Regionalliga

Fußball | Interview : Kramer: "Wir sind alle Interessenvertreter der Fans"

Am Sonntag ist VfB Auerbach-Geschäftsführer Volkhardt Kramer beim MDR-Webt@lk zu Gast. Grund genug, den 61-Jährigen schon im Vorfeld auf Herz und Nieren zu prüfen, dachte sich die Online-Redaktion, und hat Kramer zu den Fortschritten der Arbeitsgruppe "Task Force Sicherheit", seiner Einstellung zu den Ultras und zum furiosen Saisonstart seines Vereins befragt.

Volkhardt Kramer
Volkhardt Kramer ist am Sonntag beim MDR-Webt@lk zu Gast.

Am Sonntag geht der MDR-Webt@lk in eine neue Runde. Diesmal zu Gast: Der Chef der Ultras Chemnitz, Ronny Licht, und VfB Auerbach-Geschäftsführer und NOFV-Präsidiumsmitglied Volkhardt Kramer, der zugleich in der "Task Force Sicherheit" des DFB aktiv ist. Wie es dort läuft, was er über die Rolle der Fan-Beauftragten in der Arbeitsgruppe denkt und warum er sich neben dem perfekten Saisonstart seines Vereins am meisten über die Fans freut, hat er MDR Online erzählt.

Volkhardt Kramer im Blitzinterview über...

... die "Task Force Sicherheit" des DFB:

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (2.v.l., CSU) , DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (3.v.l.) und Ligapräsident Reinhard Rauball (3.v.r.) sprechen während des Bundesliga-Sicherheitsgipfels auf Einladung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Berlin.
Die Sicherheit in Stadien beschäftigt den DFB seit Langem. (Archivbild)

Bei der Task Force Sicherheit hat man versucht, ein möglichst breites Spektrum von Persönlichkeiten an den Tisch zu holen, die sich mit dem Thema Fußball und Sicherheit beschäftigen. Diese Arbeitsgruppe ist aber nur eine von vielen Maßnahmen des DFB, sozusagen ein kleiner Baustein im großen Ganzen. Wichtig ist die kontinuierliche Arbeit am Thema Sicherheit. Wenn ich 30.000 Leute im Stadion habe, gehe ich davon aus, dass der Großteil dasselbe will: Tollen Fußball, ein schönes Erlebnis, Begeisterung und den Sieg der eigenen Mannschaft. Und dazwischen sind dann halt ein paar, die Theater machen und Krawalle forcieren. Da müssen wir ansetzen, und da sind auch alle gefragt. Schön wäre es, wenn man eine Pille gegen Krawalle erfinden könnte. Aber man muss mit der Dummheit mancher Menschen leben und versuchen, dass die etwas Klügeren die etwas Dümmeren mitdisziplinieren.

... die Rolle der Fan-Beauftragten:

Bei den Gesprächsrunden der "Task Force Sicherheit" waren fünf Fan-Beauftragte mit am Tisch. Damit wurde auch die Sicht der Fans mit reingetragen und man hat in den Gesprächsrunden deutlich gesehen, wie die Fan-Beauftragten Themen aufgenommen haben. Es ist wichtig, dass Praktiker wie sie bei solchen Gesprächsrunden dabei sind. Sie müssen aber erkennen, dass sie die Interessenvertreter aller Fans sind. Das gilt nicht nur für die Hardcore-Fans. Sie sind auch beispielsweise für die Interessen der Rentner und Familien zuständig. Eines möchte ich zudem klarstellen: Wir alle sind Interessenvertreter der Fans. Wenn ich mich in meiner Position beim NOFV sehe, wollen natürlich auch wir, dass ein geordneter und sicherer Spielbetrieb läuft, an  dem möglichst viele Fans und Zuschauer teilnehmen können. Kein Verbandsvertreter hat vor, Fans aus dem Stadion zu werfen, Emotionen zu unterdrücken oder Dingen einen Riegel vorzuschieben.

... Ultra-Fangruppierungen:

Fußballfans im Stadion.
Ultra-Fans im Stadion. (Archivbild)

Von denen halte ich grundsätzlich ganz viel, da ich nämlich selbst ein ultra-begeisterter Fan bin. Und wenn ich die Ultras richtig verstehe, sind die ja nur noch mal verrückter begeistert als andere und möchten für ihren Verein alles geben. Ich glaube aber, dass sich in diesen Kreis Leute begeben haben, die diese ehrende Motivation nicht mit in die Gruppe bringen, sondern sich von diesen Prinzipien abwenden und aus diesem Kreis heraus für Krawall sorgen. Wenn ich sehe, dass ein Verein mit Geldstrafen belegt wird oder Fans von Spielen ausgeschlossen werden, dann ist das ja alles andere, was ein Ultra-Fan wollen kann. Da sollte die Ultra-Szene gut aufpassen, ob sie da nicht anders Einfluss nehmen muss.

