Fußball | 1. Bundesliga Steine, Blut und viel Wut

Die Formulierung "dreckiger Sieg" wird gern herangezogen, wenn eine Mannschaft trotz spielerischer Unterlegenheit gewinnen konnte. Borussia Dortmunds 1:0-Erfolg gegen RB Leipzig war keinesfalls dreckig, wohl aber schmutzig. Dafür sorgten die BVB-Fans im und vor dem Stadion.

von Sven Kups

Transparente und Spruchbänder gegen Red Bull Chef Mateschitz von den Dortmunder Fans.
Bildrechte: IMAGO

Ein Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund ist immer eine ganz besondere Sache. Meist im positiven Sinne, schließlich bildet die sogenannte Gelbe Wand im BVB-Stadion den wohl beeindruckendsten Fanblock der Bundesliga. An Lob und Respektsbekundungen war bei den 8.000 mitgereisten Anhängern von RB Leipzig jedoch nicht zu denken. Auf deren Heimreise wurden auch nicht die 0:1-Niederlage oder das wegen Abseits nicht gegebene RB-Tor in der Nachspielzeit diskutiert. Thema in den Bussen und im Fanzug waren fast ausschließlich die Ausschreitungen im Vorfeld des Bundesliga-Spiels.

Gewalt gegen Frauen und Kinder

"Krass", "Wahnsinn" und "richtig übel" nannten viele der schon einiges an "Kritik" gewohnten RB-Fans die Ereignisse vor dem Stadion. Sie waren dort von "rund 350 Dortmunder Ultras und Problem-Fans" (Polizei-Sprecher) attackiert worden. Es flogen unter anderem Steine, Glasflaschen, und Leuchtraketen. Es wurde gepöbelt und geprügelt. Es gab blutende Platzwunden und ohnmächtig am Boden liegende Menschen. Es flossen Blut und Tränen. Laut RB-Fanverband landeten zehn Leipziger im Krankenhaus.

Im Bericht der Polizei Dortmund ist hinterher von einer "extremen Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Dortmunder Anhängerschaft" die Rede. Dass die Vorkommnisse jenseits der üblichen Scharmützel lagen, zeigt eine andere Formulierung der Beamten: Die Gewalt habe sich gegen jede als Leipzig-Fan erkennbare Person gerichtet, "egal, ob es sich um kleine Kinder, Frauen oder Familien handelte".

Gebrochene Nase und "Juden"-Rufe

Einer der Attackierten war Daniel Berndt. "Ich wurde nur ans Knie getreten und habe einen Bierbecher abbekommen. Aber ich habe gesehen, wie einer von uns mit einer Glasflasche am Kopf getroffen wurde." Einem anderen RB-Fan sei mit einem Faustschlag die Nase gebrochen worden. Frauen und Kinder hätten sich hinter Autos und Trafokästen versteckt, um nicht getroffen zu werden. Die parallel dazu ablaufenden Pöbeleien seien da kaum noch der Rede wert. Allerdings twitterte der ebenfalls zu den RB-Fans zählende Linken-Stadtrat Sören Pellmann etwas schockiert, er sei angegriffen und als "Jude" bezeichnet worden.

Zu wenig Polizei?

Hätten die Ausschreitungen verhindert werden können? Die Polizei Dortmund wusste durch Szenekundige Beamte (SKB) schon im Vorfeld, dass sich am Samstag etwas zusammenbrauen würde und konnten deshalb eine geplante Blockade des RB-Teambusses verhindern. Was die Exzesse vor dem Stadion angeht, schüttelt sie mit dem Kopf. „Wir haben versucht, die Fans zu trennen. Wegen der Enge der Straße am Stadion Rote Erde ist das aber nicht mehr möglich“, betonte ein Sprecher.

