Trainingsauftakt Rot-Weiß Erfurt
Bildrechte: Karina Heßland

Fußball | 3. Liga Krämer: "Müssen in jedes Spiel alles reinknallen"

Nach einem Negativlauf zum Ende der Hinrunde steht Rot-Weiß Erfurt nur dank der besseren Tordifferenz vor den Abstiegsplätzen der 3. Liga. Stefan Krämer ist seit Januar neuer RWE-Trainer und hat zusammen mit der Mannschaft das Ziel für die verbleibenden Spiele ausgegeben: So viele Punkte wie möglich sammeln, um den Klassenerhalt zu schaffen. Was ihn optimistisch stimmt, dieses Ziel zu erreichen und warum der Abstieg eine Katastrophe wäre, verriet der 48-Jährige im MDR-Interview.

Trainingsauftakt Rot-Weiß Erfurt
Bildrechte: Karina Heßland

MDR.DE: Stefan Krämer, was haben Sie bisher von Erfurt gesehen? Vielleicht die "Krämerbrücke" – eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt?

Stefan Krämer: "Ich habe mich da einmal kurz aufgehalten für ein Foto der 'Bild-Zeitung'. Ansonsten habe ich bislang nur das Hotel und das Stadion gesehen."

Sie sind von einem Kellerkind der 3. Liga (Energie Cottbus, Anm. d. Red.) zu einem anderen (Erfurt) gekommen. Warum haben Sie sich entschlossen, die schwierige Aufgabe bei Rot-Weiß anzugehen?

"Zum einen arbeite ich gern. Zum anderen glaube ich, dass die Mannschaft das sportliche Potential besitzt, den Klassenerhalt zu schaffen. Erfurt ist ein spannender Klub mit viel Tradition, der durch das neue Stadion auch eine gute Perspektive hat."

Mussten Sie nach dem Negativlauf mit zuletzt vier Niederlagen in der 3. Liga psychologische Aufbauarbeit bei der Mannschaft leisten?

"Es sind ja nicht nur die vier Niederlagen in Folge im Dezember. Das ganze Jahr 2015 war nicht wirklich erfolgreich. Durchschnittlich haben wir im vergangenen Jahr weniger als einen Punkt pro Spiel geholt, was auch in den Köpfen der Spieler drin ist. Jedes Erfolgserlebnis ist da gern genommen. Wir haben in der Vorbereitung in Belek gut trainieren können und dabei gute Testspiel-Ergebnisse erzielt."

Sie haben bei Ihrer Vorstellung im Dezember gesagt: „Vom ersten Tag an werden wir den Fuß auf dem Gaspedal haben.“ Wurde dieses Ziel erreicht?

Stefan Krämer
Stefan Krämer (re.) bei seiner Vorstellung Bildrechte: Karina Heßland

"Also in Belek hatten wir den Fuß wirklich jeden Tag auf dem Gas. Die Mannschaft hat das gut verkraftet und wir sind ohne Verletzungen durch die Vorbereitung gekommen, obwohl täglich zweimal intensiv trainiert wurde. Jetzt haben wir die Belastung reduziert, um auf den Punkt am Samstag gegen Dynamo Dresden fit zu sein."

Das im Dezember verhängte Transferverbot wurde durch den Nachweis der Liquidität durch den Deutschen Fußball-Bund aufgehoben. Auf welcher Position würden Sie den Kader gern noch verstärken und was ist finanziell überhaupt machbar?

"Die Frage nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten kann ich nicht beantworten. Generell sind gute Spieler, wenn sie bezahlbar sind, bei mir immer willkommen. Ich wünsche mir Konkurrenzkampf und einen ausgeglichenen Kader. Es ist kein Geheimnis, dass wir Daniel Brückner von Paderborn gerne verpflichten würden. Das ist aber noch längst nicht sicher, ob sich das realisieren lässt. Ob Paderborn den Vertrag auflöst, kann ich nicht sagen. Wir halten aber immer die Augen offen und es kann sein, dass wir bis zum Ende der Transferperiode noch etwas machen."

