Enttäuscht auf dem Spielfeld sitzend - Sebastian Wirtz.
Bildrechte: IMAGO

Fußball | FSA-Pokal Halberstadt nach Elfer-Drama raus

Viertelfinale

Oberligist Union Sandersdorf hat die Pokalsensation geschafft und steht nach einem 7:6 (1:1, 2:2)-Sieg nach Elfmeterschießen gegen Germania Halberstadt im Halbfinale des FSA-Pokals. In einem Spiel, das arm an spielerischen Höhepunkten war und einzig von der Spannung lebte, wurde ein Sandersdorfer Feldspieler zwischen den Pfosten zum Held des Abends.

Enttäuscht auf dem Spielfeld sitzend - Sebastian Wirtz.
Bildrechte: IMAGO

Wie ernst die Halberstädter diese Partie nahmen, erkannte man bereits an der Aufstellung. Da gab es keine Experimente mit einer B-Elf: Nur zwei Veränderungen gab es im Vergleich zum Punktspiel am letzten Wochenende bei Wacker Nordhausen (0:2). Fabian Guderitz ersetzte den im Pokal rotgesperrten Stammtorwart Samuel Aubele. Und der wiedergenesene Telmo Teixeira rückte für Hassan Salhab in die Startformation.

Beide Mannschaften benötigten etwas über eine Viertelstunde, um erstmals wirklich gefährlich zu werden. Halberstadts Rufat Dadashov bekam in der 18. Minute schließlich den Ball mit dem Rücken zum Tor. Sein Drehschuss mit seinem schwächeren linken Fuß ging jedoch ein Stück neben das Gehäuse.

Die Gäste probierten es bei ihren Angriffen zumeist über die Mitte, liefen sich aber ein ums andere Mal in der kompakten Defensivreihe fest. Die Unioner versuchten es bei eigenem Ballgewinn dann meist schnell über die Außen, richtig gefährlich wurden sie damit aber auch nicht.

Nach 28 Minuten gelang Teixeira dann die Führung für den VfB. Ein langer Einwurf wurde am kurzen Pfosten verlängert. Der 28-Jährige konnte ihn im Strafraum annehmen und suchte die Lücke im Defensivverbund, durch die er den Ball ins Netz schob. Halberstadt machte weiter Druck und hätte kurz darauf durch Manuel Hoffmann nach einer Eckenvariante auf 2:0 erhöht.

Wer nun glaubte, Halberstadt würde das jetzt locker nach Hause spiele, sah sich getäuscht. Bei einem Freistoß der Gastgeber aus der eigenen Hälfte verfiel das ganze Waldow-Team in einen Tiefschlaf. Dan Lochmann konnte den Ball nicht nur im Strafraum kontrollieren, er passte ihn auch noch perfekt und unbedrängt auf Felix Krause, der aus Nahdistanz einschob (35.). Mit dem Pausenpfiff rettete Union-Keeper Tom Hermann mit einem tollen Reflex gegen Michael Denz.

Zwei Elfmeter in der Schlussphase

Rufat Dadashov (VfB Germania Halberstadt)
Rufat Dadashov verpasste mehrere Chancen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO

Nach dem Wechsel präsentierte sich der Viertligist zu Beginn der zweiten Hälfte erneut präsenter und verbuchte durch Tobias Friebertshäuser die nächste Chance. Nach einem Freistoß von Teixeira setzte er den Ball aber mit dem Kopf neben das Tor. In der Folge sank das Niveau der Partie immer weiter. Zielstrebige Abschlüsse gab es kaum noch. Halberstadt wirkte zwar engagierter, konnte daraus aber keinen Profit schlagen.

Erst mit der Einwechslung von Salhab (66.) wurde das Offensivspiel der Germanen wieder ein Stück belebt. Dieser vergab nach einem schön von Torwart Guderitz eingeleiteten Konter aus drei Metern die Riesenchance auf die erneute Führung (71.). Fünf Minuten vor dem Ende wurde ein Schuss von Salhab an der Strafraumkante noch zur Ecke abgefälscht.

