Ralph Hasenhüttl
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Fußball | 1. Bundesliga Verspielt Leipzig die internationalen Plätze?

Als Bremens Coach Alexander Nouri nach dem Spiel auf der Pressekonferenz den Leipzigern "viel Glück kommende Saison in Europa“ wünschte, wusste RB-Coach Ralph Hasenhüttl nicht, ob er lachen oder lautstark widersprechen sollte. Denn nach dem nächsten schwachen Auftritt seiner Mannschaft scheint die schon sicher geglaubte Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb langsam in Gefahr zu geraten. Das wissen auch die Spieler - und hoffen auf die Länderspielpause.

von Marcus Teichmann

Ralph Hasenhüttl
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"Wir müssen das intensiv aufarbeiten"

In der Analyse des 0:3 waren sich alle einig: Die erste Halbzeit war in Ordnung, die zweite Halbzeit eher nicht. Werner, Forsberg und Sabitzer hatten zwar gleich drei hochkarätige Chancen zum eigenen Torerfolg in den ersten 45 Minuten, scheiterten aber am Torhüter, den eigenen Nerven oder dem Aluminium. "Wenn wir unsere Chancen nutzen und in Führung gehen, läuft das Spiel ganz anders" erklärte Kapitän Willi Orban nach Abpfiff und hätte auch gleich fünf Euro ins Phrasenschwein werfen können. Sein Teamkollege Marcel Sabitzer analysierte selbstkritisch: "Erst machen wir vorne die Dinger nicht rein und dann verpennen wir die 2. Halbzeit. Wir müssen das intensiv hinterfragen und aufarbeiten, sonst verbocken wir das noch". Auch Davie Selke, der bei seiner Rückkehr ins Weserstadion erfolglos blieb, schlug einen ähnlichen Ton an: "Wir wollten mit Schwung aus der Kabine kommen, haben das aber nicht hinbekommen. Es gab auch keine wirkliche Reaktion nach dem Rückstand, das müssen wir noch lernen." Lernen tun die Roten Bullen in den letzten Monaten viel, da sie laut ihrem Coach nicht verlieren, sondern nur neue Erfahrungswerte sammeln.

Berg- und Talfahrt im Jahr 2017

Mit den Siegen gegen Frankfurt (3:0) und Hoffenheim (2:1) starteten die Roten Bullen eigentlich gut ins neue Jahr. Danach setze es aber mit dem 0:1 in Dortmund und der 0:3 Heimpleite zwei bittere Niederlagen, denen ein Auswärtserfolg in Gladbach (2:1) und ein 3:1 gegen den 1. FC Köln folgten. Beim unglücklichen 2:2 in Augsburg schoben die Spieler zwar Frust, waren aber dennoch optimistisch, es schon im kommenden Spiel wieder besser zu machen. Doch das verdiente 0:1 gegen den  VfL Wolfsburg vor heimischen Publikum sorgte für erste Sorgenfalten in den Gesichtern der Verantwortlichen - und die dürften nach dem deutlichen 0:3 gegen Werder Bremen noch viel größer geworden sein. Der Vorsprung auf Dortmund ist auf magere drei Punkte geschmolzen, Hoffenheim hat nur noch vier Zähler Rückstand. Auf Hertha BSC und den 1. FC Köln, die beide auf den Europa-League-Plätzen stehen, beträgt der Vorsprung neun bzw. 12 Punkte. Klingt bei noch neun auszustehenden Partien zunächst beruhigend, doch die schwankenden Leistungen geben mittlerweile Anlass zur Sorge.

Opfer der öffentlichen Erwartungshaltung oder ist nur der Wurm drin?

Ralph Hasenhüttl erklärte nach dem Spiel, dass diese Leistungsdelle im Laufe der Saison erwartbar gewesen sei. Das habe er schon immer prognostiziert, nur die Medien und Fans hätten das damals noch als "Understatement aller erster Güte" interpretiert. Doch so richtig scheint derzeit niemand zu wissen, woran es beim Aufsteiger krankt. Diego Demme versuchte sich an einer etwas einfachen Erklärung: "Die Schüsse vom Gegner gehen eher rein als in der Hinrunde." Hasenhüttl stimmte zu: "Das Spielglück, was wir in der Hinrunde hatten, fehlt uns jetzt". Ist es also nur das fehlende Quäntchen Glück beim eigenen Abschluss und im Spielverlauf? Oder ist die Leichtigkeit abhandengekommen? Ist es der "entschlüsselte Code"? Liegt es am Ausfall von Yussuf Poulsen, der Werner im Sturmzentrum entlastet? Kommt zu wenig Druck von der Bank, da der Kader qualitativ zu dünn besetzt ist? Für die Antworten auf die vielen offenen Fragen haben die Leipziger nun zwei Wochen Zeit, denn dank der Länderspielpause steht kommende Woche kein Pflichtspiel an. Für alle Beteiligten kommt das gerade Recht.

Länderspielpause soll für neuen Schwung sorgen

"Vielleicht ist es gut, wenn der Fokus auf etwas anderem liegt. Wir wollen die Länderspielpause nutzen, um den Kopf frei zu bekommen" erklärte Marcel Sabitzer die Vorfreude auf die anstehenden Partien mit der Österreichischen Nationalmannschaft. Seinem Trainer Ralph Hasenhüttl kommt die Pause ebenfalls gelegen: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, den Resetknopf zu drücken." Neu-Nationalspieler Timo Werner ergänzt: "Wir haben jetzt genug Zeit, um uns auszuruhen und die Köpfe frei zu bekommen" und schob noch schnell eine Bewertung der Niederlage hinterher: "Schade. Scheiße. Abhaken."

