Im Bild v.l.: Marcel Halstenberg (23, RB Leipzig), Benno Schmitz (20, RB Leipzig) und Torwart Yvon Mvogo (28, RB Leipzig) nach der Niederlage.
Bildrechte: PICTURE POINT / R.Petzsche

Fußball | 1. Bundesliga Torhüter Yvon Mvogo: Bundesligadebüt mit Licht und Schatten

Der 23-jährige Torhüter Yvon Mvogo hat im Auswärtsspiel von RB Leipzig beim FC Augsburg ein solides Pflichtspiel-Debüt absolviert. Trotz der 0:1-Niederlage zeigte der Neuzugang von den Young Boys Bern gute Ansätze und bewies, warum er eine ernsthafte Konkurrenz für Péter Gulácsi werden könnte.

von Marcus Teichmann

Im Bild v.l.: Marcel Halstenberg (23, RB Leipzig), Benno Schmitz (20, RB Leipzig) und Torwart Yvon Mvogo (28, RB Leipzig) nach der Niederlage.
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Kein Start nach Maß

Dabei begann das Spiel für Mvogo alles andere als optimal, die Nervosität war ihm anzumerken. Zunächst segelt nach zwei Minuten aus dem Halbfeld eine Flanke in den Strafraum. Der Schweizer kommt raus, fängt den Ball und lässt ihn direkt wieder fallen. Glück in diesem Moment für Mvogo, dass der Augsburger Alfred Finnbogason den Abpraller nicht im Tor unterbringen kann. Der Keeper zeigte sich einsichtig:

Die erste Chance für Augsburg geht auf meine Kappe.

Keine zwei Minute später muss er aber doch den Ball aus dem Tor holen. Nach einem Konter nutzt Michael Gregoritsch die unsortierte RBL-Defensive aus und schießt das einzige Tor des Tages. Fraglich ist, ob Mvogo das Tor hätte frühzeitig verhindern können. Beim langen Laufduell zwischen Caiuby und Marvin Compper legt sich der Angreifer den Ball gute fünf Meter nach vorn in den Strafraum und passt anschließend in die Mitte. Hätte Mvogo, der als moderner, mitspielender Torhüter gilt, diesen Ball besser antizipieren und abfangen müssen? Eine klare Beurteilung fällt alle Beteiligten schwer. Klar ist wohl, dass es kein 'Muss' war, frühzeitig aus dem Tor herauszukommen, aber ein 'es wäre möglich gewesen'. Mvogo selbst hält sich bedeckt: "Ich muss mir das noch einmal nachschauen. Das war ein langer Ball und Augsburg spielt den Konter hervorragend aus. Da ging die Post ab."

Yvon Mvogo
Yvon Mvogo bei seinem Bundesliga-Debüt in Augsburg. Bildrechte: IMAGO

Libero und Spielgestalter

Trotz des unglücklichen Starts zeigte sich, wo die Stärken des Schweizers liegen. Im Spielaufbau wurde er von seinen Kollegen immer wieder eingebunden, wenn die Abwehr von den Augsburgern unter Druck gesetzt wurde. 22 von 27 Pässe sind angekommen - für einen Torhüter eine respektable Quote. Gulácsi hatte beim 2:0-Sieg in Hamburg bei 13 angekommen Pässen auch gleichzeitig neun Fehlpässe. Auffällig war vor allem Mvogos Präzision, sein Auge für den freien Raum bei den Abschlägen. So eröffneten sich für seine Mitspieler neue Möglichkeiten, Angriffe aufzubauen und das Spiel schnell zu machen. Kapitän Willi Orban fand für den neuen Torhüter lobende Worte: "Es war kein einfaches Spiel für ihn, da er viel mit dem Ball aktiv sein musste. Er hat ein ordentliches Spiel gezeigt und hatte eine gute Präsenz."

