Erfurt - Hoffenheim - Torjubel Nadiem Amiri (Hoffenheim) nach dem Tor zum 0:1
Nadiem Amiri dreht nach dem Tor des Tages zum Jubeln ab. Bildrechte: Karina Hessland-Wissel

Fußball | DFB-Pokal Erfurt schrammt an Sensation vorbei

1. Runde

Rot-Weiß Erfurt hat am Sonnabend in der ersten Runde im DFB-Pokal viele Sympathiepunkte gesammelt. Der Drittligist kämpfte gegen den Champions-League-Aspiranten TSG Hoffenheim leidenschaftlich und träumte bis zum Schluss von der Sensation.

Erfurt - Hoffenheim - Torjubel Nadiem Amiri (Hoffenheim) nach dem Tor zum 0:1
Nadiem Amiri dreht nach dem Tor des Tages zum Jubeln ab. Bildrechte: Karina Hessland-Wissel

Mit einer 0:1-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim hat sich der Drittligist Rot-Weiß Erfurt in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal verabschiedet. Die Thüringer boten eine starke Leistung und ließen den Favoriten vor 8.144 Zuschauern mächtig zittern.

Für die Hoffenheimer Profis war der Pokal auch das Casting für den Liverpool-Knaller am Dienstag. Die TSG spielt gegen den englischen Top-Klub um einen Champions-League-Startplatz. Für Erfurt wird dann wieder der Drittliga-Alltag einkehren. Zuvor aber galt der Fokus einzig dem Duell gegen den Bundesligisten. RWE-Trainer Stefan Krämer stellte im Vergleich zum letzten Ligaspiel auf zwei Positionen um. Der junge Elias Paul Huth (kam aus Hannover) rückte für Christopher Bieber in den Sturm, Christoph Menz kam für den angeschlagenen Daniel Brückner. "Wir sind im Liga-Betrieb, der Gegner noch nicht. Das könnte ein Vorteil sein", hatte Trainer Krämer vor dem Spiel gemutmaßt.

Starke erste Hälfte von RWE

Philipp Klewin (FC Rot-Weiss Erfurt)
Philipp Klewin hielt, was zu halten war. Bildrechte: IMAGO

Sein Team begann couragiert und hatte durch Alexander Ludwig die erste gefährliche Aktion. Von Scheu oder Respekt war jedenfalls nichts zu sehen. Die Thüringer nahmen die Zweikämpfe an und ließen Hoffenheim erst gar nicht zur Entfaltung kommen. Der Bundesligist konnte spielerisch in der ersten Halbzeit kaum glänzen und probierte es aus der Distanz. Dabei scheiterte Nadiem Amiri am gut reagierenden Philipp Klewin (15.). Auf der Gegenseite lag nach einem Konter ein Hauch von Torgefahr in der Luft, doch Merveille Biankadi spielte zu schlampig auf den mitgelaufenen Carsten Kammlott (31.).

Die Kraichgauer waren in der Folge optisch leicht überlegen, kamen aber nur selten gefährlich vor das Tor, weil die Angriffe einfach zu pomadig vorgetragen wurden. Die Erfurter hatten so alle Zeit der Welt, um die defensive Ordnung wieder herzustellen. Nur einmal wurde die RWE-Abwehr überrumpelt und prompt traf Sandro Wagner (41.). 1:0? Denkste! Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) entschied auf Abseits und lag damit goldrichtig. Erfurt rettete die Null in die Pause und das nicht mal unverdient. TSG-Coach Julian Nagelsmann war auf dem Weg in die Katakomben stinksauer und schimpfte wie ein Rohrspatz.