RB-Fan Daniel Berndt sieht das anders: "Es gab praktisch keine Fantrennung. Und es war viel zu wenig Polizei da. Als unser riesiger Pulk am Stadion ankam, liefen höchstens acht Polizisten vornweg. Die konnten natürlich nichts machen." Aber auch der Heimweg sei völlig chaotisch verlaufen. Kein Polizist habe so richtig gewusst, wie die Fans wieder zu ihrem Sonderzug kommen sollen. "Die haben uns kreuz und quer geschickt. Am Ende wurden wir in eine U-Bahn-Station gelotst, wo wir auf ebenfalls abreisende BVB-Fans stießen. Die folgenden Rangeleien waren aber vergleichsweise harmlos."

Nachspiel wahrscheinlich

Für das alles kann der BVB nicht zur Verantwortung gezogen werden, denn es spielte sich außerhalb des Stadions ab. Um ein Nachspiel dürften die Schwarz-Gelben aber trotzdem nicht herum kommen. Denn laut TV-Sender sport1 wurde eine 30 cm lange Metallstange aufs Spielfeld geworfen. Hinzu kommt die vor allem aus teils deftigen Beleidigungen bestehende Banner-Parade auf der Südtribüne. Zu sehen waren dort auch Sprüche wie "Burn Out Ralle", "Richtig Behindert" oder "Bullen schlachten".

Groteskerweise stand das Ganze unter dem Hauptmotto "Für den Volkssport - Gegen die, die ihn zerstören!". Über "Volkssport Fußball" hielten Borussia-Fans ein großes gelbes Banner mit den Worten "Pflastersteine auf die Bullen!" und zogen damit die Verbindung zu den gewalttätigen Geschehnissen vor dem Spiel. Diese wurden im Internet auf Twitter und Facebook auch von einigen BVB-Anhängern deutlich kritisiert. Die Dortmunder Vereinsführung distanzierte sich am späten Sonntagmorgen: "Borussia Dortmund bedauert zutiefst, dass es zu Ausschreitungen auf dem Anreiseweg der Fans aus Leipzig gekommen ist. Der BVB verurteilt diese Gewalt aufs Schärfste!" Gemeinsam mit der Polizei sollen die Vorkommnisse nun aufgearbeitet werden.

Dieses Thema im Programm Beiträge bei MDR aktuell - Das Nachrichtenradio
MDR aktuell | 05.02.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2017, 12:03 Uhr

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244 Kommentare

07.02.2017 11:59 Khl 244

Es geht in deutschen sport nur noch um geld (traurig)

07.02.2017 11:46 RÜDI 243

Ich gebe zu ich bin BVB Fan- aus dem Osten. Aber ich sehe hier wieder, nicht von allen wohlgemerkt, einen imanenten " Hass" auf die OSSIS. Der leider, so auch von der Vereinsführung eher befördert als deeskaliert wird. Ich sehe dabei tatsächlich eine politische Komponente- und da fällt mir "Dunkeldeutschland" und das " Pack " ein. Damit wird unterschwellig der " Hass" instrumentalisiert, denn dann kann man eben einfach mal draufhauen.-So leid mir es tut: Das nächste Spiel in DO: ohne Zuschauer. Und ein Fan-Treffen BVB-RB oder gar ein Extra-Freundschaftsspiel? Aber soviel Phantasie kriegen sie alle nicht gebacken. Tuchel und die Mannschaft haben keine schuld.- Ich drücke RB die Daumen. An der Anzahl der Beiträge hier im Forum sehe ich, dass ich nicht unrecht habe, und dass das die Leute umtreibt: Verrohung, Verunsicherung und Werteverlust in diesem Lande.

07.02.2017 11:12 Ernst 242

Ich kann ja verstehen das der MDR meine Meinung nicht abgedruckt hat,aber viele der Kommentare sind sich ähnlich.Solange man den BVB nicht so bestraft das es dem Verein richtig weh tut wird es immer so weitergehen.Ohne die viele Hetze von Herrn Watzke im Vorfeld gegen RB würde es vielleicht anders aussehen! Ich bin gespannt ob es überhaupt ein Urteil gegen den BVB und seine Verantwortlichen geben wird? Bestimmt wird wieder alles verharmlost werden .Den verletzten Leipzigern und den Polizisten wünsche ich gute Besserung.

