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Fußball : Aue-Fan Wendler: Auch mal froh über Polizeischutz

Sylvio Wendler ist ein waschechter Fußballfan. Einer, der den FC Erzgebirge Aue in seinem Herzen trägt. Zuhause und auswärts ist er immer dann dabei, wenn es der Job erlaubt. Daneben begleitet er auch die Nationalmannschaft. So reist er im Oktober zum WM-Qualifikationsspiel nach Dublin. Der 34-Jährige ist im Auer Fanklub Koma-Kolonne Neustädtel. Der Titel klingt heftiger als er ist. Mit Sitzplätzen kann Wendler nichts anfangen, sein Revier sind die Stehplätze. Ein Ultra ist er nicht. Wir haben mit dem Heizungsinstallateur über seine Erfahrungen als Fan gesprochen.

Aue-Fan Syvio Wendler

Die Fans sind mit den Anstoßzeiten, die sich nach den Fernsehverträgen richten, nur bedingt glücklich. Schildere mal ein Beispiel!

Na ja, im Jahr gehen schon zehn Tage Urlaub oder Überstunden drauf. Nehmen wir zum Beispiel die Freitagsspiele in der 2. Liga. Die beginnen um 18 Uhr. Viele arbeiten doch so lange, die haben dann keine Chance mehr, ins Stadion zu kommen. Das Montagsspiel beginnt um 20:15 Uhr, das ist auswärts immer eine Art Parforceritt.

Der Schrecken der 2. Liga, zumindest mal aus Fansicht, ist in der Tat das Montagsspiel auf "Sport1". Kannst Du da bei Auswärtsauftritten der "Veilchen" überhaupt mit dabei sein?

In der Hinrunde gibt es Montags noch zwei Aue-Spiele auswärts. In Kaiserslautern und in München. Dann arbeite ich nur einen halben Tag, bin nachts um drei zuhause und muss um halb Sechs wieder aufstehen. Was man aber auch sagen muss: Die Ansetzungsplanungen sind in diesem Jahr besser, weil schneller, geworden. Die Vorrunde steht immerhin schonmal fest.

Seit wann bist Du Fan?

Seit mein Vater mich mit vier Jahren mitgenommen hat. Schon zu DDR-Zeiten hatten wir Abokarten.

Wie würdest Du Dich als Fan charakterisieren?

Aue-Fan Silvio Wendler
Nur selten auf Sitzplatz: Sylvio Wendler

Ich bin ohne Unterbrechung Aue-Fan. Also in guten wie in schlechten Zeiten. Wir haben Aufstiege und Abstiege mitgemacht. Im Stadion, da will ich stehen, das ist einfach das Feeling Fußball. Wir stehen in der Nähe der Anzeigetafel. Auf eine Sitzplatztribüne gehe ich nur im Ausnahmefall. Sitzen ist einfach relativ eng und hinderlich beim Stimmungsmachen. Das ist eher was für das gehobene Publikum. Die nur mal ab und zu klatschen wollen. Es gibt da ja den schönen Spruch: "Sitzen ist fürn Arsch".

Welche Unterschiede zu früher hast Du beim Stadionbesuch festgestellt?

Früher habe ich zu Älteren aufgeschaut, heute wollen sich die Jüngeren, mit 14 oder 15 Jahren, beweisen. Da fehlt der Respekt komplett.

Wie empfindest Du den Umgang mit Polizei und Ordnern?

Die müssen ihre Arbeit machen. Wir haben keine Probleme mit ihnen, wir sind aber ohnehin nicht auf Randale aus. Es ist doch so: Wie man in den Wald schallt, so schallt es zurück …

Es war nie brenzlig?

Polizisten stehen vor der Allianz-Arena in München
In München lässt die Polizei nicht mit sich spaßen.

Na ja, zwei Sachen fallen mir da schon ein: In Bayern ist es relativ extrem, das greift die Polizei schneller durch. Einmal ist ein Kumpel von mir aus Spaß vor einem Beamten in eine Pfütze gesprungen, der wurde dann sofort verhaftet. Ich weiß nicht ob man das gleich so handhaben muss. Also in München, Ingolstadt, Fürth, früher auch bei unserem Spiel in Augsburg, da war es schon sehr streng und teilweise auch unangemessen. Ich selbst hatte zwar noch nie Probleme, habe das aber beobachtet.

Und die andere Geschichte?

Die gab es in Rostock im vergangenen Jahr. Das war schon prekär. Wir waren in Warnemünde in einer Kneipe, da wurde uns aufgelauert. Eine Wirtin bekam das mit und rief die Polizei. Ich muss zugeben, dass wir da schon sehr froh über den Polizeischutz waren. Das war brenzlig.

Wie beurteilst Du die Fanarbeit beim FCE?

Aue ist ein kleiner Verein, da kennt jeder jeden. Klar gibt es Meinungsverschiedenheiten, aber man kann auch mit den Leuten reden. Es gibt einen hauptamtlichen Fanbeauftragten, das ist gut. Die Fanreise ins Trainingslager wird organisiert, das klappt super, meine Karten kauf ich auch immer im Vorfeld im Fanprojekt.

Was ist Deine Meinung zur Pyrotechnik?

An den ersten vier Spielen hat man sich bei uns an das Verbot gehalten. Das fand ich super. Eigentlich aber sehe ich das entspannt: Ist es erlaubt, ist es okay. Ist es verboten, dann geht es eben nicht.

Aue-Fan Silvio Wendler
Wendlers Fanklub feiert mit Aues Altstar Skerdilaid Curri (3. v. li. unten)

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2012, 18:16 Uhr

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