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Fußball : NOFV-Chef: Punktabzüge statt Geisterspiele?

Der Fußball, Fans und Gewalt - nach dem Fanforscher Lange haben wir mit Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbands NOFV, gesprochen. Der Thüringer sieht sowohl die Praxis der Geisterspiele als auch den Umgang mit den Fans selbstkritisch. Mit dem DFB-Vize sprachen wir über Strafen, Pyrotechnik, Stehplätze, einen Fan-Kodex und die Verbandssicht auf RB Leipzig.

Rainer Milkoreit (NOFV-Präsident und DFB-Vize)

Randale, Bengalos, Beleidigungen, Drohungen und Rassismus – nach dem umstrittenen Ende der letzten Saison scheint der Fußball derzeit in gefährliche Fahrwasser zu geraten. Wie beurteilen Sie die Lage?

Die Lage ist moderater als am Ende der vergangenen Saison, aber längst nicht störungsfrei. Die Probleme, die die Fans und auch die Klubs haben, sind noch nicht gelöst.

Wo liegen die Probleme?

Die Fanszene ist in den letzten Jahren erstarkt. Nun gilt es, einen Konsens im Umgang zwischen Verein und Fans zu finden. Auf der einen Seite sind sie wichtig für den Fußball, aber auf der anderen Seite ist es nicht gut, wenn sie den Fußball dominieren wollen. So wie es in Aue zum Beispiel war, wo die Fans für die Absage des Spiels gegen RB Leipzig gesorgt haben.

Zuletzt nahmen Attacken auf Spieler zu, sei es persönlich oder im Internet. Wie kommt das Ihrer Meinung nach?

In der Vergangenheit haben die Fans die gegnerische Mannschaft ausgepfiffen, mittlerweile geht es oft auch gegen die eigenen Spieler. Zum Beispiel, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Das sind Auswüchse, die man in keiner Weise tolerieren kann. Dieses Recht hat keiner.

Was kann ein Verband dagegen unternehmen?

Wir können da nur anregen und dazu aufrufen, gemeinsam Wege zu suchen, um den Konsens zu finden. Da ist es unablässig, dass die Kommunikation nicht vernachlässigt wird.

Stichwort Kommunikation: Da sind die Fans gerade richtig sauer. Zurecht?

Man muss feststellen, dass in diesem Prozess Fehler gemacht worden sind, wo man über aber nicht mit den Fans gesprochen hat. Nehmen wir nur den "Gewaltgipfel" im Juli in Berlin mit Innenministern, DFB und Deutscher Fußball-Liga DFL. Und die Fans saßen einen Steinwurf entfernt in einem anderen Hotel. Solche Szenarien sollte man in Zukunft vermeiden. Wenn über die Fans gesprochen wird, dann sollten sie natürlich auch mit dabei sein.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (2.v.l., CSU) , DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (3.v.l.) und Ligapräsident Reinhard Rauball (3.v.r.) sprechen während des Bundesliga-Sicherheitsgipfels auf Einladung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Berlin.
Ohne Fans: Der Sicherheitsgipfel im Juli in Berlin

Viele Fans machen die zunehmende Entfremdung zwischen ihnen und den Vereinen und Verbänden an der Pyrotechnik fest.

In Sachen Pyrotechnik hat der DFB vor einem Jahr zunächst suggeriert, wir werden mit den Fans sprechen, aber allein diese Hoffnung zu wecken, war ein gravierender Fehler. Im Nachhinein hat man dann auf politischer und sportlicher Leitungsebene festgestellt, dass das eben nicht geht. Da wurde Hoffnung geschürt, die sich nicht erfüllen ließ.

Die Tür für Bengalos in Stadien, ich spreche vom kontrollierten Abbrennen an einem dafür vorgesehen Ort, ist endgültig zu?

Fußballfans zünden Pyrotechnik im Stadion
Verboten: Pyrotechnik im Stadion

Aus meiner Sicht absolut. Da kann man nicht eine Spur dran deuteln. Dazu ist aber auch zu sagen, dass beim Einsatz von Pyrotechnik der Verein der Hauptpartner und der Verantwortungsträger ist, laut so genannter "Versammlungsstättenverordnung". Wenn ein 1000 Grad heißes Bengalo auf einen Menschen fällt, dann wären die Klubs am Pranger. Dieses Risiko können sie einfach nicht eingehen. Und deshalb sind auch vor allem die Vereine gegen die Pyrotechnik.

Wenn wir auf Strafen nach Krawallen schauen: Haben sich Geisterspiele bewährt?

