Im Bild: Während des Leipziger Mannschaftskreises nach Abpfiff bandagiert Physiotherapeut Alexander Sekora (RB Leipzig) den Oberschenkel von Naby Keita (8, Leipzig).
Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche

Fußball | Champions League Hängende Köpfe und ein gefeierter Ex-Kapitän

Die Gefühlslage der RB-Spieler nach der Niederlage gegen Istanbul war gleich und doch verschieden: Einer war angefressen, einer glücklich, und der Torwart bat um Nachsicht mit den Stürmern.

von Sven Kups

Im Bild: Während des Leipziger Mannschaftskreises nach Abpfiff bandagiert Physiotherapeut Alexander Sekora (RB Leipzig) den Oberschenkel von Naby Keita (8, Leipzig).
Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche

Ralph Hasenhüttl ist ein durch und durch positiver Mensch. Aber als er nach dem Champions-League-Spiel gegen Besiktas Istanbul (1:2) am späten Mittwochabend sein Fazit zog, war seine Niedergeschlagenheit weder zu übersehen, noch zu überhören. Der RB-Trainer sprach von "unzähligen Chancen", von "Lehrgeld", und dass mehr möglich gewesen war. "Es gibt Tage, an denen man viel richtig macht, aber trotzdem mit leeren Händen dasteht." Das Aus in der Champions League wiegt für den 50-Jährigen offenbar recht schwer und verdrängte, dass sein Team nach dem Winter weiter international spielt. "Nach einer Niederlage ist man immer etwas enttäuscht", entschuldigte sich Hasenhüttl, "da fällt es schwer, stolz zu sein."

Ein angefressener Ilsanker

Der RB-Coach war nicht der Einzige, dem die letztlich unbedeutende Niederlage zu schaffen machte. Regelrecht angefressen zeigte sich Stefan Ilsanker, der nach seiner Gelb-Roten Karte vorzeitig hatte duschen gehen dürfen. Dass das Ergebnis von Leipzig angesichts des Porto-Sieges gegen Monaco unerheblich war, änderte an Ilsankers Stimmungslage nichts. "Nein, das tröstet überhaupt nicht. Wir hatten heute 43.000 Leipziger im Stadion, wollten unbedingt gewinnen, haben ein gutes Spiel gemacht, aber leider nicht die nötigen Tore gemacht." Die Frage nach dem Warum grantelte der Österreicher mit einem "Haben Sie das Spiel gesehen?" weg.

Mal abgesehen davon, dass Journalisten grundsätzlich gern nach der Sicht der Spieler auf das Geschehen fragen, lag der Grund für die Pleite wirklich auf der Hand: Es war mal wieder fehlende Effektivität. 22 Torschüsse weist die offizielle Spielstatistik aus, zehn hochkarätige Torchancen die Aufzeichnungen des Autors. Ein Treffer von Naby Keita als Ertrag ist auf diesem internationalen Niveau halt etwas wenig. Der mit zahlreichen Glanzparaden bestens aufgelegte Torhüter Peter Gulacsi wollte mit der RB-Offensive allerdings nicht brechen: "Der andere Torhüter hat auch gut gehalten. Da muss man manchmal auch den Torhütern ein Kompliment machen. Es liegt nicht immer an den Stürmern." Es habe vorn etwas das Glück gefehlt, sagte er und fügte hinzu: "Vielleicht auch etwas Cleverness."

Im Bild: Dominik Kaiser (24, Leipzig).
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Ein teilweise glücklicher Kaiser

Mit dieser letzten Anmerkung lag Gulacsi nahe bei Leipzigs Mittelfeldspieler Dominik Kaiser. "Die Chancen waren da, aber wir haben teilweise zu umständlich gespielt und es verpasst, frühzeitig abzuschließen." Hier sei mehr drin gewesen, ärgerte er sich. Für die "insgesamt ordentliche Leistung" könne man sich nichts kaufen. Kaiser hatte aber auch Grund zur Freude: Immerhin durfte der 29-Jährige zum ersten Mal in seiner Karriere in der Champions League ran. Trainer Hasenhüttl bezeichnete die Einwechslung später als Geste an einen "tadellosen Spieler": "Er beschwert sich nie, wenn er nicht spielt, und sorgt trotzdem immer mit dafür, dass wir erfolgreich sind. Das muss man auch mal belohnen."