Zum Thema neues Stadion: Was glauben Sie kann die bessere Atmosphäre durch eine höhere Zuschauerzahl aus Ihnen und der Mannschaft perspektivisch noch herauskitzeln?

"Ein neues Stadion ist natürlich kein Allheilmittel, wird die Perspektiven des Klubs aus meiner Sicht aber verbessern. Es wird einen höheren Zuschauerschnitt und mehr Komfort geben. Das Stadion wird auch für Sponsoren und Aktivitäten um den Fußball herum interessanter werden. Es wird dem Verein einen großen Schub geben und deshalb ist es wichtig, dass wir auf keinen Fall absteigen. Das wäre eine Katastrophe."

Die Vorbereitung auf den Punktspielstart gegen Dynamo Dresden wurde wegen der Witterungsverhältnisse im Steigerwald durcheinandergewirbelt. Am Dienstag wurde das Testspiel gegen den 1. FC Köln abgesagt, am Mittwoch und Donnerstag ist die Mannschaft in einem Kurztrainingslager in Leipzig. Und Sie fahren wegen einer PK zum Dresden-Spiel am Mittwoch zwischen Erfurt und Leipzig hin und her. Inwiefern beeinträchtigt das die Vorbereitung der Mannschaft auf den Drittliga-Start?

Stefan Krämer
Stefan Krämer Bildrechte: IMAGO

"Die Vorbereitung wird nicht beeinträchtigt. Wir trainieren am Mittwoch zweimal, danach fahre ich nach Erfurt zur Pressekonferenz. Nach einem Fantalk geht es dann wieder nach Leipzig, wo ich am Donnerstag die dritte Einheit leite. Das Abschlusstraining soll am Freitag im Erfurter Stadion stattfinden."

Kann Erfurt am Sonnabend den Drittliga-Primus aus Dresden ärgern? Worauf wird es ankommen?

"Ich glaube, dass man in der 3. Liga gegen jeden Verein gewinnen kann. Man kann aber genauso gut gegen jeden Klub verlieren. Dynamo ist die beste Mannschaft und spielt in einer eigenen Liga. Trotzdem haben wir die Qualität, sie in einem Spiel zu schlagen. Bange machen ist jedenfalls nicht. Wir sind darauf angewiesen, jedes Spiel alles reinzuknallen. Es werden am Samstag sicher viele Zuschauer im Stadion sein und denen wollen wir etwas bieten. Wir wollen gewinnen."

Warum schafft Stefan Krämer wie 2012 mit Arminia Bielefeld jetzt mit Rot-Weiß Erfurt den Klassenerhalt?

"Ich bin sehr optimistisch, da die Jungs klasse mitziehen. Die Mannschaft ist gewillt, das sportliche Ziel „Klassenerhalt“ zu erreichen und auch charakterlich sehr gut. Wir sind in kurzer Zeit sehr eng zusammengewachsen. Dass sportlich Qualität in der Mannschaft ist, bin ich mir sicher."

Wird es nach den starken Hinrunden von Erzgebirge Aue und dem 1. FC Magdeburg am Saisonende neben Dresden weitere mitteldeutsche Aufsteiger in die 2. Bundesliga geben?

"Für mich ist klar, dass Dynamo aufsteigt. Wer am Ende noch um die Aufstiegsplätze spielt, ist schwer zu sagen. Aue und Magdeburg haben gute Chancen – es hängt vieles von einem vernünftigen Start ab."

Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Felix Thiel

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2016, 14:17 Uhr

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7 Kommentare

21.01.2016 16:48 gego73 7

Genau insider. Die Aktion "Stallgeruch" ist genauso im Sand verlaufen wie die Mission 2016. Aber bis jetzt hat der Trainerwechsel das gebracht, was er bewirken soll. Ich habe nochmal Hoffnung. Ich war auch länger nicht mehr im Stadion, werde aber die Rückrunde immer hingehen und Flagge zeigen. Wäre schön wenn das ALLE so sehen würden! Bevor es zu spät ist. Aber wir schaffen das! Nur der RWE!