Mvogo verhinderte in der zweiten Halbzeit mit einem starken Reflex sogar das 0:2 und damit den vorzeitigen K. o. der eigenen Mannschaft. Der Augsburger Philipp Max zog nach einem Konter direkt nach Wiederanpfiff im Strafraum ab und der 23-Jährige parierte mit dem linken Bein hervorragend. In der 58. Minute schoss Jan Morávek aus etwa zehn Metern Entfernung in den Strafraum, aber Mvogo war zur Stelle und parierte den zentral geschossenen Ball sicher. Die einzige Unsicherheit, die er sich noch leistete, war ein Distanzschuss, den er erst im Nachfassen sicherte. Und wie fand Mvogo nun seine eigene Leistung? "Ich habe mich sehr darüber gefreut zu spielen, bin aber auch enttäuscht. Ich hatte mir gewünscht, den Kasten sauber zu halten, und gehofft, dass wir wenigstens noch das eine Tor machen."

Willi Orban und Yvon Mvogo
RBL-Verteidiger Willi Orban und Torhüter Yvon Mvogo. Bildrechte: IMAGO

Gulácsi vs. Mvogo

"Ich komme nicht, um mich in Leipzig auf die Bank zu setzen", erklärte der 5-Millionen-Neuzugang aus der Schweiz noch zu Saisonbeginn und richtete gleichzeitig eine Kampfansage an die bisherige Nummer eins, Gulácsi. Der war überhaupt nicht begeistert von der neuen Konkurrenz, die man ihm da vor die Nase setzte. Dennoch hat der Ungar das Torwartudell vorerst für sich entschieden - sicherlich auch, weil er aufgrund der vergangenen überzeugenden Saison einen Bonus hatte. Doch wie lange reicht der noch? Gulácsi bleibt bei hohen Bällen - egal ob Freistöße, Ecken oder Flanken - fast regelmäßig auf der Linie. Selbst nah ans Tor herangezogene Hereingaben sind keine Gewissheit, dass der Keeper sie abfängt. Auch die Spieleröffnung ist nicht die allergrößte Stärke des Ungarn, immer wieder landen lange Abschläge bei den Gegenspielern oder im Toraus. Böse Zungen behaupten sogar, dass RB Leipzig trotz der enormen Qualität im Kader keinen passenden Torhüter habe.

Natürlich ist es nach einem Spiel kaum zulässig, zu behaupten, der Konkurrenzkampf im Tor sei neu eröffnet. Mvogo hat in Sachen Erfahrung und Ausstrahlung noch einen gehörigen Nachteil gegenüber der aktuellen Nummer eins. Sein Spiel gegen Augsburg war alles andere als fehlerfrei - übrigens auch nicht bei seinen Einsätzen beim Emirates Cup im Sommer. Will er an Gulácsi vorbei, muss er herausragende Leistungen bringen und darf sich keine Fehler leisten. Dennoch hat der 23-Jährige das Potenzial, im Laufe der Saison und mit etwas mehr Spielpraxis in den Englischen Wochen den Druck auf Gulácsi zu erhöhen. Wer gegen Eintracht Frankfurt im Tor steht? Mvogo macht sich nicht allzu viele Hoffnungen auf einen erneuten Einsatz:

Peter Gulacsi ist die Nummer eins. Ich werde einfach mein Bestes geben, wenn ich noch das ein oder andere Spiel bekomme. Ich mache einfach meinen Job auf dem Platz.

Alles andere wäre auch von RBL-Coach Ralph Hasenhüttl unklug, sich nach der Rotations-Problematik auch noch eine Torwart-Debatte ins Haus zu holen. 

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Fr 24.11.2017 17:08Uhr 00:27 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 19. September 2017 | 22:58 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 09:55 Uhr

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2 Kommentare

20.09.2017 11:09 EisenerBulle 2

Also an Mvogo lag es mit Sicherheit nicht. Soll er die Tore auch noch schießen? 1 Tor in Augsburg zu fangen ist ok. Selbst kein Tor machen ist eben nicht ok.

20.09.2017 09:11 Bernd 1

Ja wenn du lange auf Deine Chance wartest und dann geht der erste Ballkontakt schief bringt das Unsicherheit. Der zweite ist dann drin, ich sah den Fehler eher bei Compper, dann hat sich Mvogo gefangen und wurde sicherer. Aber durch das frühe Gegentor und die anfänglichen Unsicherheiten eben kein gelungener Start.