RB Leipzig U23
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Fußball | Regionalliga RBL-U23-Trainer Klauß: "Spieler mehr und zeitiger fordern"

Am Sonnabend löst sich die U23 von RasenBallsport Leipzig auf. Vor der Partie haben wir mit Coach Klauß die Zukunft seiner Spieler, Champions-League-Reife, das Leipziger Nachwuchskonzept und eine Mallorca-Reise gesprochen.

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Frage: Am Sonnabend läuft Ihre Mannschaft im Regionalliga-Heimspiel gegen den Berliner AK das letzte Mal in einem Pflichtspiel auf. Danach gibt es die U23 von RB Leipzig nicht mehr. Wie ist denn die Stimmung im Team, so kurz vor der Auflösung?

Robert Klauß: "Richtig gut. Die Jungs haben eine richtig gute Saison gespielt, das wissen sie auch. Jetzt freuen sie sich auf neue Aufgaben."

Wer aus Ihrem Team weiß denn schon, wie es in der kommenden Saison weitergeht?

Robert Klauß: "Drei Spieler (Anthony Barylla, Fridolin Wagner, Alexander Siebeck/d. Red.) haben ja schon bei anderen Vereinen unterschrieben. Bei ein paar weiteren wird es in den nächsten zehn Tagen die entscheidenden Unterschriften geben."

Wo geht es hin?

Robert Klauß: "Viele werden in die 3. Liga wechseln. Die Jungs, für die wir bei uns eine Perspektive sehen, verleihen wir, wenn möglich, in die 2. Liga. Wohin sie gehen, hängt aber weniger von der Liga sondern vielmehr von der Chance ab, Einsatzzeiten zu bekommen."

Ende Januar haben Sie noch von einem perspektivischen Aufstieg der U23 in die 3. Liga gesprochen. Kurz darauf gab der Verein die Auflösung Ihrer Mannschaft bekannt. Wie ist die Entscheidung von Ihnen und Ihrer Mannschaft aufgenommen worden?

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Klauß: "Jungs waren komplett geschockt" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Robert Klauß: "Für mich war es extrem überraschend. Nach ein, zwei Tagen Nachdenken habe ich die Entscheidung aber auch als logischen Schritt gesehen. Rational ist es der richtige Schritt, daher habe ich es leicht verarbeiten können. Die Jungs waren komplett geschockt. Es hat sie richtig kalt erwischt. Sie haben die Entscheidung aber auch schnell angenommen, weil sie sich gesagt haben, dass sich für sie nichts ändert. Sie wollen ja auch nicht ewig vierte Liga sondern höher spielen. Also haben sie sich gesagt: 'Ok, dann müssen wir uns präsentieren'."

Welchen Anteil hatten Sie am Finden dieser Einstellung?

Robert Klauß: "Als Trainerteam haben wir gesagt: Jeder einzelne kann sich nur dann am besten präsentieren, wenn wir als Mannschaft Erfolg haben. Jeder sollte so viel wie möglich in die Mannschaft investieren, um sich selbst zu verbessern."

Wäre in der kommenden Saison die Meisterschaft in der Regionalliga realistisch gewesen?

Nach dem 3:0 jubeln Patrick Strauß und Fridolin Wagner (v.r.) mit Torschütze Federico Palacios (li.)
"Die sind alle interessant für andere Vereine." Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Robert Klauß: "Das ist für eine U23 immer schwierig. In der aktuellen mannschaftlichen Konstellation wären wir sicher ein Kandidat gewesen. Aber unsere jetzigen Leistungsträger wären sicher interessant gewesen für höherklassige Vereine. Die Jungs, die jetzt wechseln, wären auch so gewechselt. Eine U23 ist vor jeder Saison eine neue Mannschaft. Sören Reddemann, Patrick Strauß, Federico Palacios, Dominik Franke, Fridolin Wagner als einige Beispiele - die sind alle interessant für andere Vereine."

Eine Begründung für die Abmeldung der U23 war, dass jüngere Spieler zeitiger an die Profis herangeführt werden sollen. Schaut man sich den aktuellen Bundesliga-Kader von RBL an, hat ein Drittel der Profis den Weg über die U23 in den Profifußball gefunden …

Robert Klauß: "Diese Spieler sind zu uns gekommen, als wir Zweitligist waren. Wir müssten jetzt in der U23 aber Spieler ausbilden, die Champions League spielen. Da ist noch ein Riesenunterschied. Unsere U23-Jungs sind gut für die 2. Liga ausgebildet und sicher auch für einige Erstligisten interessant. Ob sie aber Champions League spielen können, wage ich zu bezweifeln. Die Ansprüche unserer Profiabteilung sind überraschend für uns alle, in den letzten Jahren so enorm gestiegen, dass uns das überholt hat. Wir müssen einfach noch viel mehr hochtalentierte Jungs haben, die vielleicht schon im B-Junioren-Bereich bei den Profis mittrainieren könnten. Wir müssen die Jungs mehr und zeitiger fordern."

