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Fußball | Interview : Innenminister Stahlknecht: Nachbessern in Magdeburg

In unserer Serie "Fußball, Fans - und Randale?" haben wir am Donnerstag einen Politiker befragt: Holger Stahlknecht ist Innen- und Sportminister von Sachsen-Anhalt. Der CDU-Politiker bleibt beim Nein zur Pyrotechnik und sagt, dass die Stehplätze weiter zur Disposition stehen. Zudem kritisiert er die Stadionordnung beim 1. FC Magdeburg. Die bedürfe einer Nachbesserung in Sachen Kleiderordnung.

Holger Stahlknecht

Herr Minister, die Fans beschäftigt das Verbot von Pyrotechnik im Stadion. Viele Anhänger plädieren für ein kontrolliertes Abbrennen. Können Sie denen Hoffnung machen, dass das Verbot "aufgeweicht wird"?

Also, ich bin strikt gegen Pyrotechnik im Stadion. Das gehört zu einer Choreographie nicht unbedingt dazu. Da gibt es wesentlich spannendere Sachen. Wenn bis zu 1.000 Grad heiße Bengalos gezündet werden, dann ist das einfach eine zu große Gefahr für die Menschen.

Die Fans fühlen sich oft ausgegrenzt, dass über sie, aber nicht mit ihnen gesprochen wird. So wie beim Fußballgipfel im Juli in Berlin. Haben Sie dafür Verständnis?

Der Innenminister von Thüringen, Jörg Geibert (l-r), der Innenminister aus Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (alle CDU) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) unterhalten sich
Holger Stahlknecht (2. v. li.) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (re.)

Bei uns in Sachsen-Anhalt wird mit den Fans gesprochen. Wir hatten am Mittwoch einen Runden Tisch zum Thema "Fans und Fußball" und da waren Fanvertreter mit dabei. Und deren Argumente hört sich die Politik genau an. Bei besagtem Gipfel in Berlin hatte der Deutsche Fußball-Bund eingeladen. Insofern müsste man sich dann an den wenden. Aber ich finde, bei dieser Beratung ging es um konkrete, juristische Maßnahmen gegen Gewalt, das waren nun keine Bereiche, wo die Fans wirklich hätten dabei sein müssen.

Die aktuellen Daten für Sachsen-Anhalt sind ja erfreulich, es gab zuletzt weniger Verletzte und weniger Polizeieinsätze. Welche Probleme haben Sie aus den Gesprächen herausgehört, wo ist die Politik gefragt, was kann die Politik tun?

Auf der einen Seite stand die Analyse der sogenannten Problemspiele, die sich durch die neue Aufteilung der 4. Liga verändert hat. Es gibt eine andere Risikolage auch durch die Tatsache, dass Halle in die 3. Liga aufgestiegen ist. Die Beschlüsse der Innenministerkonferenz habe ich vorgestellt. Und schließlich geht es nicht zuletzt darum, dass sich alle Beteiligten – Stadionbetreiber, Klubs, Fans und Polizei – immer mehr vernetzen und sich einfach ein Stück besser kennenlernen.

DFB-Generalsekretär Sandrock spricht davon, dass es in Sachen Erhalt der Stehplätze "Eine Minute vor Zwölf" sei. Das sagte er nach Gesprächen mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz Lorenz Caffier (Mecklenburg-Vorpommern/CDU). Ist die Lage wirklich so dramatisch?

Wenn es den Stadionbetreibern und den Vereinen nicht gelingt, Gewalt in den Stadien zu verhindern, dann wird es am Ende dazu kommen, dass Stehplätze abgeschafft werden. Das wäre aber der wirklich letzte Schritt, die Ultima Ratio.

Beim letzten Sicherheitsgipfel wurden eine deutlich verbesserte Videoüberwachung und zertifizierte Sicherheitsdienste vereinbart. Besserer Ordnungsdienst – wie kann man das schaffen, was sind da Ihre Vorstellungen?

