Fußball | 2. Bundesliga : Aue auf Schnee wie im Rausch
11. Spieltag
Was für eine denkwürdige Begegnung im Schnee! Die widrigen Bedingungen waren für Erzgebirge Aue wie geschaffen und bescherten der Mannschaft von Trainer Baumann ein Traumergebnis gegen den VfL Bochum. Unterdessen untermauerte Eintracht Braunschweig mit einem Remis gegen Hertha BSC seine Spitzenstellung im Fußball-Unterhaus. Aufatmen konnte der MSV Duisburg nach dem zweiten Saisonsieg. Dynamo Dresden steht am Sonntag bei St. Pauli in der Pflicht.
Das haben die Fans von Erzgebirge Aue lange nicht erlebt. Am Sonnabend spielte sich ihre Mannschaft in einen Rausch und besiegte den VfL Bochum mit 6:1. Auch der Ehrentreffer ging auf die Kappe der "Veilchen".
Drei Minuten für die Ewigkeit
Wer hier zu spät kam, der hatte etwas verpasst. Bereits in der Anfangsphase überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst hatten die Erzgebirgler eine Schrecksekunde zu überstehen, als in der fünften Minute der Schiedsrichter auf den Punkt zeigte: Nickenig hatte Dedic gelegt. Der Gefoulte trat selbst an und knallte die Kugel an den linken Pfosten. Das war der Auer Startschuss für wahnsinnige drei Minuten, in denen die Auer auf 3:0 davon zogen. Los ging’s mit Müller, der den Ball im Sitzen reinspitzelte (7.). Kaum war der Jubel verklungen, rutschte Bochums Torhüter Luthe aus: König roch den Braten und schaufelte das Leder über die Linie: 2:0 (9.). Und der Wahnsinn ging weiter. Nur Sekunden später führte ein Pressschlag zwischen Bochums Schlussmann und Hochscheidt zum dritten Tor für die Gastgeber. Zu allem VfL-Übel musste Luthe verletzt vom Platz. Für ihn kam Heerwagen. Der VfL war geschockt, zumal die Ruhrpott-Kicker mit den Platzverhältnissen überhaupt nicht zu recht kamen. Die Auer dagegen spielten in ihrem "Wohnzimmer" leidenschaftlich weiter und hatten alles unter Kontrolle. Nur bei einem Schuss von Freier aus 22 Metern musste Aue-Keeper Männel eingreifen, als er den Ball über die Latte lenkte.
Gastgeber weiter torhungrig - Hochscheidt überall zu finden
Nach der Pause bekam die Baumann-Elf immer noch nicht genug: Mit dem ersten Angriff lag der Ball schon wieder im Bochumer Kasten. Diesmal hatte Hochscheidt von der Strafraumgrenze abgezogen. Es war übrigens sein Tag. Der Mittelfeldspieler glänzte durch Tore und bereitete vor. So das 5:0 (49.), als er die Vorlage für König gab. Und weil’s so prima lief, machten die Lila-Weißen in der 58. Minute das halbe Dutzend voll. Paulus schritt locker zum Elfmeterpunkt und verwandelte. Sylvestr war vorher fest gehalten worden. Bochum verfiel in Schockstarre. Einzig der Japaner Tasake versuchte es mit Schüssen (83./84.), die aber ungefährlich blieben. So ging auch der Ehrentreffer auf die Kappe der "Veilchen". Mit dem Abpfiff traf Paulus ins eigene Tor: ein kleiner Schönheitsfehler, mehr nicht.
Das sagten die Trainer
Andreas Bergmann (VfL Bochum): "Wir haben mit dieser Niederlage einen Tiefpunkt erreicht. Nach dem verschossenen Elfmeter lagen wir innerhalb von drei Minuten 0:3 zurück. Nach der Pause wollten wir schnell ein Tor erzielen, um noch einmal Hoffnung zu schöpfen. Aber dann kassierten wir erneut in knapp drei Minuten wieder zwei Treffer. Danach war es nur noch eine Qual bis zum Abpfiff."
Karsten Baumann (Erzgebirge Aue): "Diese drei Punkte wollten wir unbedingt holen, wobei uns das Wetter wohl etwas entgegen kam. Zum Glück konnten die Bochumer in der Anfangsphase ihren Strafstoß nicht verwandeln. Aber dann gelangen uns drei Tore. Der Doppelschlag nach der Pause war dann für unser Spiel perfekt. Ein besonderes Lob muss ich Jan Hochscheidt zollen, der eine überragende Leistung geboten hat."
Braunschweig untermauert Spitzenstellung - "Zebras" atmen auf
Eintracht Braunschweig bleibt weiter das Team der Stunde. Gegen Hertha BSC reichte der Mannschaft von Trainer Lieberknecht ein 1:1, um die Führung in der 2. Bundesliga zu untermauern. In dem Spitzenspiel erwies sich Eintracht als hocheffizient. Kapitän Kruppke traf in der 25. Minute mit einem satten Schuss aus der Distanz zur Führung. Bei den Berlinern lief offensiv lange nichts zusammen, bis Ramos zwölf Minuten vor Schluss per Kopf den glücklichen Ausgleich erzielte. "Wir haben wahnsinnig viel investiert. Am Ende mussten wir den Druck erhöhen, dann ist uns zum Glück noch das 1:1 gelungen", schätzte Hertha-Coach Luhukay die Sache ein. Kollege Lieberknecht sprach von einem "gerechten Ergebnis".
Durchatmen konnte der MSV Duisburg, der bei Aufsteiger SV Sandhausen mit 2:0 seinen zweiten Saisonsieg einfuhr. Für die "Zebras" traf Brandy im Doppelpack (33./60.). Danach gab sich der Matchwinner sachlich: "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen und weiter hart arbeiten. Das war ein Schritt in die richtige Richtung, es müssen aber weitere folgen".
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