Genau so sahen es die Fans. Sie quittierten Kaisers Einwechslung in der 74. Minute mit tosendem Applaus. "Ich freue mich über die große Unterstützung von den Rängen. Es war ein schönes Gefühl, ich bin sehr dankbar", freute er sich. Mit nun 164 Einsätzen ist Kaiser der Rekordspieler von RB Leipzig. Ob da noch viele Einsätze hinzukommen, ist fraglich. Der frühere RB-Kapitän hat in dieser Saison erst fünf Pflichtspiele bestritten, vier davon waren nur Kurzeinsätze. Sein Winken nach der Besiktas-Partie deuteten einige Zuschauer bereits als Abschied. Doch Kaiser dementierte: "Natürlich ist meine Situation nicht zufriedenstellend. Deshalb mache ich mir auch Gedanken, wie es in den nächsten Monaten weitergeht. Aber Stand jetzt spricht nichts dagegen, dass ich in der Rückrunde bei RB dabei bin. Ich hoffe da noch auf die eine oder andere Chance."

Neue attraktive Gegner

Zum Beispiel eben in der Europa League. Die nehme man sehr ernst, betonte Keeper Peter Gulacsi. "Da sind richtig gute Mannschaften dabei: Neapel, Dortmund, Arsenal, AC Mailand. Wir können da weiter viel internationale Erfahrung sammeln." Einen Wunschgegner wollte er nicht nennen. Auch Ralph Hasenhüttl hielt sich da zurück: "Wir nehmen, was kommt. Schön ist, dass wir das erste Spiel auswärts haben und das zweite zu Hause. In dem Wettbewerb gibt es sehr gute und attraktive Gegner. Auch da haben wir wieder die Möglichkeit, Historisches zu leisten." Das klingt für den einen oder anderen vielleicht großspurig, ist aber durchaus realistisch - wenn bei RB Leipzig wieder die Effektivität stimmt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 07. Dezember 2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 07:58 Uhr

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10 Kommentare

08.12.2017 17:13 Dynamo-Mehnert , das Original 10

Ich hoffe ,wir erleben das Spektakel Dose1 -Dose2 . Dann alle Mann nach Salzburg zum Angelhütemarsch .

08.12.2017 07:12 Altus 9

@Radebeuler: Danke für deine Aussagen zu @5 und @6... damit ist alles gesagt :-)

07.12.2017 18:08 Radebeuler 8

@5 , brauchst Du nicht, hat keiner verlangt, uns reicht das Pokalspiel.
@6 , stimmt, deswegen erspielen wir sie uns ja auch. Ich darf das als Mitglied aber auch sagen:-)
Ob das der gemeine Konsument auch so halten kann, ist mir schnuppe, genau so wie die 1.Liga.

07.12.2017 18:02 Chemieschwein 7

nun ist es wie in salzburg , nur gut das man nicht alles und jeden kaufen kann .. ein guter tag für den ehrlichen fußball ...

07.12.2017 16:56 keule 6

für Mitgliederzahlen gibts aber eben auch keine Punkte in Liga 2,

07.12.2017 16:44 Roter Bulle 5

Würde gerne in der Europa League zu Slavia Prag. Wäre nicht zu weit weg.
Dynamo-Fanarmy: wir knien nieder vor Euch, damit wir mit Euch auf Augenhöhe sind.

07.12.2017 16:02 Klatschpappe 4

Finde toll, dass RH Comper und Kaiser einwechselt. Die haben es sich verdient, da mitzumischen. Ansonsten Mund abputzen und weiter geht's. Wenn RB ins Achtelfinale gekommen wäre, hätten die Anderen uns nächstes Jahr wichtige Spieler weggekauft. Also auch nicht schlimm, wenn man international noch nicht so auffällt.

07.12.2017 15:41 Pfitch 3

Ohne den Hauch von Schadenfreude muß man klar sehen das die Mission CL gescheitert ist! Gestern war Besiktas ohne 3 immer noch besser als RB. Und mal ganz ehrlich 2 der 3 Tore gestern waren eine Augenweide nämlich Keitas 1-1 und das 2-1 für Besiktas! Woran liegt es? Meiner Meinung nach an dem Zustand der deutschen Bundesligen, schwach und unausgeglichen aber auch am Abstand von Anspruch und Realität! Ich bin nun wirklich kein RB Freund, das wird auch so bleiben wenn jedoch eine nach unserem Sprachgebrauch OPA Truppe wie Besiktas (30+) weder langsamer und technisch weit überlegen ist sollte man sein Konzept auf den Prüfstand stellen. Jung und schnell reicht enben nicht! Und das Auslassen solcher Torchancen durch RB führt zwangsläufig zum Totalverlust! Sollte RB mal in eine kleine Krise kommen ist es einfach vorbei! Gruß aus Dresden

07.12.2017 15:16 GeorgJ 2

Ja, ja, mancher denkt er kann singen. Erinnere mich noch an das Interview mit Herrn Hasen..... nach der Auslosung. Da war ja RB auch ohne Spiel schon eine Runde weiter. Hochmut und Arroganz sind ganz schlechte Ratgeber!

