Thomas Letsch
Der Neue: Thomas Letsch Bildrechte: IMAGO

Fußball | 2. Bundesliga Erzgebirge Aue: Neuer Trainer, neues Glück?

Es gleicht einer Sensation, dass der FC Erzgebirge Aue auch in dieser Saison wieder in der zweiten Bundesliga spielt. Der Klassenerhalt war eng mit Trainer-Aufsteiger Domenico Tedesco verknüpft. Doch der konnte einem Angebot des FC Schalke 04 nicht wiederstehen. So gehen die Veilchen mit einem neuen, weitgehend unbekannten Trainer in die Spielzeit: Thomas Letsch. Ob er den Erfolgsweg von Tedesco weitergehen kann, bleibt abzuwarten.  

von Ronny Eichhorn

Thomas Letsch
Der Neue: Thomas Letsch Bildrechte: IMAGO

So lief die vergangene Saison

Was war das für eine Saison in Aue? Nach dem Wiederaufstieg 2016 herrschte eigentlich große Euphorie im Erzgebirge. Dann verlor Sportchef Steffen Ziffert mitten in der Vorbereitung seinen Job. Eine glaubhafte Begründung gab es von Vereinsseite nicht. Der Knatsch schwelte bis in das Frühjahr 2017, als Ziffert vor dem Arbeitsgericht eine sechsstellige Summe erstritt. Negativer Höhepunkt war die Mitgliederversammlung Ende November 2016, als auch Präsident Helge Leonhardt wüst beschimpft wurde. Aue war gespalten. Erst nach einigen Tagen Bedenkzeit erklärte Leonhardt weiterzumachen.

Trainer Thomas Letsch, Erzgebirge Aue
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Wo setzt sich Erzgebirge Aue fest?

7% 64 Stimmen   In der oberen Tabellenhälfte.
53% 491 Stimmen   Im gesicherten Mittelfeld.
40% 372 Stimmen   In der Abstiegsregion.

Stand: 06.08.2017 13:09:49 Uhr 927 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Danke für die Abstimmung! Die Abstimmung ist beendet.

Trainer Thomas Letsch, Erzgebirge Aue
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Dotchev
Aufstiegsheld Pavel Dotchev bei seiner Abschieds-PK Bildrechte: IMAGO

Die Startbedingungen waren für Aufstiegstrainer Pavel Dotchev also alles andere als gut. Ende Februar 2017 sollte auch die Uhr für den Bulgaren abgelaufen sein. Dabei lief es zunächst nicht schlecht, Aue hatte nach fünf Spielen sechs Punkte geholt, gewann das Prestigeduell bei Dynamo Dresden mit 3:0. Es folgten Niederlagen, der Aufstiegsschwung war im Herbst weg. Auf Platz 17 ging es in die Winterpause. Nach dem 22. Spieltag und der desolaten 1:4-Heimpleite gegen Dynamo Dresden warf Dotchev das Handtuch. Die Veilchen waren ganz unten, nicht nur in der Tabelle.

Helge Leonhardt und Domenico Tedesco
Der Glücksfall für Aue: Domenico Tedesco Bildrechte: IMAGO

Wer sollte in dieser Situation das Ruder übernehmen? Präsident Leonhardt entschied sich für einen Youngster. Domenico Tedesco. 31 Jahre, keine Erfahrungen als Fußballprofi oder als Trainer im bezahlten Fußball. Aber mit einen Topabschluss bei der Fußballlehrer-Ausbildung. Er stellte um auf Dreierkette, ließ attraktiven Offensivfußball spielen und versetzte damit eine ganze Region in Euphorie. Aue punktete. Nach 11 Spielen unter Tedesco und 20 Punkte waren die Sachsen als 14. gerettet.