Aber dieses Spiel sollte in der Schlussphase doch noch jede Menge zu bieten haben. In der 88. Minute wurde Arbnor Dervishaj vom Torschützen Kruse im Strafraum zu Fall gebracht. Die Folge war ein schmeichelhafter Elfmeter für den Favoriten. Dadashov verwandelte sicher ins linke Eck. Und auch auf der anderen Seite sollte es noch einmal klingeln. Nach einem langen Ball ging ein Sandersdorfer Spieler zu Boden, wieder zeigte der junge Schiedsrichter Sirko Müke (26) auf den Punkt – vermutlich eine Konzessionsentscheidung. Dem ehemaligen VfB-Akteur Timo Breitkopf war es egal. Er traf zum 2:2 und schickte sein aktuelles Team und seinen Ex-Arbeitgeber so in die Verlängerung.

Lochmann muss in den Kasten und wird zum Helden

Die Extrazeit hatte auch nicht viel Fußball-Feinkost zu bieten. Halberstadt zeigte weiterhin kaum Körpersprache, der klassentiefere Gegner agierte meist destruktiv auf die Angriffsbemühungen. Viele Nickligkeiten und Spielunterbrechungen sorgten für wenig Spielfluss. Einzig Friebertshäuser strahlte mit einem Kopfball Gefahr aus (104.).

Kurios wurde es dann nach 112 Minuten. Dadashov köpfte den Ball über die Union-Abwehr hinweg ins Tor. Der Treffer wurde jedoch nicht anerkannt. Weitere vier Minuten später holte Union-Schlussmann Hermann VfB-Spieler Dadashov von den Beinen und sah dafür glatt Rot. Da der Oberligist schon dreimal gewechselt hatte, musste Feldspieler Lochmann ins Tor. Dort brachte er seine Mannschaft mit ein paar guten Aktionen ins Elfmeterschießen.

Und dort sollte Lochmann endgültig zum Helden werden. Neun von zehn Strafstößen fanden ihren Weg ins Tor, einzig Ristovski scheiterte eben an Lochmann. Sandersdorf zog somit völlig überraschend, aber vollkommen glücklich in die Vorschlussrunde des Landespokals ein.

Das sagten die Trainer:

Thomas Waldow (Halberstadt): "Wir wollten den spielerischen Schwung aus den letzten Wochen auch für den Pokal kompensieren. Allerdings hat man bereits in der ersten Halbzeit gesehen, dass das heute nicht umgesetzt werden kann. Meine Mannschaft tat sich sehr schwer und dann bekommt so ein Spiel mit fortlaufender Zeit eine Eigendynamik, wo ein Feldspieler im Tor zum Helden wird. Für uns ist ein Saisonziel damit geplatzt, denn wir hatten das Erreichen des Pokal-Halbfinals vorgegeben. Ab sofort werden wir ausschließlich versuchen, den Klassenerhalt zu realisieren. Union hat seinem Namen heute alle Ehre gemacht. Sie standen von der ersten bis zur letzten Minuten als Einheit auf dem Platz."

Mike Sadlo (Sandersdorf): "Wir haben von Beginn an die Vorgaben umgesetzt. Jeder hat für jeden gekämpft. Am Ende haben wir den höherklassigen Gegner niedergekämpft. Als Hermann vom Platz flog und Lochmann den ersten Ball gehalten hatte, wusste ich, dass der Fußballgott heute auf unserer Seite ist. Ich bin sehr stolz und glücklich über das Auftreten meiner Mannschaft."

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2016, 10:31 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

25.03.2016 10:14 SGDHarzer66 2

Zu 1, sehe ich auch so. Vermutlich ein Stück Überheblichkeit dabei. Viel schlimmer ist die gefühlte Wettbewerbsverzerrung in der Landesliga Nord, wo HBS II ständig mit vielen Spielern aus dem Lizenzbereich antritt. Unsportlich!!!!!

24.03.2016 22:51 Dete 1

Wer nicht in der Lage ist beim Elfmeterschießen eine Mannschaft zu bezwingen die einen Feldspieler im Tor hat ist verdient ausgeschieden!

Links in MDR.DE