Fußball | DFL-Sicherheitspapier : Püschmann: "Drei Anträge sind so nicht akzeptabel"
Am Mittwoch sollen die 36 Profivereine dem Sicherheitspapier der Deutschen Fußball Liga zustimmen. Der Druck vor allem von Seiten der Politik auf die Vereine und die DFL ist enorm. Auch aus dem Grund gibt es im Vorfeld der Versammlung nahezu stündlich kleinere Änderungen und Konkretisierungen zu den Anträgen. Der FC Erzgebirge Aue wird wohl dem Papier zustimmen. Noch am Dienstagmorgen saßen Vereinsmitglieder und Fans zusammen. Für die Fans sind vor allem die Anträge acht, elf und 14 in der jetzigen Form nicht akzeptabel. MDR.DE fragte bei Jörg Püschmann nach, Mitglied einer Ultragruppierung bei Erzgebirge Aue.
Am Mittwoch will die Deutsche Fußball Liga über das nunmehr geänderte Sicherheitspapier abstimmen lassen. Fanvertreter lehnen es aus den unterschiedlichsten Gründen ab. Warum?
Jörg Püschmann: Es ist schwierig, darauf zu antworten. Derzeit werden die Anträge fast im Stundentakt geändert und konkretisiert. Die DFL ist mit den Vereinen im Kontakt. Das zeigt das ganze Dilemma. 24 Stunden vor der eigentlichen Abstimmung, weiß niemand so recht, was am Ende eigentlich abgestimmt wird. Schon wegen der wenigen Zeit dürfte nicht zugestimmt werden. Die Vertreter der Vereine werden am Mittwoch nach Frankfurt/Main reisen und ein nochmals überarbeitetes Papier vorgelegt bekommen. Dem sollen sie dann zustimmen.
Ist denn alles schlecht, was in dem Sicherheitspapier steht?
Es gibt Punkte, denen man zustimmen kann. Aber es geht hier auch um das "Wie". Es ist kein ausgereiftes Papier. Man hätte sich einfach mehr Zeit nehmen und einen ordentlichen Dialog führen müssen.
Zeigt das auch, dass der Druck von Seiten der Politik auf die DFL schon enorm groß ist?
Definitiv ja. Viel von dem, was aus der Politik kam, ist doch aber reiner Populismus. Es ist doch die Frage, ob sich der größte Sportverband der Welt diesem Druck beugt. Man sollte lieber die Winterzeit nutzen, um alle Punkte noch einmal in Ruhe durchzudiskutieren.
Kommen wir zu den einzelnen Anträgen. Welche sind aus Ihrer Sicht indiskutabel?
Das überarbeitete Sicherheitskonzept hat gute Punkte. Es spricht beispielsweise nichts dagegen, seine Ordner zu schulen. Viele Punkte sind gut gemeint, müssen aber inhaltlich noch ausgefeilt werden. Und im Punkt Ordnung müssen auch die Fan- und Sicherheitsbeauftragten der Vereine mit am Tisch sitzen. Auch die Kommission Stadionerlebnis ist eine gute Sache und zeigt den Willen zum Dialog. Allerdings muss hier von Verbandsseite auch ein Entscheidungsträger dabei sein.
Es gibt aber drei Anträge, denen so nicht zugestimmt werden sollte. In Antrag acht heißt es, dass der Ligaverband sich die Möglichkeit offenlasse, die Vollkontrollen durchzuführen. Man sagt jetzt zwar, dass dies nur im Einzelfall und bei begründetem Verdacht geschieht. Außerdem ergibt sich ein juristisches Problem. Die Vollkontrollen müsste die Polizei durchführen. Wenn im Intimbereich kontrolliert wird, müsste auch ein Arzt anwesend sein. Das kann kein privater Ordnungsdienst machen. Die Frage bleibt zudem im Raum, wer eigentlich festlegt, wann der Einzelfall eintritt. Außerdem gibt es ja schon heute die Möglichkeit, bei Gefahr im Verzug zu kontrollieren.
In Antrag 14 geht es um die Außer-Kraft-Setzung der Zehn-Prozent-Regelung für Gastvereine. Ein Heimatverein kann demnach beantragen, dass diese Regelung außer Kraft gesetzt wird. Obwohl der Gastverein ein Mitspracherecht erhalten soll, obliegt es am Ende dem DFB-Rechtsorgan, eine Entscheidung zu fällen. In Antrag elf sollen Spiele unter Beobachtung des DFB eingeführt werden. Zudem ist die DFB-Zentralverwaltung auch berechtigt, eine Partie als "Spiel mit erhöhtem Risiko" einzustufen. Dabei wird die Stimme der lokalen Vertreter nicht beachtet. Heißt: In Frankfurt/Main wird entschieden, was ein Risikospiel ist, mit allen Konsequenzen wie Begrenzung des Ticketverkaufs u.s.w.
Wie wird sich Ihr Verein, der FC Erzgebirge Aue, am Mittwoch verhalten?
Der Verein wird dem Konzept wohl zustimmen. Es gibt aber noch eine überarbeitete Fassung des Papiers von einem Erstligisten, über die beraten werden soll. Darin sind noch Veränderungen bei den Vollkontrollen und dem Antrag 14 vorgesehen. Es gab am Dienstag noch eine kurze Gesprächsrunde mit dem Verein. Das Problem ist aber, dass sich hier stündlich etwas ändert. Das ist ja auch die Grundkritik: Wie kommen solche Papiere zustande? Man hat einfach die Leute nicht frühzeitig ins Boot geholt. Wenn sich Union Berlin und der FC St. Pauli nicht gewehrt hätten, wäre das Sicherheitspapier unbearbeitet bereits abgestimmt worden.
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