Dresdner Fans zünden zu Spielbeginn bengalisches Feuer.
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Fußball | 2. Bundesliga Dynamo kündigt Maßnahmenkatalog an

Nach den Ausschreitungen von Dynamo-Fans in Karlsruhe will der Verein härter gegen Gewalttäter vorgehen. Unter anderem sollen die eigenen Anhänger zur Kasse gebeten werden.

Dresdner Fans zünden zu Spielbeginn bengalisches Feuer.
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Nach den Ausschreitungen von Dynamo-Fans in der Vorwoche in Karlsruhe hat Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden einen Maßnahmenkatalog angekündigt.

Keine Auswärtskarten an Ultras

Auf einer Presskonferenz am Montag verkündete Michael Born, kaufmännischer Geschäftsführer der Dresdner, Sanktionen und Schritte des Fußball-Zweitligisten. So will Dynamo die Fans bei Auswärtsspielen zur Kasse bitten. Zukünftig sollen die Anhänger einen Sicherheitszuschlag in Höhe von zwei Euro zahlen. Mitglieder der Dresdner Ultra-Fangruppen erhalten für die kommende Saison kein Dauerkarten-Kontingent für Auswärtsspiele mehr. Ein noch zu besetzender hauptamtlicher Mitarbeiter soll sich bei Dynamo künftig für sicherheitsrelevante Fragen bei Auswärtsfahrten kümmern.

Verzicht auf Gästekarten angekündigt

Dynamo Dresden, Pressekonferenz, Minge, Ritter, Born, Rasel
Das Podium der Pressekonferenz mit Rasel, Born, Ritter und Minge (v.r.n.l.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als weitere Schritte kündigte Born eine Intensivierung der Gespräche mit den gastgebenden Vereinen u.a. zur Einlasssicherung an. Nachdem Zerstören eines Verpflegungsstandes beim Spiel in Karlsruhe sagte Born: "Wenn das noch einmal passiert, werden wir dem gastgebenden Verein empfehlen, das Catering nicht zu öffnen." Für entgangene Erlöse wolle Dynamo den Gastgebern eine Entschädigung zahlen. Zudem werde Dynamo bei entsprechender Risikolage gegebenenfalls auf das Abrufen von Karten für den Gästeblock verzichten. Für Spiele mit besonderem Konfliktpotenzial sollen personalisierte Tickets gegen einen Voucher direkt am Stadion vergeben werden. Der Dynamo-Geschäftsführer forderte zudem die Intensivierung von Gesprächen von Politik, Polizei und den Fußballverbänden mit dem Verein und den Fanszenen.

"Kriegsbemalung gehört nicht zum Erscheinungsbild"

Auf der PK distanzierten sich Vertreter des Vereins erneut von dem Auftreten der eigenen Anhänger, die beim letzten Auswärtsspiel der Saison in Karlsruhe u.a. komplett in Armeekleidung als "Football Army" marschiert waren, Pyrotechnik abgebrannt, den Einlass gestürmt, einen Kiosk geplündert und Personen verletzt hatten.

"Ein großer Schatten"

Dynamo Dresden, Pressekonferenz, Ralf Minge
Dynamo-Geschäftsführer Minge: "Persönliche Schlüsse ziehen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es liegt ein großer Schatten über dem, was wir erreicht haben", sagte Dynamo-Geschäftsführer Ralf Minge. Dynamo-Präsident Andreas Ritter erklärte: "Kriegsbemalung, Kriegsrhetorik und Gewalt gehören nicht zum Erscheinungsbild unseres Vereines."

Die Vereinsvertreter forderten zudem eine Unterstützung von Politik und Staatsanwaltschaft. "Das Vereinsstrafsystem ist ein zahnloser Tiger" sagte der Rechtsanwalt und Ehrenratsvorsitzende Klemens Rasel. Gewalttätern könne Dynamo "nicht habhaft werden. Wir können bei Verhandlungen nicht in die Akten Einsicht nehmen." Minge erklärte: "Wir stoßen als Verein an unsere Grenzen, juristisch und menschlich." Der frühere Dynamo-Fußballer und DDR-Nationalspieler schloss einen Rücktritt nicht aus, sollten die Maßnahmen nicht zum Erfolg führen. "Ich sehe mich in der Verantwortung. Unterm Strich muss man dann auch persönliche Schlüsse ziehen."

Über dieses Thema berichtet "MDR aktuell" MDR FERNSEHEN | 22. Mai 2017 | ab 17.45 Uhr

dh

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2017, 19:30 Uhr

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102 Kommentare

24.05.2017 15:34 Bernd 102

@99 das k...t mich an, warum versuchen Sie immer anderen etwas in den Mund zu legen was gar nicht gesagt wurde??? Wenn das Tradition ist braucht das kein Mensch. Wir brauchen nicht zu diskutieren es gab Verfehlungen beim DFB aber dann alle Mitarbeiter des DFB als MAFIA zu bezeichnen trifft es wohl trotzdem nicht. Und komisch geht es um Auswuechse wie in Karlsruhe kommen viele von DD die dazu auffordern zu differenzieren es waere nur einer kleine Gruppe geht es gegen den DFB bekommt man genau solches Differenzieren nicht hin.

