Fußball | Interview : Innenminister Stahlknecht: Nachbessern in Magdeburg
In unserer Serie "Fußball, Fans - und Randale?" haben wir am Donnerstag einen Politiker befragt: Holger Stahlknecht ist Innen- und Sportminister von Sachsen-Anhalt. Der CDU-Politiker bleibt beim Nein zur Pyrotechnik und sagt, dass die Stehplätze weiter zur Disposition stehen. Zudem kritisiert er die Stadionordnung beim 1. FC Magdeburg. Die bedürfe einer Nachbesserung in Sachen Kleiderordnung.
Herr Minister, die Fans beschäftigt das Verbot von Pyrotechnik im Stadion. Viele Anhänger plädieren für ein kontrolliertes Abbrennen. Können Sie denen Hoffnung machen, dass das Verbot "aufgeweicht wird"?
Also, ich bin strikt gegen Pyrotechnik im Stadion. Das gehört zu einer Choreographie nicht unbedingt dazu. Da gibt es wesentlich spannendere Sachen. Wenn bis zu 1.000 Grad heiße Bengalos gezündet werden, dann ist das einfach eine zu große Gefahr für die Menschen.
Die Fans fühlen sich oft ausgegrenzt, dass über sie, aber nicht mit ihnen gesprochen wird. So wie beim Fußballgipfel im Juli in Berlin. Haben Sie dafür Verständnis?
Bei uns in Sachsen-Anhalt wird mit den Fans gesprochen. Wir hatten am Mittwoch einen Runden Tisch zum Thema "Fans und Fußball" und da waren Fanvertreter mit dabei. Und deren Argumente hört sich die Politik genau an. Bei besagtem Gipfel in Berlin hatte der Deutsche Fußball-Bund eingeladen. Insofern müsste man sich dann an den wenden. Aber ich finde, bei dieser Beratung ging es um konkrete, juristische Maßnahmen gegen Gewalt, das waren nun keine Bereiche, wo die Fans wirklich hätten dabei sein müssen.
Die aktuellen Daten für Sachsen-Anhalt sind ja erfreulich, es gab zuletzt weniger Verletzte und weniger Polizeieinsätze. Welche Probleme haben Sie aus den Gesprächen herausgehört, wo ist die Politik gefragt, was kann die Politik tun?
Auf der einen Seite stand die Analyse der sogenannten Problemspiele, die sich durch die neue Aufteilung der 4. Liga verändert hat. Es gibt eine andere Risikolage auch durch die Tatsache, dass Halle in die 3. Liga aufgestiegen ist. Die Beschlüsse der Innenministerkonferenz habe ich vorgestellt. Und schließlich geht es nicht zuletzt darum, dass sich alle Beteiligten – Stadionbetreiber, Klubs, Fans und Polizei – immer mehr vernetzen und sich einfach ein Stück besser kennenlernen.
DFB-Generalsekretär Sandrock spricht davon, dass es in Sachen Erhalt der Stehplätze "Eine Minute vor Zwölf" sei. Das sagte er nach Gesprächen mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz Lorenz Caffier (Mecklenburg-Vorpommern/CDU). Ist die Lage wirklich so dramatisch?
Wenn es den Stadionbetreibern und den Vereinen nicht gelingt, Gewalt in den Stadien zu verhindern, dann wird es am Ende dazu kommen, dass Stehplätze abgeschafft werden. Das wäre aber der wirklich letzte Schritt, die Ultima Ratio.
Beim letzten Sicherheitsgipfel wurden eine deutlich verbesserte Videoüberwachung und zertifizierte Sicherheitsdienste vereinbart. Besserer Ordnungsdienst – wie kann man das schaffen, was sind da Ihre Vorstellungen?
Da sind wir in Gesprächen, Standards zu schaffen. Das bedarf einer generellen Zertifizierung, das können einfach keine Minijobber machen, die gefährden sich am Ende nur selber.
Thema Stadionordnung: Fans, die die Nazi-Marke "Thor Steinar" tragen, kommen nach unserer Beobachtung ins Magdeburger Stadion. Dort tragen sie die Sachen vollkommen auffällig mit Logo an der Gürtelschnalle und so weiter. In Dresden, Bremen, auf Schalke und auch in Halle gibt es eine Stadionordnung, die das Tragen von rechtsextremer "Kleidung" untersagt. In Magdeburg fehlt der Hinweis auf die Kleidung, da wird lediglich das "offene Tragen von Symbolen rassistischen Inhalts" verboten. Das scheint ja nicht zu genügen, um die "Thor Steinars dieser Welt" aus dem FCM-Stadion fernzuhalten. Was sagen Sie dazu?
Ich kenne die Stadionordnung von Magdeburg nicht exakt. Aber ich finde diesen Hinweis gut. Das schreibe ich mir auf und ich werde FCM-Präsident Fechner darauf aufmerksam machen. Es sollte ja nicht so schwer sein, das nachzubessern.
Ein neuer unheilvoller Trend, der sich gerade im Fußball breitmacht, ist Cybermobbing. Was kann die Politik gegen Cybermobbing tun?
Das ist die schwierigste Frage: Der Umgang mit sozialen Netzwerken, das ist außerordentlich schwierig. Das sind Aufgaben, die vor uns liegen. Da habe ich noch kein Allgemeinrezept.
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