Da sind wir in Gesprächen, Standards zu schaffen. Das bedarf einer generellen Zertifizierung, das können einfach keine Minijobber machen, die gefährden sich am Ende nur selber.

Thema Stadionordnung: Fans, die die Nazi-Marke "Thor Steinar" tragen, kommen nach unserer Beobachtung ins Magdeburger Stadion. Dort tragen sie die Sachen vollkommen auffällig mit Logo an der Gürtelschnalle und so weiter. In Dresden, Bremen, auf Schalke und auch in Halle gibt es eine Stadionordnung, die das Tragen von rechtsextremer "Kleidung" untersagt. In Magdeburg fehlt der Hinweis auf die Kleidung, da wird lediglich das "offene Tragen von Symbolen rassistischen Inhalts" verboten. Das scheint ja nicht zu genügen, um die "Thor Steinars dieser Welt" aus dem FCM-Stadion fernzuhalten. Was sagen Sie dazu?

Ich kenne die Stadionordnung von Magdeburg nicht exakt. Aber ich finde diesen Hinweis gut. Das schreibe ich mir auf und ich werde FCM-Präsident Fechner darauf aufmerksam machen. Es sollte ja nicht so schwer sein, das nachzubessern. 

Ein neuer unheilvoller Trend, der sich gerade im Fußball breitmacht, ist Cybermobbing. Was kann die Politik gegen Cybermobbing tun?

Das ist die schwierigste Frage: Der Umgang mit sozialen Netzwerken, das ist außerordentlich schwierig. Das sind Aufgaben, die vor uns liegen. Da habe ich noch kein Allgemeinrezept.

Das Stadion in Magdeburg
Das Fußballstadion von Magdeburg ist modern - die Stadionordnung hinkt hinterher.