Für rekonvaleszente Spieler sind U23-Teams eine gute Möglichkeit, wieder Spielpraxis zu bekommen. Oder auch für ältere Spieler, die in der Bundesliga kaum zu Einsätzen kommen. Wie kann RBL dieses Problem lösen?

Robert Klauß: "Das entscheidet letztlich die Profiabteilung. Fakt ist, dass wir im kommenden Jahr mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League drei Wettbewerbe haben. Das heißt, mehr Spieler können mehr Spielpraxis bekommen, der Kader muss größer sein. Hinzu kommen Testspiele."

Nach der WM 2010 und der EM 2012 war immer wieder zu hören, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre Stärke dem U23-System zu verdanken hat. Als Beispiele wurden gern Spieler wie Thomas Müller oder Holger Badstuber genannt, die mehr als 30 U23-Einsätze hatten, bevor sie den Durchbruch schafften. Wie hat sich das in den vergangenen Jahren verändert?

Robert Klauß: "Komplett. In der aktuellen U21-Nationalmannschaft stehen kaum Spieler, die konstant Einsätze in U23-Mannschaften hatten. Die Quote liegt vielleicht nur bei etwa 25 Prozent. Beispiele für U21-Nationalspieler ohne nennenswerte U23-Karriere sind Niklas Süle oder Nadiem Amiri in Hoffenheim, Timo Werner bei uns, Julian Brand oder Benjamin Henrichs aus Leverkusen."

Gibt es schon jetzt im RBL-Nachwuchs so hochtalentierte Spieler, die aus dem Bereich U15 und U16 den Sprung in die erste Mannschaft schaffen können?

Robert Klauß: "Mit Elias Abouchabaka, Erik Majetschak und Kilian Ludewig haben gerade erst drei Jungs bei der U17-EM gespielt, plus Nic Kühn, der die EM verletzungsbedingt verpasst hat. Wir haben also vier Spieler, die zu den Top 4 Teams in Europa zählen. Natürlich haben die das Potenzial. Wir haben auch in der U16-Nationalmannschaft vier Stammspieler. Diese müssen jetzt gefördert werden. Dann können sie ihren Weg gehen."

RB Leipzig hat sehr viel Geld in das Nachwuchszentrum investiert. Sie selbst sind seit 2010 im Jugendbereich als Trainer tätig. Woran liegt es eigentlich, dass aus dem Nachwuchsbereich von RB Leipzig noch kein Spieler den Sprung zu den Profis geschafft hat?

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Klauß: "Dominik Franke hat in dieser Hinsicht die größten Chancen" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Robert Klauß: "RB Leipzig gibt es zwar schon seit acht Jahren. Die richtig professionelle Nachwuchsarbeit hat aber erst mit Ralf Rangnick 2012 Einzug gehalten. Das sind fünf Jahre. Geben Sie uns noch fünf Jahre, dann sprechen wir über zwei, drei Spieler, die ganz oben spielen. Hinzu kommt, dass die Benchmark der Profis Jahr um Jahr höher gesetzt wurde. Wie gerade schon einmal gesagt: Spieler für die Champions League auszubilden, ist noch einmal etwas ganz anderes."

Schaut man auf die zurückliegende Regionalliga-Saison, fielen Spieler wie Sören Reddemann, Dominik Franke, John-Patrick Strauß, Federico Palacios oder Gino Fechner besonders auf. Wer von denen ist am dichtesten dran an der ersten Mannschaft?

Robert Klauß: "Je jünger die Spieler, desto größer ist ihre Perspektive. Ein, zwei Jahre sind da schon entscheidend. Dominik Franke, der noch für die U19 spielberechtigt ist und in der U23 schon Stammspieler war, hat in dieser Hinsicht die größten Chancen."

