Im Bild von links - Jorge (6, Monaco) und Emil Forsberg (10, RB Leipzig).
Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

Nachklapp Viel Gänsehaut, aber "nur" ein Punkt

Mit 57 Prozent Ballbesitz und einem klaren Chancenplus stellen sich nach einem Fußballspiel vor allem zwei Fragen: War da mehr drin? Und kann man mit dem einen Punkt zufrieden sein? Nach RB Leipzigs Champions-League-Debüt gegen AS Monaco (1:1) waren die Spieler trauriger als die Fans.

von Sven Kups

Im Bild von links - Jorge (6, Monaco) und Emil Forsberg (10, RB Leipzig).
Bildrechte: PICTURE POINT / S. Sonntag

"Gänsehaut" war das Wort des Abends. Tausendfach wurde es am Mittwoch ausgesprochen. Von vielen der rund 40.000 Zuschauer, die eine Karte für RB Leipzigs erstes Champions-League-Spiel ergattern konnten, und auch von den Spielern. "Als die Hymne kam, hatte ich Gänsehaut", berichtete unter anderem Mittelfeldspieler Diego Demme. Abwehrspieler Lukas Klostermann nannte es "ein unbeschreibliches Gefühl und noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte". Drei Monate lang, fügte Torhüter Peter Gulacsi hinzu, habe man auf diesen Tag gewartet und von der Hymne geträumt: "Es war ein schönes Gefühl!"

Ja, was die Gefühlslage angesichts dieses ersten Auftritts im Fußball-Olymp betrifft, war und ist man sich einig. Anders sieht es allerdings bei der Bewertung des 1:1-Unentschiedens gegen die AS Monaco aus. Stöbert man in den Kommentaren der sozialen Medien, so findet man bei den Fans fast nur Lob und Optimismus. Da ist viel von "Stolz" und "einem gelungenen Einstand" die Rede. Von einem „"bsoluten Achtungserfolg, der sich durchaus wie ein Sieg anfühlt". Die Mannschaft selbst jedoch wollte das so nicht unterschreiben. "Es war ein schönes Spiel, ein schöner Abend für uns alle", meinte unter anderem Kapitän Willi Orban, "aber unterm Strich ist da trotzdem so ein mulmiges Gefühl, weil wir besser spielen können. Mit etwas mehr Mut wäre heute mehr drin gewesen."

Tor für RB Leipzig.  Emil Forsberg erzielt den Treffer zum 1:0 und jubelt mit Diego Demme und Timo Werner.
Tor für RB Leipzig. Emil Forsberg erzielt den Treffer zum 1:0 und jubelt mit Diego Demme und Timo Werner. Bildrechte: Picture Point

Mit wackligen Beinen

Nachdenklich und kritisch äußerte sich auch Timo Werner. Vor dem Spiel wäre man mit einem 1:1 gegen den Favoriten der Gruppe G zufrieden gewesen. "Aber wenn man den Spielverlauf sieht, muss man sagen, dass wir das Spiel vielleicht nicht hergeschenkt haben, aber doch etwas liegen gelassen haben. Monaco war zu schlagen."Man habe ihnen angesehen, dass es für viele das erste Champions-League-Spiel war. "Da waren noch viele wacklige Beine dabei." Ähnlich sah es auch Abwehrspieler Marcel Halstenberg. "Beim Gegentor haben wir uns dämlich angestellt. Da hätten wir außen mehr Zugriff haben müssen. Und innen kann man das dann schwer verteidigen", erklärte er den Gegentreffer kurz nach dem viel umjubelten 1:0 durch Emil Forsberg.

Der schwedische Torschütze schaute auch nach dem Duschen noch etwas unglücklich aus der Wäsche. Und das lag auch, aber nicht nur an seiner relativ frühen Auswechslung  in der 63. Minute. Es sei "ein besonderer Moment" gewesen, für RB Leipzig das erste Tor in der Champions League zu machen. "Aber natürlich war mehr drin. Das haben wir gespürt." Im ersten Spiel in der Königsklasse sei halt etwas Nervosität dabei gewesen. Stürmer Timo Werner findet das jedenfalls normal: "Wir sind jetzt etwas enttäuscht, aber man darf nicht übertreiben. Das war der französische Meister! Deswegen können wir heute erhobenen Hauptes nach Hause gehen."

 Jubel bei bei AS Monaco über den sofortigen Ausgleich durch Youri Tielemans.
Jubel bei AS Monaco über den sofortigen Ausgleich durch Youri Tielemans. Bildrechte: IMAGO

Ein erster Schritt

So wie Yussuf Poulsen. Der Däne strahlte nach seinen ersten 94 Minuten Champions League ("Es war ein geiles Gefühl!") pure Zufriedenheit aus: "Viele haben erwartet, dass wir zu Hause wie zuletzt überlegen sein müssen. Aber das hier war Monaco, die standen letztes Jahr im Halbfinale. Gegen so einen Gegner kann man keine hundert Chancen erwarten." Der Punkt sei ein erster Schritt. "Wenn wir die Mentalität von heute in die nächsten Spiele reinpacken, werden noch mehr Punkte kommen."