07.02.2017 10:47 Fußballfreund 241

@Leser, Sie waren sicher in Dortmund und haben die Hetzer und Schläger durchgezählt und haben dann bei 350 Schluss gemacht. Die 25 000 in der Südkurve, die alle freudig unter den zahlreichen Hetzbannern standen, für Sie wahrscheinlich geschenkt. Womöglich haben Sie an deren Inhalt nichts auszusetzen. Ihre persönlichen Erfahrungen mit Angriffen auf sich selbst, sind für Sie offensichtlich üblich. Für mich nicht. Man kann nicht einerseits Gewalt ablehnen und anderseits relativieren. Ich gehe mit Frau und 2 Enkeln zu RBL und bin froh, dass die von Ihnen erlebte gewaltbereite "Fankultur" , hier nicht existiert.

07.02.2017 10:21 Duden 240

@238. Bernd: Na, in Deutsch nicht aufgepasst? Da steht eindeutig "wegen "Neuzugängen" wie z.B. RBL", RBL ist also nur als Beispiel für mehrere Vereine genannt und diese können sehr wohl eben auch mehrere Vereine verdrängen. ;)

07.02.2017 09:04 Bernd 239

@Auskenner, also wenn jemand einen solchen Nick hat dann beginnt man einen Beitrag mit Vorfreude zu lesen, denn man erwartet etwas interessantes zu erfahren und wird dann so jämmerlich enttäscht. Warum, Austria Salzburg ist z.B. eine Neugründung. Und warum sollte es einen FC Hopp geben? Da waere dann FC SAP wohl angebrachter, oder warum denn FC bet-at-home, der wichtigste Anteilseigner ist wohl KKR, die anderen genannten ein Sponsor. Aber komisch dass man immer wieder darauf kommt Red Bull ist der einzige Konzern dem es nur um Werbung geht, alle anderen legen wenn es um Fussball geht wohl die Gesetze des Kapitalismus ad acta. Red Bull haette mit dem Geld was man in RBL steckte wohl ganze Autobahnen zuplakatieren koennen, und es wird ignoriert dass Red Bull im Wintersport, Formel 1, Eishockey und Fussball tätig ist. Also einem solchen Konzern die Affinität zum Sport abzusprechen, zeugt nicht von Auskennen. Also wollen Sie ihren Nich mit Stolz tragen habern sie noch einen weiten Weg.

07.02.2017 08:44 Bernd 238

@215, na in der Mengenlehre nicht aufgepasst? Rasenballsport Leipzig ist ein Verein, also könnte er maximal einen verdrängen nicht wie Sie schreiben mehrere. Aber sollte der FCI absteigen oder der HSV dann hätten wir wohl eine andere Kapitalgesellschaft verdrängt.

07.02.2017 08:39 Leonard 237

ich erwarte, dass endlich klare Kante gezeigt wird. Bei DD ist man immer ganz schnell. Aber Dortmund liegt ja im Westen und der Verein ist auf Bewährung !!!!!!!!!!!!!!!!!

07.02.2017 08:34 Bernd 236

@NN wie kommen Sie denn darauf, dass jemand Fördermitglied bei der Rasenballsport Leipzig GmbH wäre. Also ich hoffe Sie wollen etwas lernen. Also aufgemerkt!!! Es gibt die Rasenballsport GmbH und den Rasenballsport Leipzig e.V. Der letztgenannte betreibt Kinder-, Jugend, Mädchen- und Frauenfussball. Dort sind die Fördermitglieder dabei. Sie fördern also Nachwuchs- und Frauenfußball.

07.02.2017 07:33 Heiko Hucke 235

Man schämt sich Dortmundfan zu sein, wenn man diese Ausmaße an Gewalt und Beleidigungen sieht.
In der Hoffnung das der Vorstand wirklich etwas dagegen unternimmt, kann ich den Fans von Leipzig hiermit nur versichern, das nicht alle Dortmundfans dieses gutheißen.
Ihre Manschaft sowie Ihre Fans verdiehnen meinen Respekt.