Fußball | 2. Bundesliga : Schlimme Heimbilanz bei Erzgebirge Aue
In der Weihnachtszeit sind selbst Nörgler und Kritiker milde gestimmt. Wir nutzen die spielfreie Phase trotzdem, um nach 19 Spielen Bilanz zu ziehen, schauen bei unseren beiden sächsischen Zweitligisten nach den besten und schlechtesten Spielen bzw. Akteuren. Heute geht es um Erzgebirge Aue.
"Das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist das schwerste" - dieser Spruch gehört nicht nur zum Fundus der Fußballweisheiten, er trifft auch bestens auf den FC Erzgebirge Aue zu. Ein einfacher Vergleich: Vorige Saison hatten die "Veilchen" nach 19 Spieltagen 37 Punkte und lagen damit auf Rang drei. Die heutigen 19 Punkte reichen dagegen gerade mal zu Platz 13. Gründe, warum es so schlecht läuft, gibt es viele. Manchen fehlt ein richtiger Führungsspieler oder eine Hackordnung im Team. Andere verweisen auf die Abwehr. Das Prunkstück der letzten Saison hat inzwischen schon 31 Tore kassiert. Allerdings erfährt die Defensive auch wenig Entlastung nach vorn. Daran ist vielleicht wieder das von Trainer Rico Schmitt favorisierte 4-2-3-1-System schuld, für das man starke Leute auf den Außenseiten braucht. Was auch immer die Gründe dafür sind, Aues Heimbilanz ist jedenfalls verheerend: Gerade zwei Siege wurden im Lößnitztal eingefahren.
Das sagen die Verantwortlichen
Trainer Rico Schmitt: "Natürlich sind wir mit dem bisherigen Abschneiden nicht zufrieden. Die Mannschaft, aber auch ich als Hauptverantwortlicher, als Cheftrainer des FC Erzgebirge Aue - wir hätten uns gern deutlich mehr als nur 19 Punkte gewünscht. Bei den Neuzugängen hätte ich gern mehr Spieler vom Kaliber eines Ronny König gehabt. Unterm Strich waren wir aber mit einer absolut wettbewerbsfähigen Mannschaft angetreten."
Das beste Auer Spiel
Beste Spiele sind in der Regel Partien, die gewonnen wurden. Bei Aue ist die Auswahl da sehr übersichtlich. Von den vier Siegen haben vor allem die auswärts errungenen Freude gemacht. Zum damals Tabellenzweiten FC St. Pauli waren die Auer mit dem Motto "Wir haben keine Chancen, also nutzen wir sie!" gefahren. 90 Minuten voller Kampf und Teamgeist brachten einen 3:2-Triumph. Auch der 2:1-Erfolg bei Dynamo Dresden war völlig verdient. Rico Schmitts Mannschaft war besser eingestellt als Dresden und wusste einfach, um was es geht.
Das mieseste Auer Spiel
Natürlich muss man hier das 0:6 in Bochum nennen, wo sich Aue willenlos seinem Schicksal ergab. Aber auch beim SC Paderborn präsentierten sich die Erzgebirgler vor allem in der zweiten Halbzeit völlig kopflos und agierten ohne System. Marc Hensel war für die Partie gelb-rot-gesperrt und wurde als Führungsspieler schmerzlich vermisst. Das Spiel ging 0:1 aus, hätte aber ebenfalls 0:6 enden können. "In der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr stattgefunden", sagte Coach Schmitt hinterher.
Der beste Auer Spieler
Der "Pistolero" Marc Hensel hat in dieser Saison Ladehemmung. Seinen Part hat teilweise Jan Hochscheidt übernommen. Vier absolut wichtige Tore und zahlreiche Vorlagen stehen auf seinem Konto. Für noch viel mehr Auer Punkte verantwortlich ist aber ein anderer Spieler: Martin Männel. Der 23 Jahre alte Torwart sah nur ein Mal unglücklich aus. Gegen Duisburg trat er in der Nachspielzeit über den Ball und ermöglichte dem MSV so den 2:1-Siegtreffer. Ansonsten jedoch, sogar im selben Spiel, war er ein echter Fels in der Brandung und strahlte viel Sicherheit aus. Als Torhüter ist er gerade einmal 1,84 Meter "groß", gleicht das aber mit guter Strafraumbeherrschung und tollen Reflexen wieder aus. Nicht vergessen wollen wir seine Fähigkeiten zur Spieleröffnung: Zwei Torvorlagen hat er gegeben.
Die Auer Enttäuschung
An das Niveau der Vorsaison reicht fast kein Auer Spieler heran. Innenverteidiger und Shooting Star Adli Lachheb stagniert. An Torgefahr mächtig eingebüßt hat derweil Enrico Kern. Allerdings ist er irgendwie auch ein Opfer des nicht funktionierenden Systems mit nur einem Stürmer. Der inzwischen 32-Jährige ist nicht mehr der Schnellste, wirkt oft etwas unbeholfen und ist für das zentrale Mittelfeld eigentlich ungeeignet. Kern ist vielmehr Mittelstürmer, der allerdings mit Flanken gefüttert werden muss. Aber daran krankt es beim FCE häufig.
Was am Rande geschah
Ein skandalträchtiger Verein ist der FC Erzgebirge nun wahrlich nicht. Etwas merkwürdig mutete allerdings die Verpflichtung von Guido Kocer an, der für einen Raubüberfall in Berlin inzwischen verurteilt wurde. Für Kopfschütteln sorgte auch, mit welcher Vehemenz sich der Verein hinter ihn stellte und Unschuldsvermutungen ins Feld führte, obwohl Kocer längst gestanden hatte.
Derweil sind die Diskussionen um den Job des Sportdirektors immer noch in vollem Gange. Rico Schmitt ist gegen eine Besetzung dieses Postens, den seines Erachtens sein Kompetenzteam bestens ausfüllt. Dieses Team besteht aus Fitnesstrainer Marco Kämpfe, Teamkoordinator Günther Boroczinski und Schmitt selbst. Ein Thema unter den Fans ist auch Skerdilaid Curri. Dass der Publikumsliebling und verdienstvolle Spieler quasi ausgebootet wurde und nur zu sechs Kurzeinsätzen kam, können viele nicht verstehen.

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