Amiri knackt RWE-Nuss

Die Ansprache dürfte saftig gewesen sein. Schon vor dem Spiel hatte er angekündigt, im Blick auf die Champions-League-Qualifikation genau hinzuschauen. Für einen Platz in der Startelf hatten sich in der ersten Halbzeit nicht viele Kicker angeboten. Das änderte sich nach dem Wechsel. Hoffenheim suchte die Lücke und Nadiem Amiri fand sie schließlich. In der 54. Minute stand der Flügelspieler nach einer Kurzpass-Staffette frei vor Klewin und schob zum nicht unverdienten 1:0 ein. Erfurt war um eine schnelle Antwort bemüht, kämpfte tapfer, kam aber zunächst nicht in Tornähe. Ludwig - der einst bei Hertha BSC kickte und aus den Niederungen der Landesliga (Stahl Riesa) nach Erfurt gewechselt war, zog aus 30 Metern ab, verfehlte den Kasten aber deutlich.

Hoffenheim - Erfurt -  v.l. Jeremy Toljan (TSG 1899 Hoffenheim), Samir Benamar (FC Rot-Weiss Erfurt) Erfurt
Samir Benamar (r.) jagt hinter Jeremy Toljan her. An Leidenschaft fehlte es RWE nicht. Bildrechte: IMAGO

Für Hoffenheim hätte Andrej Kramaric alles klar machen müssen. In der 74. Minute lief er nach einem Konter allein von der Mittellinie auf das Tor von Klewin, Samir Benamar jagte hinterher, störte kurz vorm Abschluss entscheidend und hielt seine Erfurter damit am Leben. In den letzten zehn Minuten brachte Krämer mit Bieber einen weiteren Stürmer und opferte dafür Innenverteidiger Florian Neuhold. Die Hoffnung loderte bei RWE, auch weil bei der TSG selbst nach der Führung vieles Stückwerk blieb. Dazu fehlte die Vollstrecken-Qualität. Allein in den letztzten zehn Minuten ließ Hoffenheim drei Riesen liegen. So traf Serge Gnabry das leere Tor nicht. Dies hätte sich um ein Haar gerächt, denn Erfurt setzte zur Schlussoffensive an. In der 89. Minute setzte sich Biankadi stark auf der linken Seite durch, scheiterte aber am 19-jährigen Schlussmann Gregor Kobel. Es war die größte Ausgleichschance für stark aufspielende Erfurter, die die Sensation knapp verpassten.

sst/ts

Das sagten die Trainer:

Stefan Krämer (Erfurt): "Großes Kompliment an meine Mannschaft. Wir haben mit viel Herz verteidigt. Die Laufarbeit und Disziplin haben gestimmt. Wir wollten das Spiel zur Ruhe und zum Stehen bringen. Das war unser Plan. In den letzten Minuten sind wir volles Risiko gegangen."

Julian Nagelsmann (Hoffenheim): "Es war der klassische Verlauf eines Pokalspiels. Für meine Mannschaft kam dieses Spiel nicht gerade zu einem optimalen Zeitpunkt vor so einem wichtigen internationalen Spiel. Die erste Halbzeit haben wir zu schlampig gespielt. In der zweiten Halbzeit hatten wir nach Wiederanpfiff unsere stärkste Phase, in der wir auch das Tor erzielen. Großes Lob an Erfurt. Nach dem Rückstand hat Erfurt intelligent gespielt und nicht gleich alles aufgemacht. Erfurt war unangenehm. Wir waren trotzdem der verdiente Sieger."

Über dieses Thema berichtet "MDR THÜRINGEN JOURNAL". MDR Fernsehen | 13.08.2017 | ab 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 21:17 Uhr

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21 Kommentare

15.08.2017 09:12 insider 21

Es ist schon erstaunlich wie sehr sich die Jenaer doch für den grossen FC Rot Weiss Erfurt interessieren. Das Stadion war zu über 90% ausverkauft. Kann mich auch nicht entsinnen das man im Ernst Abbe Sportfeld mal ein Pokalspiel gegen die TSG Hoffenheim ausgetragen hat. Und da macht es einfach schon nen riesen Unterschied, ob ich gegen Bayern München, den HSV , VFB Stuttgart oder halt eben die TSG spiele. Die Zuschauerzahlen in der Liga sind sehr ähnlich bei beiden und da ist man auch im Ernst Abbe Sportfeld nach 5 Jahren Abstinenz weit von einer Zusatztribüne entfernt. Hoffe das beide die Klasse halten. Das wäre für beide Vereine eine starke Leistung. Mit der Leistung vom DFB Pokal bin ich guter Hoffnung beim FC Rot Weiss Erfurt. Hat Sie doch gezeigt das die Mannschaft in Takt ist.

