Bundesligen

Fußball : Sicherheits-Euro für mehr Sicherheit?

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier will im Zuge der Sicherheitsdebatte im deutschen Profi-Fußball die Fans zur Kasse bitten. Für seinen Vorschlag hat er aber bereits heftigen Gegenwind geerntet - von den Fans und den Vereinen.

Polizei überwacht die Fans nach dem Spiel.
Hansa-Fans randalierten in Erfurt.

"Ich empfehle die Einführung eines Sicherheits-Euro durch die Vereine", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung: "Das heißt: Jeder Fan bezahlt freiwillig einen Euro mehr, als die Karte normalerweise kostet. Dieser Euro geht dann in die Gewalt-Prävention oder wird benutzt als Unterstützung von Maßnahmen der Polizei." Der 60-Jährige sei "zuversichtlich, dass die Fans das bezahlen würden", zumal die Vereine so nicht zusätzlich belastet werden würden. Woher Bouffier seine Zuversicht nimmt, ist unklar. Fan-Vertreter jedenfalls haben bereits widersprochen.

Bengalfeuer im Chemnitzer Fanblock
CFC-Fans: Erst Protest gegen Sicherheitskonzept, dann Bengalo

"Wir halten gar nichts von solchen populistischen Forderungen", sagt zum Beispiel Ben Praße, Sprecher der Organisation "Unsere Kurve": Jeder Fan sei Steuerzahler, "deshalb lehnen wir das klar ab". Auch Philipp Markhardt von "Pro Fans" verweist auf die Steuereinnahmen des Staates - nicht nur durch Fans: "Die Vereine zahlen Unmengen von Steuern in diesem Land", meint Markhardt und verweist darauf, dass der Vorschlag nicht neu sei, sondern bereits vor ein paar Jahren aufgekommen war. Nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat der Profifußball in der Saison 2010/11 über 700 Millionen Euro an Steuern gezahlt.

Erstligisten skeptisch bis ablehnend

Frankfurter Fans machen mit einem Transparent auf eine Schweige-Aktion der Fußballfans in der 1. und 2. Bundesliga aufmerksam
Fan-Protest in Frankfurt/M.

Auch in der Bundesliga stößt Bouffiers Idee auf wenig Gegenliebe. "Ich halte von diesem Vorschlag überhaupt nichts", sagt Martin Bader, Manager des 1. FC Nürnberg: "Populismus und Hysterie haben noch nie geholfen. Man sollte dieses Thema dort belassen, wo es hingehört: bei der DFL und den Vereinen." Ähnliche Stimmen kommen von Bayer Leverkusen und Hannover 96. Gerd Mäuser, Präsident des VfB Stuttgart, betonte, Gewaltprävention sei für ihn weniger eine Frage des Geldes, sondern des Dialogs: "Das ist und bleibt unser erster Ansatz."

Horst Heldt, Manager von Schalke 04, fragt nach der Verhältnismäßigkeit solcher Extra-Kosten: "Müssten dann zukünftig bei jeder Demo, wie dem Castor-Transport, wo die Polizei im Einsatz ist, auch die Leute bezahlen?" Zurückhaltender in Sachen Sicherheits-Euro ist allerdings Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Meister Borussia Dortmund: "In meinen Augen ist das ein Ansatz, über den man zumindest mal diskutieren kann."

Ist der Sicherheits-Euro eine gute Idee?

  • Ja. Die leidige Diskussion um die Finanzierung der Polizeieinsätze wäre damit beendet.
     