Mit demselben Optimismus schloss auch Kapitän Willi Orban seine Einschätzung ab: "Wir sind gut in die Champions League reingekommen und wissen jetzt, dass wir auf dem Niveau nicht nur mithalten können, sondern Gegner auch vor Aufgaben stellen können. Wir haben noch ein schönes Spiel in Monaco vor uns. Da werden wir es besser machen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 14. September 2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 12:29 Uhr

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34 Kommentare

16.09.2017 12:17 UweZH 34

@ 15.09.2017 08:18 Bernd

Dies mit der "Ampel" ist ein gutes Beispiel, denn die Strassenverkehrsordnung hat in diesen Beispiel, genaue Richtlinien/Regeln. Genauso im Geschäft "Fussball" - man muss sie bloss kennen und nutzen.

15.09.2017 17:20 RBLer 33

@26 Sr.Raul: Du bist mir einer! Diskutierst hier seit Jahren munter mit, aber wenn´s für Schalke eng wird, dann ziehst du den Schwanz ein. Du stimmst Toni (#1) im Prinzip zu, der kritisiert, dass niemand weiss woher im Fußball die Kohle kommt, aber gleichzeitig entziehst du dich der Diskussion. Die Frage, ob es moralisch richtig ist, von Putin Geld anzunehmen, könntest du schon mal beantworten.

15.09.2017 10:17 Sr.Raul 32

Kuba ist nett, @18 (Fanarmy).

15.09.2017 08:18 Bernd 31

@Raul, Fortsetzung. Da ist eine rote Ampel kommt aber kein Auto, nur diese stoerrische Ampel will einfach nicht gruen werden, also laeuft einer los andere hinterher und Du auch. Da taucht ein Polizist auf und will genau Deine Personalien. Ich nehme mal an Du bist erboost, zumal derjenige der als erster loslief nun grinst und feixt. Normalerweise wuerdest Du Dich fragen, warum zieht der mich raus, oder in meiner Sprache, 'warum hat der mich auf dem Kieker?'

15.09.2017 08:13 Klatschpappe 30

Das war Ergebnisfußball. Deswegen komme ich nicht ins Stadion. Ich möchte Offensivfußball sehen, egal ob man dann 4:5 verliert. Ich würde gerne Augustin neben Werner und Kampl oder Bruma von Anfang an sehen. Ilsanker auf die Keita Position fand ich nicht gut. So was wie am Mittwoch kann man dann gegen die Offensivgiganten spielen. Dies war Monaco nicht.

15.09.2017 08:12 Bernd 29

@Raul, das Wort "Versuch" gefaellt mir. Warum ist es Hass - ganz einfach, das Problem was @1 angesprochen hat ist folgendes - es gab Entwicklungsstufen des Kommerzes im Fussball, daran waren unterschiedliche Vereine beteiligt selbst Deinen Verein sehe ich. Das kann man schlecht finden. Hatte da gestern die Diskussion mit einem Feyenoord-Fan, die hatten so gar keine Chance gegen Man City, aber das Problem bei @1 ist, dass er das an einem Verein festmacht, der eigentlich durch offene Tueren laeuft - erinnert mich an Zeiten wo dazu aufgerufen wurde bestimmte Geschaefte zu meiden - und genau das ist Hass.

15.09.2017 08:05 Eisern 28

Da sitzt ein alter Mann in Österreich und lacht sich sich kaputt über euch RB- Konsumenten. Für ihn ist es nichts anderes als ein weiterer Geschäftszweig und ihr rennt sabbernd hinterher. Nichts von dem was ihr da habt ist erarbeitet geschweige denn erkämpft. Bezahlt er euch eigentlich auch eure Winkelemente (nur so ein Gedanke)? Ich glaube wenn Hr. Brause keinen Bock mehr auf Fußball hat ,dann seid ihr genau so schnell weg vom Fenster wie ihr gekommen seid. Eiserne Grüße

15.09.2017 08:03 Bernd 27

@Herr Bins, der einzige der das Spiel wohl nicht gesehen hat, sind Sie, es gibt ausser dem Tor einen Pfostenschuss und das ist dann keine Chance??? Sie haben doch ein sehr seltsames Verstaendnis von Fussball oder keine Ahnung! Und bleibt Yussi beim Pass von Forsberg weg steht Werner frei vorm Tor gut bei Ihnen auch keine Chance genau wie Dinger die der Torwart haelt oder die knapp neben das Tor gehen.

15.09.2017 07:50 Sr.Raul 26

@16 (RBLer), gern würde ich auf Deine Anmerkungen zu Kapitalismus, Putin, Tönnies eingehen. Das gehört aber 1) hier nicht her und 2) erfordert es wegen seiner Komplexheit zu viel Zeit und Raum. Nur so viel dazu: Nicht jeder Kapitalismuskritiker ist zwingend von "...früheren ideologisch-fundamentalistischen Ansichten durchsetzt".

14.09.2017 21:23 Lucian Kaulfürst 25

Lieber MDR. Mal eine ganz andere KRITIK. Während der Konferenz von RB Leipzig-AS Monaco/Tottenham Hotspur- Borussia Dordmund waren die Außenmikrofone anscheinend so schlecht eingestellt, dass fast keine Stimmung zu hören war. Weder in dem einen noch in dem anderen Stadion! Bei der Bundesliga - Konferenz ist dies das selbe, weshalb ich mittlerweile am Sonnabend lieber die Norddeutsche Konkurenz höre. Schade, das möchte ich eigentlich nicht!!!!