Fußball | 1. und 2. Bundesliga : Fans: Stiller Protest gegen Sicherheitskonzept
Mit einem stummen Protest haben die Fußball-Fans am Dienstag und Mittwoch ein Zeichen gesetzt: Sie lehnen das Sicherheitskonzept der DFL ab. Bei vielen Spielern und Trainern kam die Botschaft an. Auch bei Dresden - Aalen blieb es zunächst sehr leise. Trainer Loose war entsetzt. Ruhig war es auch in Ingolstadt, wo der FC Erzgebirge Aue am Mittwoch gastierte. Die Anhänger der Profi-Klubs fordern Gespräche mit der Liga.
Zwölf Minuten und zwölf Sekunden herrschte gespenstische Stille - keine Gesänge, keine Pfiffe, keine Stimmung: Mit einem beeindruckenden Schweigeprotest und Geisterspiel-Atmosphäre in den Stadien der ersten und zweiten Bundesliga haben die Fans die DFL am Dienstag und Mittwoch unter Druck gesetzt. Die Anhänger befürchten einen Fußball ohne Emotionen und fordern weitere Gespräche mit der Liga. Das Sicherheitspapier der Deutschen Fußball-Liga (DFL), das am 12. Dezember von den 36 Profi-Vereinen beschlossen werden soll, bedroht ihrer Meinung nach die Fan-Kultur. Nach der Aktion bleibt fraglich, ob der Zeitplan für das Konzept eingehalten werden kann.
Fan-Trubel fehlte Trainern und Spielern
Zumindest bei Spielern und Trainern zeigte der stumme Protest Wirkung. "Ich fand es grausam und ungewohnt. Zum Fußball gehört Stimmung dazu", sagte Frankfurts Trainer Armin Veh. Kapitän Pirmin Schwegler ergänzte: "Die ersten zwölf Minuten hatten kein Bundesliga-Feeling." Düsseldorfs Coach Norbert Meier beklagte "die Totenstille" in Dortmund. Auch der Mainzer Trainer Thomas Tuchel monierte: "Es steht außer Frage, dass das keinen Spaß macht. Die Unterstützung der Fans gehört einfach dazu." Dynamo Dresdens Geschäftsführer Christian Müller lobte die Fans für ihr "pfiffiges Kommunikationsmittel". SGD-Coach Ralf Loose nannte die Atmosphäre beim Spiel seines Teams gegen Aalen "furchtbar. Es ist fast schlimmer als bei einem richtigen Geisterspiel, wenn die Fans da stehen und keine Emotionen zeigen und nicht mitfiebern. Ich glaube, es war wirklich fürchterlich für alle Beteiligten, auch die Spieler, das war mein Eindruck. Ich hoffe, dass sich die Dinge glätten." Auch wenn nicht ganz so viele Fans wie in Dresden im Stadion waren, so blieben auch die Anhänger von Aue und Ingolstadt bei der Mittwochspartie in Oberbayern zunächst sehr lethargisch.
Fan-Vertreter: Tiefer Graben
Die Fan-Vertreter sehen jetzt die Liga in der Pflicht. "Im Grunde genommen liegt es jetzt an der DFL zu sagen: Wir sehen, es sind alle dagegen und wir suchen noch mal den Dialog", sagte Philipp Markhardt, Sprecher der Aktion "12doppelpunkt12" und von "Pro Fans". Das Konzept würde "zwischen Fans und DFL einen tiefen Graben reißen".
Bleibt der 12. Dezember als Tag der Entscheidung?
Einige Vereine hatten zunächst Bedenken geäußert und angekündigt, dem mehrfach überarbeiteten Konzept nicht zuzustimmen. Zumindest der Zeitplan könnte deshalb nochmal ins Wanken geraten. Hannovers Präsident Martin Kind hatte bereits mehr Zeit für die Diskussion gefordert. "Wir sollten den Dialog weiter führen und den 12. Dezember als Entscheidungstag noch mal überdenken", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Kind appellierte aber auch an die kritischen Fans, das Papier genau zu studieren. Viele ihrer Forderungen seien berücksichtigt. Die DFL kündigte an, im Laufe des Donnerstags die Anträge des Ligavorstandes für das Konzept zu veröffentlichen, um die Diskussion zu versachlichen. Dann könne sich jeder selbst ein Bild machen, hieß es am Mittwoch von der DFL.
Zukunft: "Stimmung wie in den ersten zwölf Minuten"
Die Fans wollten mit ihrer Aktion zeigen, was das geplante Sicherheitskonzept aus ihrer Sicht mit dem Fußball machen könnte. "Wenn Gäste-Tickets reduziert werden, wenn eventuell sogar die Stehplatztickets abgeschafft werden, dann haben wir so Verhältnisse, wie sie heute in den ersten zwölf Minuten waren", sagte Jan-Henrik Gruszecki, Sprecher der Aktion in Dortmund, "das kann, glaube ich, kein Spieler wollen, kein Funktionär wollen."
Ihren Protest wollen die Fans deshalb fortsetzen. Auch in den Partien der zwei folgenden Spieltage wollen sie jeweils zu Beginn zwölf Minuten und zwölf Sekunden schweigen - auch wenn es ihnen schwer fällt, ihr Team nicht zu unterstützen. "Uns selbst als aktive Fans tat das natürlich am meisten weh zu schweigen", gab Gruszecki zu.
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