Bundesligen

Fußball | 2. Bundesliga : Bann gebrochen: Aue gewinnt auswärts

Erzgebirge Aue hat den Auswärtsfluch besiegt. Im oberbayerischen Ingolstadt feierte die Elf von Trainer Baumann ihren ersten Auswärtsdreier. Gefeiert wurde am Mittwoch auch in Braunschweig und bei Union Berlin. In Cottbus herrschte dagegen Katzenjammer.

Es geht doch! Erzgebirge Aue hat am Mittwoch seinen ersten Auswärtssieg in dieser Saison eingefahren. Bei den zuletzt vier Mal in Folge zu Hause ungeschlagenen Ingolstädtern gewann Aue mit 2:1 und zog damit an Dynamo Dresden vorbei auf den 13. Tabellenplatz.

 Marc Hensel freut sich über sein Tor
"Ich kann es noch" - Hensel freut sich über sein erstes Saisontor.

Im Stadion herrschte zunächst gespenstische Ruhe. Auch die Fans in Ingolstadt beteiligten sich mit einem Stimmungsboykott an einer deutschlandweiten Aktion. Die Fans protestierten damit gegen das geplante neue Sicherheitskonzept. Die Spieler jedenfalls schien die Geisterstimmung zu lähmen. In den ersten Minuten ging fast nichts. Ingolstadt wirkte vor allem in der Abwehr lethargisch und ging nur halbherzig zu Werke. Doch Aue konnte aus dem Tiefschlaf der Platzherren (zunächst) kein Kapital schlagen und vergab mit leichtfertigen Fehlpässen im Aufbauspiel mögliche Chancen. Als Hochscheidt per Kopf mustergültig für Wiegel auflegte, hatte der plötzlich freie Schussbahn, traf die Kugel aus 14 Metern aber nicht optimal. Nach ihrem zwölfminütigem Schweigeboykott waren die Fans endlich auch akustisch da – und zwar pünktlich zum ersten Tor des Tages. Nach einem Freistoß von Hochscheidt machte sich Hensel ganz lang und spitzelte den Ball unhaltbar ins Tor (20.). Hensel konnte sein Glück kaum fassen, nach mehr als zwei Jahren ohne Tor hatte der Mittelfeldmann endlich wieder getroffen.

Schock kurz vor der Pause

Ingolstadt wirkte angeknockt, doch Aue setzte nicht energisch nach. Statt weiter aggressiv zu stören und die Gastgeber unter Druck zu setzen, überließ Aue den Platzherren das Revier. Die Oral-Elf gewann so optische Überlegenheit, blieb aber harmlos. Nur bei einer verunglückten Flanke von Schäfer, stockte den mitgereisten 300 Fans aus dem Erzgebirge der Atem (29.). Doch Flauder, der den verletzten Stamm-Torwart Männel (Beckenprellung) ersetzte, passte auf und lenkte den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke. Und plötzlich jubelte erneut Aue. Nach einer Eingabe von rechts stand Sylvestr goldrichtig, aber leider haarscharf im Abseits. Der Treffer zählte nicht. Stattdessen schepperte es auf der Gegenseite. Als sich alle Auer schon mit der knappen Pausenführung angefreundet hatten, kamen die Gäste wie aus heiterem Himmel zum 1:1. Nach einer Flanke war der Ball unglücklich an den Oberarm von Schlitte gesprungen. Schiedsrichter Siebert aus Berlin entschied sofort auf Elfmeter. Leitl trat an und hämmerte die Kugel kompromisslos in die linke obere Ecke. Flauder flog zwar in die richtige Richtung, hatte aber keine Abwehrchance (43.).

Jan Hochscheidt wird von seinen Teamkollegen bejubelt
Jan Hochscheidt wird von seinen Teamkollegen bejubelt

Viel Leerlauf, ein Tor und einmal Aufregung

Nach der Pause rissen beide Teams keine Bäume aus. Fehlpässe im Mittelfeld prägten das Geschehen. Erst nach 59 Minuten wagte Schröder einen ersten Schussversuch. Der Ball ging deutlich vorbei. Keine 60 Sekunden später kombinierten sich die Erzgebirgler endlich herzerfrischend in den Strafraum. Sylvestr steckte den Ball herrlich durch und Hochscheidt schob unhaltbar aus neun Metern ein. Die erste große Chance – das zweite Tor. Das nennt man optimale Chancenauswertung. Doch wie schon nach dem 0:1 zog sich Aue danach weit zurück und überließ Ingolstadt das Feld. Und das wäre beinahe ins Auge gegangen. Nach einer Eingabe flog Flauder am Ball vorbei, da Costas abgefälschter Schuss landete im Tor. 2:2? Denkste! Siebert pfiff ab und gab den Treffer nicht. Er hatte zuvor ein zweifelhaftes Foulspiel an Klingbeil gesehen. Aue war im Glück und rettete den knappen Vorsprung ins Ziel. Es war übrigens auch der erste Sieg gegen Ingolstadt. Die bisherigen vier Duelle gingen stets Unentschieden aus. Und noch etwas für Statistik-Fans: Torwart Flauder bleibt in der 2. Liga ungeschlagen. Nach drei Einsätzen hat er zwei Siege und ein Remis auf dem Konto.