Dieses Thema im Programm | MDR FERNSEHEN MDR SACHSENSPIEGEL | 19.03.2017 | 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2017, 12:02 Uhr

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10 Kommentare

21.03.2017 08:43 Bernd 10

Sicher in der Hinrunde war eine Leichtigkeit zu sehen, man spielte sich ein und es lief super. Weil man nichts zu verlieren hatte. Das hat sich geändert, Problem die Rolle der Medien, immer wieder diese Frage nach der CL. Da hat sich etwas festgesetzt, man denkt nicht mehr von Spiel zu Spiel und hat etwas zu verlieren. Das lähmt. So fehlte gegen Bremen die Schnelligkeit und die Unbekümmertheit und schon gehen Schüsse daneben. Es ist Aufgabe des Trainerteams, wieder den Druck zu nehmen, dann wird es auch wieder. Es gilt auch für die Fans, die Truppe braucht jetzt die Unterstützung. Ich fand das Bremen gut. Sicher EL/CL wäre ein Traum, klappt es nicht, dann entwickeln wir uns weiter. Der Druck kommt von den Medien und der Hasserszene. Letzteres kann man ignorieren.

20.03.2017 23:06 Peter Silie 9

Nichts gegen kleine Schwächen. Aber jetzt sollte mal wieder etwas positives passieren. RB hat einen der besten Kader in der BL und ich hoffe sehr stark auf unseren Trainer, dass er sich jetzt eine andere Taktik ausdenkt. Die momentane hat wohl jeder Ligaverein verstanden und kann sich darauf einstellen. Auch die Passgenauigkeit muss endlich perfekter sitzen. Momentan spielen leider alle unsere Gegner so, wie wir gern spielen würden. Platziertere Torschüsse aus dem 18 er sollte man vielleicht auch mal überdenken. Sorry, aber Kritik muss auch mal sein, damit man endlich mal aufwacht. So, jetzt wollen wir wieder Tore sehen!!!!!

20.03.2017 17:37 RBLer 8

Was für eine Frage? Werde mal in meinen Kaffeesatz schauen! Es macht keine Sinn sich damit zu beschäftigen. RB muss gut trainieren und die Spiler müssen den Spass und die Leichtigkeit wiederfinden. Poulsen muss gesund und fit werden. Und dann bereitet man sich auf Darmstadt vor. Alles andere ist kalter Kaffee!

20.03.2017 14:23 Sr.Raul 7

@2 (Rennsteiger), klare Frage- klare Antwort: rechnerisch oder/und wenn @ Wüste und ich unseren "Deal" konsequent durchziehen, Ja! Weitergedacht, vor dem Hintergrund aktueller Informationen, sogar sicher erträglicher, als wenn... . Ich mag jetzt nicht in der Wunde bohren.

20.03.2017 11:19 jochen 6

Schnee von gestern,wenn RB Leipzig die sportliche Qualikation schafft,wovon ich ausgehe,spielen sie ebenso wie RB Salzburg international
Forza RED BULL,auf geht's!

20.03.2017 09:02 zwigger 5

Europa ist drin!!!
Aber ob ihr dürft ist fraglich
Sport inside WDR gestern mit einem int. Beitrag

20.03.2017 07:44 Regelwerk 4

Laut UEFA Regelwerk dürfte sowieso nur ein Verein aus dem RB Portfolio International spielen. Und das ist Salzburg als Tabellenerster.

Bei 100 Mio Ausgaben ist ein PLatz so weit oben jetzt auch keine Überraschung. Insbesondere wenn man fast die komplette Salzburger Mannschaft nach Leipzig versetzt und um Nationalspieler ergänzt.

20.03.2017 02:01 bex 3

Wäre es nicht sinnvoller hier auf die neue SportInside ausgabe des WDR hinzuweisen.

19.03.2017 18:47 Rennsteiger 2

Klare Frage - klare Antwort : Nein! Noch 9 Spieltage, an denen Dortmund mit 46 Punkten, dahinter Hoffenheim, die Hertha, Köln und Frankfurt auf Tabellenplatz 7 mit derzeit 36 Punkten Spiele gewinnen oder verlieren können. Wie RBL auch. Kleiner Unterschied, RBL hat auf Rang zwei 49 Zähler- Also Europa-League müsste drin sein, wenn nicht noch mehr. Keine Frage. die " Leistungsdelle" ist unverkennbar, wird wohl trotzdem keine Talfahrt bis zum 20. Mai werden, so sehr sich das einige hier auch wünschen.

19.03.2017 18:06 Tini 1

Champions League nach dem ersten Jahr Bundesliga wäre zu viel des Guten für RB. Deshalb wäre die Euroleague als nächster Schritt für die Entwicklung von Verein und Mannschaft vollkommend ausreichend. Aber wenn man die Chance hat, sich für die Champions League zu qualifizieren, dann sollte man diese Chance ergreifen. Wer weiß, ob die Gelegenheit so schnell wiederkommt. Andere Mannschaften entwickeln sich auch. Trainer Hasenhüttl sollte die Pause nutzen, um die Fehler abzustellen, Abwehr und defensives Mittelfeld weniger konteranfällig zu machen und Standards und Torschüsse (die Basics) üben, üben, üben.