    13 Prozent | 130 Stimmen
  • Nein. Die Polizei wird durch Steuern bezahlt. Und sicherer werden die Stadien auch nicht.
     
    85 Prozent | 863 Stimmen
  • Ich bin nicht sicher.
     
    3 Prozent | 26 Stimmen
Die Abstimmung ist beendet.

12.12.2012 | 20:33:59 Uhr | 1019 abgegebene Stimmen

Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2012, 18:43 Uhr

10. Der kleine General:
Der "Sicherheits-Euro" löst die Probleme auch nicht er macht nur die Karten teurer!!!@dyndre53 hat es auf den "Punkt" gebracht!!! ;-)
06.12.2012
13:48 Uhr
9. Udo841:
@Marienthaler Wie willst du durchsetzen, daß keine Auswärtsfans zu den Spielen kommen ? Wie willst du verhindern, daß Menschen vo nach B fahren ? Wurde schon oft versucht und ist schief gegangen. @Tobias Es ist noch kein einziger deutscher Euro nach Griechenland geflossen.
05.12.2012
19:06 Uhr
8. dyndre53:
Es ist doch ganz einfach-eigentlich: Im Stadion hat der Veranstalter Hausrecht und ist verantwortlich: Täter anhand Video dingfest machen, von mir aus auch Fangprämien vom Eintrittsgeld,wenns hilft. Außerhalb ist öffentlicher Raum, da ist zu hundert Prozent der "Staat" in der Verantwortung ob Fußball, Konzerte, 1.Mai, Linke gegen Rechte oder Gewalt durch [...] an Bahnhöfen oder Alexanderpltzen... Wenn da eine Polizeigewerkschaft oder Politiker nach einem Sicherheitszuschlag rufen soll nur von der fehlenden eigenen Verantwortung der Politiker (Innenminister) ablenken. Der Elan im Kampf gegen "Rechts" wäre auf den anderen Feldern im Bereich ÖffSiundOrd. manchesmal wünschenswert! [Löschung einer Formulierung aus rechtlichen Gründen - MDR.DE_Redaktion]
05.12.2012
18:59 Uhr
7. efuchs:
Die unendliche Geschichte, Gewalt bei Fußballspielen, die Lösung ganz einfach: 1. In den Sicherheitberatungen vor den Spielen die Regeln erläutern und transparent machen ( Stadionordnung), 2. Täter identifizieren, nach taktischer Lage sofort oder zu einem geeigneten Zeitpunkt zuführen und ID- behandeln, 3. Einleitung von Maßnahmen,Stadionverbot, Ende. Das Umsetzen 1-3 erfordert den absoluten Willen in kürzester Zeit Gewalt abzubauen. Alles andere, wie Sicherheitseuro, Ganzkörperkontrolle, runde Tische, Abschaffung Ultra-Manifest, erbringt keinen Erfolg.
05.12.2012
17:59 Uhr
6. Marienthaler:
Als ob es den Sicherheitseuro nicht schon geben würde oder wie sonst soll ich Sicherheitsspiele interpretieren in denen 1 Euro mehr Eintritt verlangt wird, um die Gästefans vom Bahnhof per Bus abzuholen? Die einfachste aller Lösungen wäre keine Auswärtsfans mehr zuzulassen, aber das wird sowieso nie passieren, was auch richtig wäre!
05.12.2012
16:23 Uhr
5. Der Alte:
@ #3 (IHR NAME): Ne, gewollt ist das nicht. Sonst entzieht man ja gewissen Berufsgruppen die Arbeitsgrundlage. Wie sonst ist denn zu erklären, das es beim Einsatz von 8 und mehr Hundertschaften keine Festnahmen und Urteile gibt? Nur härtere Gesetze und rigoroses Durchgreifen hilft da! Ich erinner mich an Oberliga Zeiten, da ist in Dresden während eines Spiels mal der Gäste Block mit Berliner Fans geräumt worden..., das ist sicher heute nicht mehr so einfach möglich, aber die drahtzieher in vorderster Reihe kann man doch Dingfest machen...., oder nicht?
05.12.2012
11:31 Uhr
4. Der Alte:
Das Übliche: Die Verantwortung wird Hin & Her geschoben, keiner will aber wirklich was in dieser Sache tun. Und das, obwohl sicher Möglichkeiten vorhanden wären: Verschärfung der Strafen per Gesetz bei Körperverletzung, Land- und Hausfriedensbruch, tatsächliche Festnahmen von Chaoten durch die Polizei (sonst machen die Hunderschaften m. E. keinen Sinn), Unterstützung der Vereine bei Präventionsmaßnahmen, Umsetzung gleicher Sicherheitsrichlinien bei den Vereinen und Dialog mit den Fans, Ultras etc. Bei letzterem muß man halt sehen, wohin das führt, ggf. muß den dann eben abbrechen. Ein Sicherheits Euro bringt nix, verlagert das Problem nur, ggf. eben vor das Stadion und betraft unter dem Strich die Fans.
05.12.2012
10:25 Uhr
3. Ihr Name:
Es ist doch alles nicht so schwer. Will man die Stadien sicherer machen? Dann sollte man die rechtliche Grundlage schaffen. Solange das nicht gemacht oder gewollt ist, kommt man nie weiter!
05.12.2012
09:55 Uhr
2. Tobias:
Außerdem bin ich skeptisch ob der Euro überhaupt in die Gewalt-Prävention fließt... Millarden von Euro schicken wir nach Griechenland, aber wir sollen nochmal mehr bezahlen.. Herr Bouffier war bestimmt betrunken als er das Interview mit der B[...]d-Zeitung geführt hat. [Löschung einer abwertenden Bezeichnung für eine Straßenverkaufszeitung - MDR.DE_Redaktion]
04.12.2012
22:00 Uhr
1. Tobias:
Es wird immer wieder lustig, wenn sich die Politiker mit einmischen. Wir zahlen schon genug Steuern, auch das Gehalt von Herrn Bouffier zahlen wir. Er sollte vielleicht mal überlegen, was die Deutschen schon alles zahlen. Aber einen Politiker interessiert das ja nicht solange er seine 12000€ +Bonus und sonstigen Prämien im Monat bekommt. Dieser Minister sollte einfach sein Mund halten. Pfui. Von diesem Euro für Sicherheit, halte ich nichts.
04.12.2012
21:55 Uhr

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