Fußball | 1. und 2. Bundesliga : Gewalt: DFL will TV-Geld kürzen
Im Kampf gegen die Gewalt im deutschen Fußball hat die Deutsche Fußball-Liga ein Strategiepapier an die 36 Profi-Klubs verschickt. Es dient als Diskussionsgrundlage für die Vollversammlung der Vereine am Donnerstag in Frankfurt. Beim Treffen der Klubs geht es um konkrete Maßnahmen zum Thema Sicherheit. Solche Maßnahmen hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gefordert. Zuvor hatte es in Berlin eine Sicherheitskonferenz (17. Juli) und ein Spitzengespräch der Innenminister mit Liga-Präsident Reinhard Rauball und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (23. Juli) gegeben.
TV-Geldern sollen bei Gewalt nicht mehr so üppig fließen
Der Maßnahmenkatalog, der vorab im "Kicker-Sportmagazin" veröffentlicht wurde, sieht bei Verstößen eine Kürzung oder gar eine Streichung der TV-Gelder vor. Richtige Geisterspiele sind offenbar nicht mehr geplant, zumindest tauchen sie in den Eckpunkten nicht auf. Stattdessen soll das Kartenkontingent der Auswärtsfans nur noch Sitzplätze enthalten und von zehn auf fünf Prozent reduziert werden. Die maximale Länge der Stadionverbote wird wieder von drei auf fünf Jahre erhöht. Stehplätze sollen als Aushängeschild der deutschen Fußballkultur erhalten bleiben. Zudem soll der Dialog mit den Fans intensiviert und positives Fanverhalten belohnt werden. Die einzelnen Klubs sollen auf freiwilliger Basis, mit ihren Anhängern einen Ehrenkodex erarbeiten. Dieser soll zur Gewaltfreiheit aufrufen und die gesetzlichen Bestimmungen anerkennen. Hierbei ist insbesondere das Verbot der Pyrotechnik wichtig.
Die Kernpunkte des Maßnahmenkatalogs
- Bei Verstößen gegen die Sicherheit werden die Fernsehgelder ganz oder zum Teil einbehalten
- Bei wiederholten Verstößen von Fans bei Auswärtsspielen ihres Vereins könnte das Kartenkontingent für die Gastmannschaft von den üblichen zehn auf fünf Prozent reduziert werden. Diese Tickets befinden sich dann nur noch im Sitzplatzbereich, sind also erheblich teurer.
- Die Kommunikation mit den Fans soll intensiviert, positives Fanverhalten belohnt werden. Die 2007 erfolgte Reduzierung der maximalen Länge von Stadionverboten soll wieder rückgäng gemacht werden. Das bedeutet wieder fünf Jahre Höchststrafe statt bisher drei.
- Fanklubs, die den erarbeiteten Verhaltenskodex nicht unterschreiben, sollen keine Eintrittskarten mehr erhalten. Vorher sollen ihnen mögliche Privilegien, wie Banner oder einzelne Räume im Stadion, entzogen werden.
- Analog zur Bewertung der Nachwuchsleistungszentren soll von DFB und DFL ein Zertifikat "Sicheres Stadionerlebnis" entwickelt werden.
- Eine spezielle Schulung der Ordner soll ins Lizenzierungsverfahren aufgenommen werden.
- Die Stadionsprecher können, in Absprache mit dem gastgebenden Verein, auch bei Auswärtsspielen ihres Klubs zum Einsatz kommen.
- Für die Prävention wollen DFB und Liga ihren Zuschuss für Fanprojekte im Rahmen der Drittelfinanzierung auf 50 Prozent erhöhen. Bisher trugen Kommunen und das jeweilige Bundesland die übrigen zwei Drittel. Darüber hinaus sollen zusätzliche Mittel für Studien und Forschung zur Verfügung gestellt werden.
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