21.01.2016 10:14 insider 6

Also bei mir überwiegt der positive Eindruck von Herrn Krämer. Naja, ein Insolvenzverwalter hat von je her ne eher negative Einstellung. Hoffe aber das Herr Rombach irgendwann das wahre Übel der Misere beseitigt -> Herr Traub. Er hat es bis heute nicht verstanden das Tafelsilber(die hervorragende Nachwuchsarbeit) zu vergolden. Immer wieder werden Talente ohne finanzielle Entschädigung für den Verein weggeschickt und werden in anderen Clubs zu Leistungsträgern. Dies zeigt deutlich das Herr Traub offensichtlich nicht in der Lage ist die Veranlagung von Talenten zu erkennen. Auf der anderen Seite werden in dieser Saison über 10 neue Spieler geholt von denen bis heute nur einer(Mario Erb) eine echte Verstärkung ist. Hätte ich bei meiner strategischen Planung eine Wahrscheinlichkeit von 10% würde mich mein Arbeitgeber in die Wüste jagen.

21.01.2016 08:37 guantche 5

Nur vom neuen Trainer her kann keine Leistungssteigerung kommen. Ich habe auch so ähnlich wie der @Nr.4 sind der ersten Halbserie gedacht. Allerdings musste ich mich auf Grund der gezeigten nicht drittliga tauglichen Leistung in meiner Meinung revidieren . Aber wie bereits gesagt, lasse ich mich gerne eines besseren belehren.

20.01.2016 17:43 RWE73 4

@3 Du sprichst das aus was ich auch denke.Das ewige negativ denken der so genannten Fans nervt nur noch.Was glaubt ihr warum die Spieler ihre auslaufenden Verträge nicht verlängern und bei anderen Vereinen aufblühen und gute Spiele abliefern? Was glaubt ihr warum es mit unserer Mannschaft nie aufwärts geht weil alle nur negativ denken !! Man kann sicher seine Meinung sagen ,aber alles schlecht reden ist auch Mist.Jetzt gilt volle konzentration auf Dynamo und den ersten Rückrundensieg einfahren.Meiner Meinung nach ist es überragend solch einen Trainer wie den Hr. Krämer für Erfurt verpflichtet zu haben. Auf geht's Erfurt kämpfen und siegen !!!

20.01.2016 16:47 rwefanausbayern 3

Liebe leutz Lasst doch den krämer bitte in ruhe arbeiten Natürlich wisst ihr jetzt schon was am ende der sesoin kommt Wir haben echt tolle fans hut ab!!!!

20.01.2016 15:35 guantche 2

Ich kann mir nach der Hinrunde nur noch vorstellen, das die Tür des Konkursverwalters zuknallt . Wo soll die Leistung für einen plötzlichen Urknall herkommen, es fehlt am Niveau des Teams, um die Liga zu halten. Aber Bitte schön, ich lasse mich eines besseren belehren.

20.01.2016 14:41 HUKL 1

Hoffentlich wird das Interview am Ende dieser Saison bzw. seiner Tätigkeit bei dem FC RWE nochmals durchgeführt! Der tüchtige Neutrainer wird dann sicherlich etwas tiefgründiger berichten können, warum ein kolossales Umdenken bei den Spielern allein durch den abgeschlossenen Stadionumbau erfolgte, der plötzlich durch die neuen Zuschauermassen für viele Punkte und damit auch wieder für hohe finanzielle Zuwendungen sorgen konnte. Fall es aber doch nicht so geklappt haben sollte, wie es sich die gut aufgestellte Funktionärsriege des Clubs gegenenwärtig erhofft, sollte ihm durch den MDR wenigstens noch die Möglichkeit gegeben werden, zu berichten, wie er sich bis dahin im Zentrum der früheren Blumenstadt Erfurt mit seiner Freundin, den Hunden und gutem Essen eingelebt hat, bevor die gemeinsame Reise zum "genau für ihn passenden nächsten Verein" weitergeht....