfurt) Leipzig
Aber auch der Eintracht gelingt noch ein Erfolg. Auf Vorarbeit von Marius Wolf trifft Ante Rebic (re.). Bildrechte: IMAGO
Schlussjubel, Mannschaft und Fans von RB Leipzig.
Die Eintracht kommt noch mal zu Gelegenheiten, aber es bleibt beim 2:1. Danach geht es für die RBL-Akteure in die Kurve. Bildrechte: RB Leipzig vs. SG Eintracht Frankfurt ,
Ralph Hasenhüttl
RBL-Coach Ralph Hasenhüttl wechselt mal wieder gründlich durch. Sechs neue Spieler schaffen es in die Startformation. In den Englischen Wochen sind Pausen wichtig. Bildrechte: Picture Point
Torwart Lukas Hradecky (Frankfurt), David Abraham (19, Frankfurt), Emil Forsberg (10, RB Leipzig) und TorschŸtze Jean-Kevin Augustin (29, RB Leipzig).
Die Führung gelingt in der 28. Minute Jean-Kevin Augustin. Mit einem Abstauber. Bildrechte: Picture Point
v.l.: Torschütze Timo Werner (11, RB Leipzig) und Jean-Kevin Augustin (29, RB Leipzig), Torjubel nach dem Treffer zum 2:0.
Dann geht es zum gemeinsamen Jubeln mit Timo Werner, der zuvor selbst aufs Tor schoss, dessen Versuch aber zunächst noch pariert wird. Bildrechte: RB Leipzig vs. SG Eintracht Frankfurt ,
v.l.: Marcel Sabitzer (7, RB Leipzig) und Jetro Willems (15, Frankfurt).
Marcel Sabitzer (li.) ist immer wieder gefährlich. Von ihm kommt vor dem 1:0 auch die Balleroberung inklusive Vorlage. Bildrechte: RB Leipzig vs. SG Eintracht Frankfurt ,
Timo Werner (11, RB Leipzig) und Simon Falette (3, Frankfurt)
Timo Werner ist mal wieder einer der Aktivposten und stellt Frankfurt mit seiner Schnelligkeit immer wieder vor Probleme. Bildrechte: Picture Point
Timo Werner erzielt das 2:0 für Leipzig
Beim 2:0 profitiert er aber nicht von seinem Tempo, sondern von seiner Schusstechnik. Drehung - Abschluss - Treffer. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Torschütze Timo Werner (11, RB Leipzig), Torjubel nach dem Treffer zum 2:0.
Danach darf wieder gejubelt werden. Bildrechte: Picture Point
v.l. Tor zum 2:1 durch Ante Rebic (Eintracht Frankfurt) Leipzig
Die scharfe Hereingabe ist für RB-Torwart Peter Gulacsi und Verteidiger Lukas Klostermann nicht zu erreichen. Ante Rebic steht völlig frei - ähnlich wie Augustin beim 1:0. Bildrechte: IMAGO
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Vom Favoriten zum Außenseiter

Am kommenden Dienstag in der Champions League sollte ein solcher Aussetzer nicht passieren. Denn das würde wohl bitter bestraft werden. Bei Besiktas Istanbul ist RBL nach langer Zeit mal wieder in der Außenseiterrolle. Und die liegt den Leipzigern. Das haben sie vergangene Saison in der Bundesliga und vor kurzem auch gegen AS Monaco gezeigt. Ein Punktgewinn in Istanbul ist drin. Das dafür nötige Selbstvertrauen hat sich das Team gegen Frankfurt geholt. Trotz Zittereinlage.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. September 2017 | 16:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2017, 09:13 Uhr

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1 Kommentar

24.09.2017 12:33 RBLer 1

Man muss auch mal Spiele mit einem Tor Unterschied gewinnen dürfen, ohne dabei gleich über eine Schwäche zu reden. Ich halte das eher für eine dazugewonnene Stärke, dass man Spiele ökonomisch über die Zeit bringt. Bei Bayern würde es heissen, clever zuende gespielt.