Nach der Rettung gab es viele Begehrlichkeiten, doch der Trainer, mit einem Vertrag bis 2018 ausgestattet, bekannte sich zu Aue. Als der FC Schalke 04 allerdings anfragte, wurde Tedesco schwach und die Veilchen hatten trotz einer Ablösesumme im sechsstelligen Bereich ein Problem. Präsident Helge Leonhardt wurde schließlich in der zweiten österreichischen Liga fündig.

Wer ist Thomas Letsch?

Thomas Letsch soll nun für die nächste Sensation sorgen und Aue weiter in der zweiten Bundesliga etablieren. Der 48-Jährige war in den vergangenen fünf Jahren für Red Bull tätig, zuletzt als Coach des Farmteams FC Liefering. Er unterschrieb  für drei Jahre.

Letsch Leonhardt
Präsidentenbruder Uwe Leonhardt (re.) und Neu-Trainer Letsch. Bildrechte: IMAGO

Letsch kickte nie höherklassig, als Trainer coachte er Teams wie die Stuttgarter Kickers oder Sonnenhof Großaspach, nahm sich dann eine mehrjährige Auszeit, um als Lehrer in Portugal zu arbeiten. Jetzt Aue. Er ist sich der Größe der Aufgabe bewusst: "Ich bin für die Chance dankbar. Wir werden alles geben und ich bin mir sicher, dass wir den Klassenerhalt schaffen können."   

Wer ging, wer blieb, wer kam?

Tor für Erzgebirge Aue.  Dimitrij Nazarov (Aue) erzielt per Foulelfmeter den Treffer zum 2:0 und jubelt.
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Ganz wichtig für die Erzgebirger: Neben Dauerbrenner Martin Männel, der wieder zum Kapitän ernannt wurde, und Routinier Christian Tiffert konnten auch die beiden Offensivkräfte Pascal Köpke und Dimitrij Nazarov gehalten werden. Nazarov, der in der Rückrunde neun Tore erzielte, verlängerte seinen Vertrag sogar bis 2021, ein großer Erfolg für Erzgebirge Aue. Schmerzlich sind die Abgänge der beiden Defensiv-Stammspieler Steve Breitkreuz und Louis Samson. Beide waren in der letzten Saison gesetzt und schlossen sich jetzt Eintracht Braunschweig an. Weniger schmerzhaft sind die Abgänge der Abwehrspieler Julian Riedel und Adam Susac, die in den letzten Monaten kaum noch zum Einsatz gekommen waren.

Dennis Kempe
Bringt viel Erfahrung in die Auer Defensive: Dennis Kempe Bildrechte: IMAGO

Die Lücke in der Abwehr sollen Dennis Kempe und Nicolai Rapp schließen. Kempe verließ nach sechs Jahren den Karlsruher SC und ist nach den Eindrücken der Vorbereitung gesetzt. Auch Nicolai Rapp (20, Greuther Fürth) schaffte den Sprung in die Stammelf und bildete beim starken 1:1 gegen Antalyaspor mit Kempe und Fabian Kalig die Dreierkette. Mit Malcolm Cacutalua (22, Arminia Bielefeld) steht ein weiterer junger Spieler bereit, der in den vergangenen Jahren bereits Zweitliga-Einsätze hatten.

Dominik Wydra
Hat das Zeug zum Spielmacher: Dominik Wydra Bildrechte: IMAGO

Das Zeug zum Spielmacher hat Dominik Wydra. Der 23-jährige Österreicher wechselte vom VfL Bochum, wo er nicht richtig zum Zug kam. In der Vorbereitung machte der frühere U21-Auswahlspieler im zentralen Mittelfeld und auch als Sechser einen guten Eindruck. Er könnte sich mit Routinier Christian Tiffert ergänzen, der nochmal ein Jahr dranhängt. Kempe, Rapp und auch Wydra werden in Heidenheim in der Startelf stehen.