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2012, 23:41 Uhr

18. andré:
wie dumm, muss man sein bekleidung, und dessen käufer, verbote auf zuerlegen, aber dieser minister sowie der mdr sollten sich mal objektiv an sachen ran gehen
23.09.2012
09:24 Uhr
17. Hobosap:
Warum kann der VEREIN nicht MIT den ULTRAS bei bestimmten Spielen eine Pyroshow in eine Choreo einbauen. Angebracht wird die dann am Stadiondach oder vor dem Zaun. Bei Olympia, WM, etc gehts ja auch mit nem Feuerwerk... also ist die Schlussfolgerung das es politisch nicht gewollt ist und Willkür dahinter steckt. zum Thema TS: Sicher wird die klamotte nicht mehr von allen Rechten getragen, trotzdem sollte man daran denken das es immer ein paar Leute gibt die hinterherhinken. Daher meine Forderung: TS, E&S, CONSDAPLE, Sport Frei, Pro Violence, Ansgar aryan, Masterrace europe, outlaw, reconquista, rizist, troublemaker, etc. RAUS AUS DEM STADION!!! und nur weil es nicht mehr "In" ist, schmeißen die Rechten die klamotten ja nicht weg, das Identifikationsstiftende Merkmal bleibt. Die Klamotte TS und co. kauft man ja nicht bei C&A, H&M... Wenn man wirklich mal was "verbessern" möchte dann doch bitte konsequent. ULTRA = JA PYRO = JA NAZIS = NEIN
22.09.2012
19:52 Uhr
16. Kristallkugel:
@15) "wenn alle Rechten Levis tragen oder FDJ-Blusen" Meiner Meinung nach würden in einem funktionierendem Rechtsstaat natürlich auch dann diese Leute, die solche 'Marken' offenbar in identitätsstiftender Funktion tragen zunächst kritisch beäugt und wenn man meint, eine Reißleine ziehen zu müssen, dann in irgend einer Weise gegen diese Symbolik vorgehen, z.B. durch Stadionverbot. Das 'Problem' ist nur: die werden diese Klamotten zu Identifikationszwecken nie tragen (können)! Deshalb ist Deine Phantasiererei letztlich lächerlich! @9) Pyro bei bestimmten Events ist nun mal nicht zu vergleichen mit Pyro im Stadion, hautnah an Menschenmassen, ohne realisierbare Sicherheitsabstände. Muss sich denn erst einer an dem Zeug verbrennen, bis alle einsehen, dass das Scheiße ist im Stadion?
22.09.2012
14:41 Uhr
15. Sport Frei:
Das Fußballstadion von Magdeburg ist modern - die Stadionordnung hinkt hinterher. Auf solchen Mist kann nur der MDR kommen. Wie wäre es wenn alle rechten ab sofort Levis und Wrangler tragen oder FDJ-Blusen?
22.09.2012
13:35 Uhr
14. klaus:
Zu Stahlknecht fällt mir nichts mehr ein, ausser das es dafür soregn sollte, dass endlich mehr Polizei auf der Straße ist und man sich im dunkeln wieder vor die Tür trauen kann.
22.09.2012
13:30 Uhr
13. Manni Puliert:
Sehr geehrter Herr Minister Stahlknecht, weshalb soll das Tragen von Kleidung des Labels Thor Steinar verboten werden? Die Marke hat längst keinen großen Bezug mehr zu politischen Gruppierungen und wird von den vermuteten Trägern boykottiert. Sollten Sie sich nicht lieber um Aufklärung bezüglich dieser Thematik kümmern?
22.09.2012
12:51 Uhr
12. Hobosap:
Natürlich gilt TS immer noch als Identifikationsmittel für Nazis, allerdings sollte man so konsequent sein und erik & Sons, Consdaple, etc... gleich mit einbinden in die Stadionordnung. desweiteren haben Sie keine Ahnung Herr Innenminister, es ist immer einfacher über Menschen zu reden als mit Menschen. Und bei diesem Gipfel war der Bundesinnenministerium anwesend, was ja wohl klar an Ihre Adresse geht... " Bei besagtem Gipfel in Berlin hatte der Deutsche Fußball-Bund eingeladen. Insofern müsste man sich dann an den wenden. Aber ich finde, bei dieser Beratung ging es um konkrete, juristische Maßnahmen gegen Gewalt, das waren nun keine Bereiche, wo die Fans wirklich hätten dabei sein müssen."
22.09.2012
09:57 Uhr
11. matzemd74:
Was dem MDR so alles aufällt,was in Magdeburg für sachen getragen werden? Man geht zu euren brauseverein die alle brav sind ne tröte in der hand halten ne Bockwurst essen und ne Brause trinken schön Abend noch.
21.09.2012
20:38 Uhr
10. pukki:
warum fangen Politiker immer wieder mit dem Thema "Stehplätze verbieten" an??? es sollte andere Lösungen geben...
21.09.2012
17:43 Uhr
9. Exilhallunke:
Ich Frage mich wieso ein Politiker sich das recht rausnehmen will in die Hausordnung/Stadionordnung eines Vereins einzugreifen !!!! Desweiteren ist es schon erstaunlich das der werte Herr mit seiner Meinung zu Thor Steinar Klamotten eindeutig Zensur betreibt, dies sollte einem demokratisch gewaehlten Politiker tunlichst nicht einfallen. Seit wann ist es denn so normal Leute nach ihrer Kleidung und ihrer Optik zuzuordnen das selbst Politiker es tuen.? Wenn Pyrotechnik so gefährlich ist wie der Herr tut das selbst kontrollierte tabu bleiben muss, frag ich mich wieso bei sonst jedem grossem fest in diesem Land Feuerwerk genehmigt wird?? Wenn ihr Ruhe im Stadion, sprich keine Gewalt haben wollt liebe Politik dann fangt endlich an in der Gesellschaft und schiebt die scheiße nicht auch den Fußball !!!! Gewalt wird sich nie hundertProzentigen in den griff bekommen lassen, aber die Vereine sollen das alleine hinbekommen wo die Politik seit Jahren versagt !!!!
21.09.2012
17:37 Uhr

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