Nein, das haben sie nicht. Das ist weder für Heim- noch für Gastvereine vernünftig. Ich hätte mir auch gewünscht, dass es andere Wege gibt, die Klubs zu sanktionieren. Nun scheint man davon auch abzurücken.

Welche Alternativen gibt es?

Da bin ich selbst gespannt, welche Ideen man da hat. Prinzipiell müssen wir da die ganze Bandbreite prüfen.

Laut "Kicker" wird innerhalb des DFB über Punktabzüge diskutiert.

Das ist eine Möglichkeit, um Vereine zu bestrafen, ohne direkte ökonomische Folgen. Dabei könnte dann ja auch eine Art Selbstreinigung unter den Fans in Gang gesetzt werden. Das ist ohnehin eine Hoffnung, dass die Fans nicht wegschauen, sondern denjenigen öffentlich macht, der sich nicht an die Spielregeln hält.

Wären Sie für einen bundesdeutschen Fan-Kodex, einige Klubs haben ja bereits solche Verhaltensregeln …

Auch darüber muss man nachdenken. Fans, die sich daran halten, das sind die, auf die man sich verlassen kann. Wer den Kodex nicht annimmt, von dem muss ich annehmen, dass er sich nicht an die Regeln halten will. Wie ein Vermummter im Stadion: Von dem muss ich annehmen, dass er nichts Gutes im Sinn hat.

Bei uns hier in Mitteldeutschland mischt seit ein paar Jahren RB Leipzig mit: Ist man als NOFV-Chef froh über einen Klub, der eine richtig gute Perspektive bietet?

 Ralf Rangnick
Hoffnungsträger: RB und Sportdirektor Ralf Rangnick

Auf keinen Fall gehöre ich zu denen, die deren Entwicklung negativ sehen. Wenn jemand in den Fußball viel Geld steckt, gerade in einer Region wie Leipzig, wo deutlich geworden ist, dass sich die Traditionsvereine nur Knüppel zwischen die Beine werfen, dann muss man das Projekt RB positiv sehen. Natürlich wäre es schöner, wenn ein Traditionsklub nach oben kommen würde, aber wenn das nicht funktioniert, dann muss es eben ein "Retortenbaby" sein. Ich bin da großer Hoffnung, dass RB in den nächsten drei, vier Jahren nach oben kommt.

Sie sind ja auch DFB-Vizepräsident. Wie wird Rasenballsport beim DFB gesehen?

Unaufgeregt. RB hat da logischerweise schon die DFB-Kontakte hergestellt, um bei einem Aufstieg die satzungsmäßigen Voraussetzungen zu schaffen. So dass man da auch wirklich mitspielen darf.