Trainerstimmen nach dem Spiel

Karsten Baumann (Aue): "Der Schlüssel zum Erfolg war, dass wir über 90 Minuten versucht haben, die Ordnung zu halten. Nach der Führung haben wir uns zu weit hinten rein drängen lassen und um den Ausgleich gebettelt. In der zweiten Halbzeit sind wir mit einem herrlichen Spielzug in Führung gegangen und haben danach bravourös verteidigt. Jetzt müssen wir am Sonnabend gegen Sandhausen nachlegen, sonst ist der Auswärtssieg nichts wert."

Tomas Oral (Ingolstadt): "Wir waren heute über 90 Minuten die spielbestimmende Mannschaft. Wenn man so viel Ballbesitz hat wie wir und das nicht in Tore ummünzen kann, hat man es vielleicht auch nicht verdient. Der Gegner hat uns heute mit ganz einfachen Mitteln geschlagen."

Union bändigt die "Zebras"

Simon Terodde, Björn Jopek, Torsten Mattuschka bejubeln Tor
Union Berlin fährt mit einem Dreier in die Heimat zurück. (Archivbild)

In den drei übrigen Mittwochspartien der 2. Fußball-Bundesliga haben sich zweimal die Favoriten durchgesetzt: So gewann Union Berlin beim sportlich und finanziell höchst angeschlagenen Krisenklub MSV Duisburg 2:1. Ein Eigentor von Brandy (20.) und Terrode (35.) sorgten für eine beruhigende Pausen-Führung. Der Anschluss von Branjic kam zu spät (90.). Gegen die kaum besser aufspielenden Berliner brachten sich die Gastgeber durch grobe Fehler selbst um jede Chance. Zu Wochenbeginn war bekannt geworden, dass dem Ruhrpott-Verein kurzfristig 2,3 Millionen Euro und bis Saisonende sogar fünf bis sechs Millionen Euro in der Klubkasse fehlen. Die Fans hatten bei der Partie auf St. Pauli am Sonntag bereits Pfandflaschen zur Rettung des Klubs gesammelt.

Sandhausen überrascht Energie

Dresdens Idir Ouali (l) und Mickael Pote (2.v.l.) gehen Energies Alexander Bittroff (2.v.r.) an, sein Mitspieler Uwe Möhrle (r) schaut zu.
Uwe Möhrle (r) sorgte für die Energie-Führung. Am Ende jubelte aber Sandhausen. (Archivbild)

Beim 3:1 des bisherigen Schlusslichts Sandhausen gegen Spitzenklub Energie Cottbus feierte der neue Trainer Boysen ein gelungenes Heimdebüt. Die Führung von Möhrle (33.) konnte Energie nicht nutzen. Nach der Pause zeigte sich Sandhausen offensiver und drängte schwache Gäste weit zurück, die Angriffsbemühungen blieben aber zunächst harmlos. Nach einem Handspiel von Börner entschied Schiedsrichter Dingert erstmals auf Strafstoß, Wooten verwandelte sicher (59.). Cottbus hatte bei einem Pfostentreffer von Alexander Bitroff Pech (65.), quasi im Gegenzug gab Dingert nach einem Handspiel von Möhrle erneut Elfmeter. Wooten war diesmal erst im Nachschuss erfolgreich. Vor nur 2.650 Zuschauern entschied Löning das Match (90.).

Kumbela bringt Braunschwieg wieder auf Kurs

 Dominick Kumbela jubelt ueber seinen Treffer
Torgarant Kumbela erzielte gegen St. Pauli das Tor des Tages. (Archivbild)

Nach der ersten Saisonniederlage wieder in der Spur ist Spitzenreiter Braunschweig: Gegen lange nur zehn St. Paulianer gab es einen 1:0-Erfolg. Dominick Kumbela brachte mit schönen Flach-Schuss von der Strafraumgrenze die Eintracht in Front (15.). Ab der 22. Minute mussten die Hamburger in Unterzahl spielen: Fin Bartels sah nach einem Foul gegen Benjamin Kessel die Rote Karte. Das war eine harte Entscheidung. Auch Braunschweig musste die Partie nach Gelb-Rot für Benjamin Kessel (81.) wegen wiederholten Foulspiels zu zehnt beenden. Wie auch in Ingolstadt, Sandhausen und Duisburg so waren auch die 21.400 Zuschauer in Braunschweig 12 Minuten lang leise und protestierten so gegen die Sicherheitspläne der DFL.

Aktuelle Berichte zur 2. Fußball-Bundesliga

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2012, 19:38 Uhr

1. Schreiberling:
Glückwunsch an Aue!
29.11.2012
06:42 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK