Fußball | Gewalt & Sicherheit : "Das war eine Geisterdebatte"
Die DFB-Sicherheitskonferenz in Berlin hat ein großes Maßnahmen-Paket beschlossen, zu dem mehr Geld für Prävention, längere Stadionverbote und ein absolutes Pyro-Verbot gehören. Jens Janeck vom Magdeburger Fanprojekt ist damit alles andere als zufrieden.
Herr Janeck, die Stehplätze bleiben in den Stadien erhalten, der DFB gibt für Fanprojekte mehr Geld - klingt das für Sie nicht gut?
Nein, im Gegenteil: Diese Konferenz war ein Schlag ins Wasser!
Weil die Pyrotechnik weiter verboten bleibt?
Zuerst einmal war das in Berlin eine Geisterdebatte. Es wurde mal wieder über die Fußballfans gesprochen, aber nicht mit ihnen. Die Anhänger selbst waren nämlich ausgeschlossen. Auch die Fanprojekte und -Initiativen waren nicht eingeladen. Von der stets behaupteten Dialogbereitschaft kann also keine Rede sein. Auch die strikte Ablehnung der Pyrotechnik ist kontraproduktiv. Einige haben noch immer nicht begriffen, dass sie keine Gewalt, sondern ein Grundstilmittel der Ultras ist.
Nichtsdestotrotz ist sie gefährlich.
Deswegen ist die Mehrheit der Ultras auch für ein kontrolliertes Abbrennen. Bis vor ein paar Jahren wurden Bengalos durchweg toleriert. Dann war immer von 'südländischer Atmosphäre' die Rede.
Pyros sorgen immer wieder für Stadionverbote, die nun auch noch länger ausfallen können. Wie stehen Sie dazu?
Auch das ist aus unserer Sicht eine Katastrophe. Man kann doch einen jungen Menschen nicht für zehn Jahre, also fast für immer, aus den Stadien verbannen! Dazu kommt, dass laut Polizeistatistik ohnehin 85 Prozent aller relevanten Vorfälle außerhalb des Stadions stattfinden.
Jeder weiß: Wenn ich Unfug mache, bekomme ich möglicherweise Stadionverbot.
Ja, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Ein Stadionverbot kann man schon mal wegen einer Beleidigung bekommen. Vielleicht auch einer angeblichen Beleidigung. Da ist immer noch zu viel Willkür im Spiel, denn im Fußball gibt es nicht die Unschuldsvermutung. Bei der Konferenz wurde über die Höhe der Strafe gesprochen, aber nicht über Anhörungen oder Bewährungen.
Sind Sie wenigstens damit zufrieden, dass die Gelder für Fanprojekte aufgestockt werden?
Leider nicht wirklich. Es ist richtig, dass der DFB statt bislang drei Millionen nun 4,5 Millionen Euro zahlen will. Nach jetzigem Stand wird es ein Nullsummenspiel. Die Fanprojekte wurden zu je einem Drittel von DFB, Land und Kommune finanziert. Der Verband selbst spricht ja von einer Entlastung der öffentlichen Hand und dass Stadt und Land jetzt nur noch für ein Viertel der Kosten aufkommen müssen. Wirklich mehr Geld bekommen die Fanprojekte also nur, wenn Land und Kommune ihrer politischen Verantwortung weiter gerecht werden und ihre Finanzierung nicht kürzen.
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