24.05.2017 14:00 Mal ne Anmerkung 101

@100Greizermann4 -Wie sie schon richtig anmerken ,es gibt Gesetze die gegen diese krimminellen Idioten angewand werden können und müssen.Nur der Verein hat weder das recht Straftaten aufzuklären,zu verfolgen und zu bestrafen.Dafür ist der Staat/Polizei/Staatsanwaltschaften da.Und dort beginnt das Problem.Wie der Herr Ritter in der PK ausführte lässt der Innenminister immer "tolle Sprüche" nach solchen Vorkommnissen ab aber seit Jahren entzieht er sich einem Gespräch mit den Verantwortlichen von Dynamo.Warum wohl?Der Verein kann nur Mitglieder ,zb.mit Ausschluß ,bestrafen wenn seitens der Staatsanwaltschaft eine Straftat festgestellt wird und dem Verein mitgeteilt.Und dies geschieht ja nicht!
Und was ist mit anderen Vereinen ,bei denen die Krimminellen genau so "Handeln" wie die Dresdner?Interessiert nicht so richtig ,es gibt ja Dynamo!

24.05.2017 12:41 Greizermann4 100

@ 98, Saxon: Der Fußball muss nicht verboten werden, weil: Den Dresdner Chaoten ging es doch gar nicht um den Sport. Die haben diverse Straftaten verübt. Das ganze auch noch mit Vorbereitung.

Überfälle auf Kiosk, Körperverletzung, Abfackeln von Pyro in enger Menschenmasse, das hat mit Fußball und Sportgeist absolut nichts mehr zu tun. Das ist einfach nur Kriminalität. Es gibt bereits Gesetze, um solche Taten zu bestrafen.

Was ist denn Ihr Vorschlag, um Problem-Vereine wie Dynamo Dresden von den Gewalttätern zu befreien? Soll die Gewalt auch weiterhin schulterzuckend geduldet werden? So kann es nicht weitergehen. Da sind Kriminelle am Werk.

24.05.2017 08:50 Saxon 99

@71Bernd, also nach ihrer Aussage ist der DFB ein fehlerfreies Gebilde ohne korrupte Auswüchse?

24.05.2017 07:34 Saxon 98

Verbietet doch einfach den Fussball und alle Probleme sind verschwunden. Ach nee geht ja auch nicht. Fehlende Steuereinnahmen, mediale Löcher und den DFB würde es ja auch nicht mehr geben.
Wie diesmal auf den Verein eingedroschen wird ist echt nicht mehr auszuhalten.

Kein Dresdner und kein Dynamo Fan

24.05.2017 07:22 Bernd 97

@88, beim NDR gibt es den Beitrag 'Verletzte Fans beim Platzsturm in Sandhausen' vom 22.05. Und wenn man Ihn liest gegt es nichtr um den Ausflug des Kindergarten Lingens, sondern um die Vorfaelle nach dem Aufstieg. Und es ist zu lesen, dass Kind den Schaden zahlt. Also eventuell nachforschen bevor Sie etwas schreiben.

23.05.2017 21:31 Dr Thumer 96

Bitte nicht falsch verstehen, nur..Diese drastischen sich selbst auferlegten Maßnahmen grenzen schon an die Kapitulation vor der eigenen (teilweise radkalisierten) Fanschar. Dies schließt auch die Ankündigung von Herrn Minge betreff eines eventuellen Rücktritt mit ein. Jeden Phantasten der hier noch versucht das Grundgesetz zu bemühen sei gesagt, benehmt Euch wie normale Menschen und alles ist gut. Einige Spinner gibt es immer und überall, das kann aber kein Alibi für ein gelebtes Gesamterscheinungsbild wie in KA sein. DD ist nicht meine Mannschaft, aber diese Erniedrigung durch einen Teil der eigenen Fans hat kein Verein verdient, auch nicht DD.....

23.05.2017 21:31 wwdd 95

Zu 85, Ist "Rechts" sein verboten, ich glaube nein. Ist "Rechtsradikal" verboten, ich glaube auch nein, was immer man darunter auch zählen mag. Verboten sind Verstösse gegen unsere Gesetze, bzw. Regeln des Zusammenlebens. Und wenn es sie aufstößt, das andere Menschen ein geistig flaches Lied wie "Da steht ein Pferd auf dem Flur" singen, tun sie mir nur leid.

23.05.2017 21:03 Dunkelbunt 94

Ich finde auch, man muß das Ganze differenziert sehen:
Man sollte diese Ultra-Szenen ja schon als Jugend- oder Subkultur begreifen. Da gibt es immer auch eine Portion Rebellion. Das äußert sich dann z.B. in Pyrotechnik, die in allen Kurven mal auftaucht. Ich habe im Grunde nicht mal ein Problem damit, wenn sich Hooligans irgendwo treffen und gegenseitig kaputt hauen. Leider bemerken viele Mitglieder dieser Szenen nicht, wo die Grenzen sein sollten. Und die sind da, wo Unbeteiligte gefährdet oder verletzt werden oder wo Nazis den Fußball als Agitationsort missbrauchen können. Insofern trifft die Kritik die Dynmo-Szene nicht von ungefähr.

23.05.2017 21:01 Fussballfan 93

Nicht verwechseln. Fussballfan 58 oder Fussball Fan 80