Fußball | Sicherheitspapier : Kritik an der DFL hält an - Fangipfel in Berlin
Das Papier "Sicheres Stadionerlebnis" der Deutschen Fußball-Liga gerät immer mehr in die Kritik. Nachdem sich bereits einige Vereine der 1. und 2. Bundesliga gegen das Papier ausgesprochen hatten, meldete nun auch die Vereinigung ProFans schwere Bedenken an. Am Donnerstag lädt Union Berlin zu einem Fangipfel.
Heftige Kritik von ProFans
Das Papier sei weder notwendig noch zielführend, hieß es in einer Erklärung von ProFans. Zudem seien rechtsstaatliche Grundsätze außer acht gelassen worden. Ein in dem Papier beschriebenes gestiegenes Gewaltproblem existiere im deutschen Fußball nicht. Innerhalb der Stadien sei die Tendenz sogar rückläufig. Demnach gebe es überhaupt gar keine Notwendigkeit für ein solches Papier. ProFans-Sprecher Philipp Markhardt sprach von "blindem Aktionismus" und prangerte zudem an, dass Fanvertreter in den Entstehungsprozess nicht eingebunden wurden. "Von dem von den Verbänden immer wieder propagierten Dialog mit den Fans kann keine Rede sein." ProFans fordert von den Verbänden, den gesamten Diskussionsprozess wieder bei Null zu beginnen - unter Einbindung von Fanvertretern, Fanprojekten und Fanbeauftragten.
Gastrolle für DFB und DFL
Auf Druck der Politik hatte die Deutsche Fußball Liga eilig das Papier "Sicheres Stadionerlebnis" erstellt. Alle 36 Profiklubs mussten bis zum 22. Oktober eine Stellungnahme abgeben. Viele Vereine kritisierten das Konzept scharf oder lehnten es - wie Union Berlin - komplett ab. Die Köpenicker laden am 1. November zu einem Fangipfel. Rund 300 Anhänger, Sicherheits- und Fanbeauftragte wollen dort eine eigene vereinsübergreifende Position erarbeiten. Wir wollen mit den Leuten reden, die die Arbeit an der Basis erledigen", sagte Unions Fan-Beauftragter Lars Schnell. Immerhin werden der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit hochrangigen Vertretern dem Treffen in Berlin als Gäste beiwohnen. Für die DFL ist u.a. der designierte Geschäftsführer Andreas Rettig vor Ort, für den DFB werden der Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert und der Fanbeauftragte Gerald von Gorrissen kommen.
Liga-Vizepräsident Peter Peters versuchte derweil, die Wogen zu glätten. Der Schalke-Vorstand verwies darauf, dass man erst in der "zweiten Phase des Dialoges" stehe. "Wir wollen den Dialog mit allen Beteiligten zum Standard machen", sagte Peters. Die Zeit drängt, denn bereits am 12. Dezember will die DFL über ihr Konzept abstimmen lassen.
Die Kernpunkte des Maßnahmenkatalogs
* Bei Verstößen gegen die Sicherheit werden die Fernsehgelder ganz oder zum Teil einbehalten
* Bei wiederholten Verstößen von Fans bei Auswärtsspielen ihres Vereins könnte das Kartenkontingent für die Gastmannschaft von den üblichen zehn auf fünf Prozent reduziert werden. Diese Tickets befinden sich dann nur noch im Sitzplatzbereich, sind also erheblich teurer.
* Die Kommunikation mit den Fans soll intensiviert, positives Fanverhalten belohnt werden. Die 2007 erfolgte Reduzierung der maximalen Länge von Stadionverboten soll wieder rückgäng gemacht werden. Das bedeutet wieder fünf Jahre Höchststrafe statt bisher drei.
* Fanklubs, die den erarbeiteten Verhaltenskodex nicht unterschreiben, sollen keine Eintrittskarten mehr erhalten. Vorher sollen ihnen mögliche Privilegien, wie Banner oder einzelne Räume im Stadion, entzogen werden.
* Analog zur Bewertung der Nachwuchsleistungszentren soll von DFB und DFL ein Zertifikat "Sicheres Stadionerlebnis" entwickelt werden.
* Eine spezielle Schulung der Ordner soll ins Lizenzierungsverfahren aufgenommen werden.
* Die Stadionsprecher können, in Absprache mit dem gastgebenden Verein, auch bei Auswärtsspielen ihres Klubs zum Einsatz kommen.
* Für die Prävention wollen DFB und Liga ihren Zuschuss für Fanprojekte im Rahmen der Drittelfinanzierung auf 50 Prozent erhöhen. Bisher trugen Kommunen und das jeweilige Bundesland die übrigen zwei Drittel. Darüber hinaus sollen zusätzliche Mittel für Studien und Forschung zur Verfügung gestellt werden.

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