Nils Petersen erzielt das Tor zum 0:1.
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Fußball | DFB-Pokal Geschrumpfte Pokaleinnahmen: Frust in Halberstadt

1. Runde

Wer sich für den DFB-Pokal qualifiziert, freut sich auch über viel Geld vom Deutschen Fußball-Bund. Doch jetzt sollen die Amateurklubs ein großes Stück vom Kuchen abgeben. Die Profivereine der 1. und 2. Liga aber nicht. Das sorgt für viel Ärger bei den Kleinen. Germania Halberstadt will gegen den Beschluss vorgehen.

Nils Petersen erzielt das Tor zum 0:1.
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Mit der Qualifikation für den DFB-Pokal hatte Germania Halberstadt das große Los gezogen. 159.000 Euro schüttet der Deutsche Fußball-Bund pro Team für die Teilnahme an der ersten Runde aus. Der Vorstand der Germania rieb sich die Hände, verplante das Geld schon im Kopf und war umso verblüffter, als im Juni ein Schreiben vom DFB in die Geschäftsstelle trudelte.

"Wir wollen das nicht akzeptieren"

Dort stand geschrieben, dass 45.000 der 159.000 Euro nicht an Halberstadt fließen, sondern an den Landesverband Sachsen-Anhalt abgegeben werden müssen. Von dieser Summe hatte in Halberstadt keiner zuvor etwas gehört. "Wir hatten mal eine Sitzung mit dem Verband, wo es um den Solidaritätsbeitrag ging und dabei wurde festgehalten, dass dieser maximal 10.000 Euro beträgt", sagte Germania-Präsident Olaf Herbst im MDR unmittelbar nach dem Fußballfest gegen den SC Freiburg (1:2).

Nun sind es also 45.000 Euro. "Ein erheblicher Betrag. Wir wollen das nicht akzeptieren", so Herbst, der das Geld gern in neue Spieler investiert hätte. Wie es jetzt weitergeht, werde geprüft: "Wir werden mit dem DFB reden." Den Solidaritätsbeitrag müssen alle Amateurklubs und die Drittligisten, die sich über den Landespokal qualifiziert haben, leisten. Heißt also auch: Der Chemnitzer FC hat vom DFB statt der 159.000 "nur" 115.000 Euro erhalten. Befreit von der Zahlung sind aber die Teams der 1. und 2. Bundesliga sowie die vier Erstplatzierten der 3. Liga.

Olaf Herbst im Interview
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Wo ist die Gleichberechtigung? Solidarität heißt alle machen mit, nicht nur diejenigen, die schon wenig haben.

Olaf Herbst, Präsident von Germania Halberstadt

Geld wird an die Kleinen weitergereicht

Eine einheitliche Regel für alle Teilnehmer des DFB-Pokals hätte auch Frank Pohl, Geschäftsführer des Sächsischen Fußballverbandes, gern, "aber das liegt leider nicht in unserem Ermessenspielraum", sagte er auf MDR-Anfrage. Er sei aber froh, "dass der SFV durch den Solidaritätsbeitrag die Möglichkeit habe, kleineren Vereinen im Landespokal Geld zu zahlen. Da steigt der Reiz". Im Sachsenpokal bekommen die Mannschaften ab dem Viertelfinale einen finanziellen Obolus von SFV.

Kleiner Trost übrigens: Sollte ein Amateurklub in die 2. Runde einziehen, gelten die gleichen Rechte wie für jeden anderen Profiklub. Dann gibt's vom DFB 318.500 Euro. Im Achtelfinale fließen 637.000 pro Klub, Viertelfinalisten werden mit 1,273 Millionen Euro honoriert, die Halbfinalisten erhalten jeweils 2,55 Millionen Euro.

sst

Olaf Herbst, Präsident Germania Halberstadt
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Über dieses Thema berichtet "MDR AKTUELL" MDR Fernsehen | 14.08.2017 | ab 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2017, 21:24 Uhr

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29 Kommentare

16.08.2017 09:08 Fan Achim 29

Hallo Dirk@24 Du hast das Problem sehr gut erkannt und dargelegt gebe Dir in allen Punkten recht.

16.08.2017 08:00 Leonard 28

Wenn die Bundesligisten auch 45000 Euro abgeben, ist keiner insolvent. Es ist wie in der Politik. Die kleinen Zahlen immer alles.

15.08.2017 23:51 DD 27

Die Vereine aus Liga 1+2 nicht...diese gehören zufällig zur DFL.