14.08.2017 21:33 Vogeck 20

RWE hatte leider kein Losglück. Mit Hoffenheim kam eine sehr spielstarke Mannschaft nach Erfurt. Wenn man die Montagsspiele gesehen hat, kann man die Leistung von RWE besser beurteilen. Kampf und Spiel auf engstem Raum. Hut ab vor dieser Leistung. Auf die Liga projiziert haben wir noch viel Freude.
Trotzdem bleibt das Sturmproblem. Hier hätte ich mir gewünscht,dass Krämer Laudenbach anstelle von Bieber gebracht hätte. Mehr Mut Herr Krämer.

14.08.2017 18:07 Nur der FCC 19

@ Nr.18: ja, leider war es doch ZU schwer für Dich, deshalb lädst Du jetzt selbst Müll ab.
Ich frage mich, was daran UNTERBELICHTET sein soll, wenn man sich fragt, warum zum ersten DFB-Pokalspiel nach 8 Jahren Pause - und dann noch gegen einen Erstligisten und Championsleague-Qualifikanten - nur 8000 Zuschauer kommen.
Wir haben in Jena in den letzten 2 Jahren viermal Zusatztribünen gebraucht und Fußballfeste gefeiert. Und Ihr ?! Natürlich tut es euch weh, es sich eingestehen zu müssen, aber die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: ihr seid nicht so groß, wie ihr immer eure Klappe aufreißt. Ihr seid 'ne kleine graue Maus.

14.08.2017 15:25 G. 18

Natürlich sind nicht alle so unterbelichtet wie die Jenaer die hier ihren Müll abladen müssen, aber es fällt schon schwer neutral und fair zu bleiben.

14.08.2017 12:09 FCC 1903 17

@ 14, 15, 16
Ihr Vieselbacher Witzbolde, jetzt liegt es am Gegner, dass Eure Hütte nicht voll wird, lachhaft. Es ist schon ein Armutszeugnis, dass gegen einen Bundesligisten und Championsleague-Qualifikant weiniger Zuschauer kommen als gegen Nordhausen. Aber gegen die spielt ihr ja bald öfter. Vorher machen wir zum Derby eure Hütte nochmal voll!

14.08.2017 10:35 insider 16

Genau das Vorkaufsrecht für das Spiel gegen den FCC war ja das Problem. Wer will schon den FCC sehen. Der Schuss ging voll nach hinten los. Da hätte selbst das Vorkaufrecht gegen Werder Bremen II. mehr gezogen. Feix.

14.08.2017 09:21 Echter Thüringer 15

@14, ich muß Ihnen 100% Recht geben. Wenn z.B. Bayern München bei RWE gespielt hätte, wäre das Steigerwaldstadion voll. Und wenn dieDe TSG ähnliich viel Zuschauer wie Rostock gebracht hätte, wäre es locker eine fünfstellige Zahl geworden. So raren im Gästeblock höchtenst 500 Zuschauer.

13.08.2017 22:26 Erfurter 14

@10
naja LOGO sind wir die Nr 1! Wer sonst, Wacker Nordhausen etwa?
Hoffenheim ist kein attraktiver Gegner, bringt kaum eigene Fans mit und das Image ist ähnlich schlecht wie beim Provinzverein Nähe Hermsdorfer Kreuz!

13.08.2017 18:27 Observer 13

Erschreckend wenig Zuschauer!

13.08.2017 18:22 Pombär 12

@9: Als Eingefleischter Dynamo extra für Dich: starke Leistung von RWE!!!!! Warum immer gleich Bluthochdruck, wenn irgendjemand Schwachsinn von sich gibt!?