Fußball | 1. Bundesliga Mit den eigenen Waffen geschlagen

1. Spieltag

Erstmals in der noch jungen Vereinsgeschichte hat RB Leipzig ein Saison-Auftaktspiel verloren. Ungewohnt viele Fehlpässe im Spielaufbau, individuelle Aussetzer und ein hervorragend eingestellter Gegner sorgten für eine verdiente 0:2-Niederlage beim FC Schalke 04. Doch allzu große Sorgen braucht sich (noch) niemand machen.

von Marcus Teichmann

Es war schon ein ungewöhnliches Spiel, welches die Zuschauer über 90 Minuten in der Veltins-Arena zu sehen bekamen. Die eine Mannschaft dominierte mit über 60 Prozent Ballbesitz die Partie, kam aber kaum zu Torchancen. Das andere Team hingegen legte den Fokus auf die Verteidigung und setzte den Gegner dank Pressing und schnellem Umschaltspiel Schach Matt. Das Problem aus Leipziger Sicht: Es waren nicht sie, die erfolgreich waren.  Schalkes Trainer Domenico Tedesco, der bereits in Hoffenheim und Erzgebirge Aue hervorragende Arbeit leistete, adoptierte die Leipziger Erfolgstaktik der letzten Saison mit einigen Änderungen und zog dem deutschen Vizemeister damit den Zahn.

Yevhen Konoplyanka (11, Schalke) erzielt den Treffer zum 2:0.
Yevhen Konoplyanka erzielt den Treffer zum 2:0. Bildrechte: Picture Point

Schalke 04 verzichtete auf Ballbesitz und überließ den Leipzigern weitestgehend das Mittelfeld. Kurz vor dem Strafraum bildeten sich zwei eng gestaffelte Ketten, die aggressiv verteidigten und jeden noch so kleinen Raum schlossen. Die hoch gelobte RB-Offensive um Keita, Sabitzer oder Werner blieb aufgrund starker Ballverliebtheit regelmäßig am Schalker Defensivblock hängen und musste das ein oder andere Mal mit ansehen, wie die Gastgeber über wenige Stationen einen Konter zum Abschluss brachten. RB Leipzig kam im gesamten Spiel zu einer torgefährlichen Chance, Schalke hatte dagegen gleich mehrere hochkarätige Einschussmöglichkeiten.

"Das war noch nicht 100 Prozent RBL-Fußball"

Willi Orban
RBL-Kapitän Willi Orban. (Archiv) Bildrechte: IMAGO

Doch es war nicht nur der Gegner, der die Leipziger am Samstagabend vor Probleme stellte.  Mit einer ungewohnt hohen Fehlpassquote im vorderen Angriffsdrittel beraubten sie sich ihrer eigenen Stärke. Das schnelle, direkte und harte Passspiel funktionierte an diesem Tag nicht. Entweder weil sie sich in Dribblings verrannten oder zu ungenau in die Spitze spielten. So blieben die vielen Ballgewinne nach erfolgreichen Pressingsituationen ungenutzt. RB-Kapitän Willi Orban erklärte nach dem Spiel, dass dies "heute noch nicht ganz 100 Prozent RB-Fußball" gewesen sei.

Hinzu kommen noch einige Baustellen im Kader von Ralph Hasenhüttl, die er auch selbst mit zu verantworten hat. Innenverteidiger Dayot Upamecano, der bereits im DFB-Pokal gegen Dorfmerkingen wenig souverän wirkte, sorgte mit seinem ungeschickten Einsatz im eigenen Strafraum für den 0:1 Rückstand. Auch in den Zweikämpfen zuvor verließ sich Upamecano zu sehr auf seinen robusten Körper, wie auch Hasenhüttl später kritisierte. Dennoch bekam er den Vorzug vor Compper. Auch Konrad Laimer durfte im defensiven Mittelfeld von Beginn an spielen, obwohl der Österreicher ebenfalls zuletzt nicht überzeugen konnte. Vor dem 0:2 sorgte er mit seinem Fehlpass zum spielentscheidenden Konter.

Es war nicht alles schlecht

RB Leipzig hat trotz der genannten Schwäche kein schlechtes Spiel absolviert. Einsatz, Lauffreudigkeit und Positionsspiel passten – nur der letzte Pass in den Strafraum kam zu selten an. S04-Trainer Tedesco lobte indirekt sogar die "Roten Bullen" auf der Pressekonferenz: "Wir hatten in der ersten Halbzeit versucht, Leipzig stark zu pressen. Doch als wir merkten, dass wir immer zu spät kamen und Leipzig die Räume fand, mussten wir tiefer stehen. Das war so eigentlich nicht geplant."

Kommende Woche, wenn der SC Freiburg in der Messestadt gastiert, werden die Leipziger eine Reaktion zeigen. Die junge Mannschaft lernt erfahrungsgemäß sehr schnell aus ihren Fehlern und hat in der letzten Saison nach einer Niederlage immer die passende Antwort gegeben. Auch personell hat Hasenhüttl am Sonntag wieder mehr Möglichkeiten. Diego Demme wird nach überstandener Verletzung im defensiven Mittelfeld zurückkehren. Auch für Forsberg sollte es dann wieder für 90 Minuten reichen. Spielen sie ihre Angriffe konsequenter und mit mehr Präzision zu Ende, dürfte es für die Breisgauer ähnlich ungemütlich werden wie beim 0:4 im April 2017.  

Ralph Hasenhüttl, lächelnd
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl. (Archiv) Bildrechte: IMAGO

Über dieses Thema berichtet "Sport im Osten" MDR Fernsehen | 20.08.2017 | ab 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2017, 09:48 Uhr

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4 Kommentare

20.08.2017 15:46 Bernd 4

Nimmt man die Statistischen Werte wie Laufstrecke, ballbesitz, Zweikampfquote, Passquote, Anzahl der Pässe, das ging alles an RBL, nutzt aber nichts wenn der entscheidende Pass nicht ankommt oder die Fehlpässe entscheidend sind. Aber ich sehe auch Hasenhüttel hier in der Pflicht. Sieht man dass der Herr Zwayer gegen einen Spieler alles pfeift, dann muss man auch mal umstellen, warum dann nicht Klostermann in die IV?

20.08.2017 14:52 Bsg 3

Lebbe gejt wieder.

20.08.2017 12:23 Lisa 2

Oh endlich verloren und verdient. Jetzt ist es ziemlich ruhig geworden bei RB Leipzig. Noch ein paar Niederlagen und dann wird es ganz Ruhig um den RB Leipzig. Außer den MDR die werden weiter ihr Senf dazu geben.

20.08.2017 11:21 Exil-Leipziger 1

Auch wenn man Tedescos Weggang von Aue kritisieren kann, hier gehört er beglückwünscht.

Wenn Retortenball verliert, gewinnt der Fußball-Osten!