Zuletzt aktualisiert: 14. September 2012, 13:26 Uhr

31. Ex-Jenaer:
jeder kommentar erübrigt sich. der dfb disqualifiziert sich nur immer mehr. allein das selbstverursachte chaos um die relegation spricht bände. vlt sollte man einem prof lange mal zuhören? eiserne grüße
16.09.2012
11:53 Uhr
30. Ich:
Diverse Funktionäre sowohl DFB als auch DFL erzählen viel wenn der Tag lang ist, das Problem als solches wird nie behoben werden können. Die Wahrscheinlichkeit das die Funktionäre einmal richtig aufs Horn bekommen liegt derweil bestimt bei 95%. Und ich als normalo Fußballfan der aus Spaß am Fußball ins Stadion geht und ich auch gegen Gewalt und rassismus bin, würde mittlerweile mich nicht mehr aufregen wenn es soweit kommt. Ich sage nur "GEH deinen WEG", soviel blödsinnigkeit...Fußball hat nichts mit Politik zu tun. Regeln ja aber nicht auf die diktatorische Art und weise und vorallem nicht das Spieler immer mehr gezwungen werden sich nach ausen hin politisch einwandfrei zu verhalten haben. Irgendwann sind wir soweit das wenn der Spieler auf den Rasen spuckt die Mannschaft noch Punktabzug bekommt. Weg mit DFB,weg mit DFL, weg mit UEFA...
15.09.2012
16:21 Uhr
29. Fan:
Was soll das für eine Umfrage sein, wenn man nur zwischen Pest und Cholera also Geisterspiele oder Punktabzüge als Sanktionierung auswählen kann? In meinen Augen beides keine sinvollen Lösungen.
14.09.2012
21:51 Uhr
28. Atze:
Witzig der Herr Milkoreit. "Punktabzüge sind eine Möglichkeit ohne direkten ökonomischen Folgen".Aha und was passiert, wenn durch Punktabzüge eine Mannschaft absteigt? Der Herr passt gut zum DFB. Und hört bitte mit RB auf. Passt nicht wenn es um Fussball und Fans geht. RB ist und bleibt ein Markenprodukt.
14.09.2012
21:23 Uhr
27. detlef:
im prinzip ist es egal was für strafen sich dieser verband ausdenkt, das problem liegt doch bei den vereinen, solange diese die strafen auch immerwieder akzeptieren wird sich nichts ändern. die vereine müssten den verband viel mehr unter druck setzen sich auch mal mit den problem zubeschäftigen. der dfb schiebt alles immer nur auf die vereine ab obwohl er genauso in der verantwortung steht. wenn die vereine sich mal einig wären und sagen " ne wir zahlen nicht" was will der dfb dann machen? alle ausschließen?
14.09.2012
13:23 Uhr
26. Donald :
Lieber MDR, im Sendegebiet spielen jede Menge Vereine höherklassig als Brause. Also wieso wird der Interviewpartner nicht nach diesen Vereinen befragt ???
14.09.2012
12:35 Uhr
25. TB:
Und zum Schluss noch eins: Punktabzüge können am Ende einer Meisterschafts-Saison sogar mehr weh tun als ein Geisterspiel, ich denk da besonders an die Vereine die ohnehin weiter oben nix zu bestellen haben. Die Verbände sollen endlich mal anfangen ihre Hausaufgaben zu machen.
14.09.2012
11:44 Uhr
24. TB:
Die Vereine zu bestrafen ist, wie Lienen bereits gesagt hat, ziemlich absurd. Denn man kann einfach nicht verhindern das jemand nen Böller oder einen Bengalo zündet, das ist wie als wenn man einen erwachsenen Menschen plötzlich erziehen will weil man es im Kinder- und Jugendalter verpasst hat. Mehr als die üblichen, im rechtlich befindlichen Rahmen, Maßnahmen die die Vereine derzeit machen sind einfach nicht möglich. Und einen Verein zu bestrafen der nachweislich keine Schuld trägt ist gegen jegliches Verständnis in einem Rechtsstaat. Und damit zu argumentieren das der Ordnungsdienst versagt hat ist genauso sinnfrei, man kann ja mal gerne Testversuche anstreben um zu beweisen das man 30 - 80 000 Besucher ohne irgendwas illegalem ins Stadion schmuggeln kann. Ich geb Brief und Siegel drauf das der Test nicht bestanden werden würden.
14.09.2012
11:42 Uhr
23. TB:
Sorry aber eure Umfrage ist absoluter Schmarn in meinen Augen. Denn beide Maßnahmen helfen hier absolut nicht weiter. Ich möcht nur mal Ewald Lienen aus dem Online-Magazin ElfFreunde zitieren: "Urteile dieser Art sollen offensichtlich vermitteln, dass ein Verein in seinem Stadion für Ordnung zu sorgen hat. Können Sie das nachvollziehen? Nein. Die Vereine geben sich doch schon alle Mühe, um für die Sicherheit im Stadion zu sorgen. Sonst würden sie doch gar nicht die Lizenz für die Bundesliga erhalten. Die DFB-Gerichtsbarkeit verhält sich aber weiterhin anachronistisch, wie übrigens auch die UEFA gegenüber den in Europa spielenden Vereinen. Sie glaubt restriktiv dafür sorgen zu können, dass es zu keinen gefährlichen Situationen mehr kommen kann. Das ist eine Vorgehensweise, die niemals erfolgreich sein kann. Wie will man es ausschließen, dass Fans auf den Platz stürmen, wenn sie es sich in den Kopf gesetzt haben?"
14.09.2012
11:41 Uhr
22. mattotaupa:
warum bieter der mdr keine auswahlmöglichkeit ala "auf die nächsten gefaßten verursacher umzulegende geldstrafe" (oder was anderes) an? wenn 10 gefaßt werden halt jeder 10%, wenn einer den helden spielt halt 100% und das ganze in summierung, wenn halt mal niemand gefaßt wird. warum soll immer der verein für versäumnisse in bildung und erziehung herhalten? dafür sind elternhaus und schule zuständig! das würde dem dfb und angeschlossenen vasallen natürlich manipulations- und eingriffsmöglichkeiten nehmen und wenn hier bereits der sportliche erfolg der östereichischen investitionen prophezeit wird, dann spricht das bände.
14.09.2012
11:03 Uhr

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