07.12.2017 11:23 Dynamo-Fanarmy 1

Der 2 neue Feiertag für Deutschland . Prima Istanbul und das mit einer B - Elf ! Es grüßt der mitgliederstärkste Verein des Ostens

Bildergalerie

Fanchoreographie der RBL-Fans - Tausend und eine Fahne nur für Dich.
In Anspielung an 1001 Nacht präsentieren die Anhänger von RB Leipzig eine Choreographie mit dem Titel "1001 Fahne nur für dich". Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Fanchoreographie der RBL-Fans - Tausend und eine Fahne nur für Dich.
In Anspielung an 1001 Nacht präsentieren die Anhänger von RB Leipzig eine Choreographie mit dem Titel "1001 Fahne nur für dich". Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Schiedrsrichter Viktor Kassai aus Ungarn entscheidet auf Foulelfmeter für Istanbul.
Nach einem Foul von Willi Orban entscheidet Schiedrsrichter Viktor Kassai aus Ungarn auf Foulelfmeter für Istanbul. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Alkvaro Negredo bringt Istanbul per Foulelfmeter 1:0 in Führung. RBL-Torhüter Peter Gulacsi springt in die falsche Ecke.
Alkvaro Negredo bringt Istanbul per Foulelfmeter 1:0 in Führung. RBL-Torhüter Peter Gulacsi springt in die falsche Ecke. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Jubel bei den Spielern von Istanbul nach dem 1:0 per Foulelfmeter von Alvaro Negredo.
Jubel bei den Spielern von Istanbul nach dem Führungstreffer. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Timo Werner trifft gegen Torwart Tolga Zengin zum vermeintlichen 1:1 Ausgleich, doch der RB-Stürmer stand im Abseits.
Die 21. Minute: Timo Werner trifft gegen Torwart Tolga Zengin zum vermeintlichen 1:1 Ausgleich, doch der RB-Stürmer stand im Abseits. Bildrechte: Picture Point
Torwart Tolga Zengin, Jean-Kevin Augustin und Timo Werner
Besiktas-Torwart Tolga Zengin zeigte sich im Rückspiel in absoluter Topform. Bildrechte: Picture Point
Im Bild: Abseitstor. Jean-Kevin Augustin (l., 29, Leipzig) trifft zum vermeintlichen 1:1 Ausgleich. V.l.: Jean-Kevin Augustin (29, Leipzig), Caner Erkin (88, Besiktas) und Torwart Tolga Zengin (29, Besiktas).
Die 64. Minute: Leipzigs Jean-Kevin Augustin versenkt die Kugel im Netz. Der Treffer wurde aber erneut wegen einer Abseitsposition nicht gegeben. Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche
Im Bild: Dominik Kaiser (24, Leipzig).
RB-Rekordspieler Dominik Kaiser war in der 74. Minute eingewechselt worden. "Der Applaus bei meiner Einwechselung war Gänsehaut. Dennoch ärgert mich natürlich das Ergebnis, weil mehr drin war", sagte Kaiser. Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche
Naby Keita (RBL) holt den Ball nach seinem Tor zum 1:1 aus dem Tornetz.
Die 87. Minute: Naby Keita holt den Ball nach seinem Treffer zum 1:1 aus dem Tornetz. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Im Bild: Tor für Istanbul. Talisca (94, Besiktas) trifft zum 1:2.
Die Entscheidung: Besiktas geht kurz vor dem regulären Ende erneut in Führung. Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche
Tor für Besiktas. Im Bild: Torwart Peter Gulacsi (32, Leipzig) kassiert den Treffer von Talisca (nicht im Bild, Besiktas) zum 1:2.
Torwart Peter Gulacsi kommt trotz Flugeinlage nicht mehr an die Kugel. Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche
Im Bild: Torschütze Talisca (94, Besiktas) nach seinem Siegtreffer zum 1:2.
Istanbuls Torschütze Talisca feiert seinen Siegtreffer zum 2:1. Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche
Im Bild: Während des Leipziger Mannschaftskreises nach Abpfiff bandagiert Physiotherapeut Alexander Sekora (RB Leipzig) den Oberschenkel von Naby Keita (8, Leipzig).
Während des Leipziger Mannschaftskreises nach Abpfiff bandagiert Physiotherapeut Alexander Sekora den Oberschenkel von Naby Keita. Im nächsten Jahr geht es für RB nun in der Europa League weiter. Bildrechte: PICTURE POINT / Roger Petzsche
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Im Bild: Tor für Istanbul. Talisca (94, Besiktas) trifft zum 1:2.
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