Das die DFL Teams erst ab der zweiten Runde einsteigen wollen um schön ihre Werbetouren in Asien/Amerika zu machen, sollte man hier vielleicht auch mal bedenken....

Klingt eher nach Zugeständnis DFB an DFL, damit diese die Füße still halten.
Also nicht immer ist nur der DFB schuld.

15.08.2017 21:13 M.S. 26

Âuch die grossen Vereine in der ersten und zweiten Liga sind Mitglieder der Landesverbände. Wieso müssen die also keinen Solidaritätsbeitrag zahlen? Die sind doch keine direkten DFB-Mitglieder! Profitieren die Erstligisten nicht genug von den Fernsehmillionen, dass sie die 45000 in die Insolvenz treibt?

15.08.2017 20:18 spooky1983 25

@ 24. Ich habe kein SKY Abo und ich unterstütze meinen Heimverein wo es für mich möglich ist. ICH GEBE DIR VON GANZEM HERZEN RECHT. Das Problem wird einfach sein, dass keiner der kleineren Vereine davon profitiert. Schade ist es allemal, Hauptsache Wir bleiben die alten....

15.08.2017 17:00 Dirk 24

Ihr habt alle recht mit Eurer Empörung, aber nur meckern bringt gar nichts.
Dann meldet Eure Sky-Abo's ab gebt das Geld dafür aus, das Ihr Eure kleinen Vereine unterstützt, boykottiert die Dauerwerbesendungen mit Fußballunterbtrechung und geht zu Euren lokalen Vereinen ins Stadion.
Hier geht es um viel Geld und die Mafia aus DFB und DFL könnt Ihr nur treffen wenn Ihr die Geldzahlungen verweigert.

15.08.2017 16:47 oppie 23

Was ist eigentlich ,aus dem korrupten Niersbach geworden ? Was macht der korrupte Beckenbauer ? Hat man 2006 schon vergessen . Sind es wirklich nur Blatter in jetzt Infantino? Das Wort Fussbalmafia ist doch wohl berechtigt ! Wo sind denn die Journalisten ,die sich so auf das Doping der Russen gestürtzt haben . Man hört nix ,als wenn es Niersbach und Beckenbauer nie gegeben hätte !

15.08.2017 14:34 Chemieschwein 22

da wundert sich dieser dfb und diese korruppte dfl das die fans auf die barikaden gehen .. solidaritätszuschlag genommen von den kleinen vereinen die jeden cent 3mal umdrehen ,damit die clubs die millionen ausgeben weiter die spieler von diesen vereinen kinder jinioren und jungendliche plündern können .. 50000 € für die erst und 2 ligaclubs die schon millionen fernsehgelder und werbeeinnahmen scheffeln...mal sehen wenn der shitstorm richtig losgeht ...verdient haben es diese mafiosis aus frankfurt ..

15.08.2017 11:03 erfurter76 21

Ich denke ... man ist sauer weil vom DFB mit dem gestiegenen Preisgeld ja Werbung gemacht wurde und dann die Finanzplanung ( ja auch regio muss planen) der Vereine fatal schief liegt. Lizenzunterlagen können ja somit auch nicht stimmen ...
Fair wäre eine gleichhoher Abzug bei allen Teilnehmern. Das Problem ist nur .. warum sollen die Profivereine die nicht an den Landespokalen teilnehmen diesen unterstützen?
Man hätte vielleicht die Antrittssumme bei 140k für alle lassen sollen und die Mehreinnahmen aus Vermarktung direkt den Untergeordneten Pokalen zuteilen können. Nein der DFB musste ja mit gestiegenen Einnahmen/Preisgeldern prahlen und Werben.

15.08.2017 09:52 Mark 20

Das ist noch längst nicht alles. Ich empfehle jedem, sich mal die Bedingungen für die 3.Liga anzuschauen. Diese Bedingungen des DFB sind für kleinere Vereine quasi unerfüllbar ohne eine Insolvenz zu riskieren. Das hat dann rein gar nichts mehr mit sportlichem Erfolg zu tun. Warum soll sich ein kleinerer Verein verschulden, um das Stadion zu vergrößern, welches er dann sowieso nicht vollbekommt?! (nur ein Beispiel) So hält man natürlich kleinere Vereine auch an der "kurzen Leine". Der Spruch "Fußballmafia DFB" ist also gar nicht so weit hergeholt...