Mit dem erst 19-jährigen Arianit Ferati haben die Veilchen einen Zauberfuß nach Aue gelockt. Der gebürtige Stuttgarter muss sich u.a. mit Clemens Fandrich messen. Das wird schwer: Ferati blieb in den letzten Testspielen sportlich eher blass, fiel stattdessen durch Undiszipliniertheiten auf.

Erwartungen an die neue Saison

In den Testspielen gegen stärkere Teams gelangen Aue nur wenige Tore. Gegen LASK Linz, Slovan Liberec und den 1. FC Magdeburg gab es Niederlagen, erzielte Aue nur zwei Treffer. Es fehlte an einem echten Brecher im Sturm, der auch den langzeitverletzten Nicky Adler (Adduktorenabriss) ersetzen könnte.

Gegen Antalyaspor präsentierten sich die Veilchen am vergangenen Wochenende aber schon eine Halbzeit lang in einer Topverfassung. "Da haben wir die Balance gefunden“, sagte Trainer Letsch. Die aggressive Arbeit gegen den Ball soll auch in der Liga das Plus von Aue werden. Präsident Helge Leonhardt schließt dennoch nicht aus, "dass noch ein Spieler dazukommt". Am 30. Juli steht das erste Punktspiel beim 1. FC Heidenheim an. Das einzige Ziel des FC Erzgebirge Aue kann aber auch in dieser Saison nur heißen: Klassenerhalt!

Über dieses Thema berichtet "MDR aktuell" MDR FERNSEHEN | 30.07.2017 | ab 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2017, 20:22 Uhr

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9 Kommentare

29.07.2017 10:30 Kommentar 9

Ist doch egal ob Helge oder Uwe.
Beides Genossen.
Genau richtig für den Schacht.
Die ewig Gestrigen.

28.07.2017 15:25 Saxon 8

@5, aber wieso dann Augen auf, lieber mdr.Unter dem Bild steht doch ganz klar- Präsidentenbruder Uwe Leonhardt (verstehendes Lesen bitte üben)!

[Wir haben die Bildunterschrift inzwischen korrigiert. MfG die MDR.de Redaktion]

28.07.2017 10:46 Saxon 7

@4, Präsident ist der Helge, der Uwe sitzt im Aufsichtsrat, war aber vor Jahren auch schon mal Präsi..! Und auf dem Bild mit Letsch ist der Uwe da Helge im Urlaub. Alles klar?

28.07.2017 08:44 Der Annaberger 6

Wie ich schon mehrfach geschrieben habe , kann da Ziel nur er Klassenerhalt sein.Aber diese Saison habe ich das Gefühl, nicht bis zum letzten Spieltag zittern zu müssen!
Glück Auf und nur die BSG!⚒

28.07.2017 02:50 Lieschen Müller 5

@ meine Kritiker: hab ich was anderes behauptet? Verstehendes Lesen bitte üben!

27.07.2017 19:23 Elfgart82 4

@ 2 und 3 sowie MDR!
Auf dem Bild ist Helge und nicht Uwe Leonhardt!
Der Präsi war im Urlaub :)
Glück Auf

27.07.2017 19:06 saxon 3

@1 na Frau Müller ,da musste ihnen der Annaberger aber Nachhilfeunterricht geben. Peinlich,Peinlich.

27.07.2017 14:47 Der Annaberger 2

@1,hast du ein Jahrzehnt Winterschlaf gehalten?Helge ist sein einigen Jahren unser Präsi!

27.07.2017 12:24 Lieschen Müller 1

"Präsident Helge Leonhardt (re.) hatte bisher ein gutes Händechen mit seinen Trainern" - Augen auf lieber MDR, das ist der Bruder des Präsidenten, Uwe Leonhardt!

Letsch
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Jugendlicher Drang, große Erfahrung und Spielmacher-Qualitäten: Wir stellen drei der Neuzugänge von Zweitligist FC Erzgebirge Aue vor.

So 16.07.2017 12:36Uhr 01:28 min

http://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-122316.html

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