Nehmen wir als Beispiel Federico Palacios Martinez. Die Saison wird er wohl mit 30 Regionalliga-Einsätzen und als Torschützenkönig beenden, zudem hatte er zwei Bundesliga-Einsätze. Man kann sich vorstellen, dass er mit seinen 22 Jahren vor der Entscheidung steht, den Anschluss an die erste Mannschaft von RB Leipzig zu suchen? Oder lieber Spielpraxis in der 2. oder 3. Liga zu haben. Wenn solch ein Spieler den Trainer Robert Klauß um Rat fragt, was würden Sie ihm empfehlen?

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Klauß: "Als Trainer von RB Leipzig freue ich mich, wenn Rico Palacios hier bleibt." Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Robert Klauß: "Rico hatte in den vergangenen zwei Jahren durchgängig Spielpraxis, da kann man überlegen, ob er ein drittes Jahr Spielpraxis benötigt. Oder ob er die Chance nutzen will, bei einem Champions-League-Teilnehmer auf hohem Niveau zu trainieren. Da muss der Spieler wissen, was er möchte. Etwas anders sieht es beispielsweise bei Dominik Franke aus, der möglicherweise Spielpraxis braucht. Das muss man von Spieler zu Spieler abwägen. Als Trainer von RB Leipzig freue ich mich, wenn Rico Palacios hier bleibt. Ich würde mich über jedes Bundesliga-Spiel, das er machen sollte, sehr freuen. Und am liebsten natürlich in unserem Trikot."

Neben der Fußball-Philosophie aller Red-Bull-Mannschaften hat jeder Trainer noch eine ganz eigene Philosophie. Ralph Hasenhüttl hat beispielsweise dem RBL-Gegenpressing mehr Ballbesitzanteile hinzugefügt. Wie tickt der Trainer Robert Klauß?

Robert Klauß: "Meine Idee von Fußball kommt dem, was unsere Profis spielen, schon sehr nahe. Aktiv, klar und mutig gegen den Ball sein. Aber auch im Ballbesitz Phasen zu haben, wo wir den Ball laufen lassen. Ich mag, wenn auf engen Räumen und mit wenig Kontakten kombiniert wird. Ballbesitz muss aber zielgerichtet sein, um etwas vorzubereiten."

Wie kann man sich den Trainer Klauß als Mensch vorstellen? Wenn man Sie beobachtet, wirkt der Umgang zu Ihren Spielern fast freundschaftlich …

Robert Klauß: "Als Mensch bin ich jemand, der auch Fehler verzeiht. Ich möchte, dass man Fehler macht und daraus lernt. Die Jungs sollen bereit sein, Dinge auszuprobieren, das Risiko zu gehen. Trotzdem sollen sie fleißig und diszipliniert sein. Das entspricht auch meinem Charakter: hart zu arbeiten, ehrlich zu sein, aber auch mal Fehler zu machen."

Sportdirektor Ralf Rangnick war in der Vergangenheit sehr häufig in Markranstädt und hat sich U23-Spiele angeschaut. Wie läuft da die Absprache mit Ihnen? Entwickeln Sie für einzelne Spieler gemeinsam eine Perspektive oder ist das die alleinige Aufgabe des Sportdirektors?

Sportdirektor Rangnick schaut das Spiel
"Er holt sich von mir dann immer mal eine Meinung" Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Robert Klauß: "Das ist die vorrangige Arbeit des Sportdirektors. Er holt sich von mir dann immer mal eine Meinung, vor allem bei Spielen und von Spielern, die er nicht sieht. Das umfasst dann die sportliche Leistung, das Training, aber auch die Persönlichkeitsentwicklung."

Was passiert nach dem Abpfiff am Sonnabend? Gibt es eine große Abschiedsparty?

Robert Klauß: "Wir alle gemeinsam, die Jungs und das Trainerteam, fliegen zwei Tage nach Mallorca. Es ist eine einmalige Situation, dass die Mannschaft aufgelöst wird. Da kann man es als Trainer durchaus vertreten, mit den Jungs mal für zwei Tage in die Sonne zu fliegen."

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Mit Robert Klauß sprach Dirk Hofmeister

Über dieses Thema berichtet "Sport im Osten" MDR FERNSEHEN | 20.05.2017 | ab 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 18:21 Uhr

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1 Kommentar

21.05.2017 21:04 Hannes.R 1

Ein guter Mann, der vermutlich nicht ewig im Red-Bull-Nachwuchs tätig sein wird. Dass er Mannschaften auch in schwieirgen Phasen motivieren kann, hat er bewiesen, nachdem die Abmeldung der U23 bekannt wurde.