... das Pyrotechnik-Verbot:

Fußballfans zünden Pyrotechnik im Stadion
Gehört für Kramer nicht ins Stadion: Pyrotechnik. (Archivbild)

Hinter diesem Verbot stehe ich zu 100 Prozent. Es darf in einem Stadion nichts geben, was auch nur ein bisschen dazu beiträgt, die Gefahr zu erhöhen. Bundesligaspiele sind Großveranstaltungen, bei denen scheinbare Kleinigkeiten zu Katastrophen führen können. Das Argument, ohne Bengalos könne man seine Leidenschaft nicht richtig rüberbringen, ist schwach. Weder beispielsweise beim Eishockey noch beim Basketball zünden Fans Pyrotechnik – ihre Leidenschaft für den Sport bringen sie trotzdem zum Ausdruck. Bengalos sind in meinen Augen kein geeignetes Stilmittel, um Fanleidenschaft zum Ausdruck zu bringen. Das geht doch auch mit Choreographien, mit Spruchbändern, mit lautem Anfeuern… da liege ich mit den Ultras voll quer.

Ich möchte meine Enkel immer an der Hand nehmen und mit denen ins Fußballstadion gehen können, ohne mir sagen lassen zu müssen: Das geht nicht, das ist zu gefährlich. Alles was getan wird, um eine große Fußballfamilie zu verhindern, muss raus.

... den furiosen Auerbacher Saison-Auftakt und die veränderten Fans:

Oliver Dix jubelt
In dieser Saison jubeln nicht nur die Auerbacher Spieler lautstark, sondern auch die Fans. (Archivbild)

Mit solch einem Saisonstart hätten wir ganz bestimmt nicht gerechnet. Wir haben uns gegenseitig auf die Situation vorbereitet, dass wir nach vier, fünf Spielen noch nichts auf dem Konto haben außer Erfahrungen... Das es so ausgeht, hätten wir nicht gedacht, da sind wir natürlich freudig überrascht. Die Mannschaft hält toll zusammen und ist im Training voll konzentriert.

Neben den neun Punkten, die wir bisher auf dem Konto haben, sind die Fans die angenehmste Überraschung. Man hat uns ja immer ein "Tennispublikum" nachgesagt: Leichtes Händeklatschen und nach dem 3:0 wird es dann ein wenig lauter - so nach dem Motto. Zwar waren die Fans schon immer fußballbegeistert, aber eben ruhiger. Das ist jetzt deutlich mehr geworden. Ich habe den Eindruck, dass die Fans mit in die Regionalliga aufgestiegen sind. Die haben richtig Leidenschaft entwickelt!

Sport im Osten: Volkhardt Kramer und Ronny Licht im "Webt@lk"

Wie sicher ist der Besuch eines deutschen Fußball-Stadions? Welchen Einfluss haben die Ultras? Auerbachs Geschäftsführer und NOFV-Mitglied Volkhardt Kramer sowie CFC-Ultra-Chef Ronny Licht waren Gäste im Webt@lk. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 23. September 2012, 18:18 Uhr

30. Zoilos:
Schaut auf Jena, was passiert da? Nichts. Nette Leute, gute Stimmung im Fanblock was möchte man denn noch? Jedes Wochenende schreit man sich die Seele aus dem Leib und feiert friedlich mit allen anderen Fans. Wo ist da das Problem Pyrotechnik zu legalisieren? Es gibt immer schwarze Schafe aber die hat man überall und nicht nur im Fussball. Geht Samstags feiern, da wird man wohlmöglich auch Gefahren ausgesetzt oder nicht?
23.09.2012
18:32 Uhr
29. tomn:
Auerbach hat nicht das größte Stadion, aber ein modernes. Alles, neu, alles top, alles ohne Schulden. Wer mal in Zwickau oder Plauen geduscht hat, weiß was ich meine. Und 1000 Fans pro Heimspiel sind in der Relation zu anderen einiges. Auerbach hat 20.000 Einwohner. Zwickau mehr als 90.000. Plauen 60.000. Volkhardt Kramer muss man als Mensch nicht mögen, aber als Macher 1plus. Weltklasse und wohl einamlig.(Teil 2)
21.09.2012
22:29 Uhr
28. tomn:
Mal was zu Auerbach, was die Plauener und Zwickauer gern vergessen: Der VfB hatte seit 1989 vier Trainer. Frank Steiniger, Dirk Barsikow, Volkhardt Kramer und Steffen Dünger. In Pl und Z können sie die Trainer seither nicht mehr zählen oder doch? Auerbach ist seit der Wende vier Mal aufgstiegen, aber nie abgestiegen. Von Schulden haben ich nie gehört oder gelesen. Das ist bei anderen Traditionsvereinen anders. (Teil 1)
21.09.2012
22:25 Uhr
27. Krusty der Clown:
Ultras sind Selbstdarsteller aber Erfolgsfans nicht? Leute, die nur zu großen Spielen und Aufstiegsfeiern kommen? Was ist mit VIP Gästen? Die Grenzen sich ab und treffen sich im Stadion nur, um unter ihresgleichen Geschäfte zu machen. Wenn Ultras als Selbstdarsteller raus müssen, dann aber auch Bonzen und Erfolgsfans. Ein Glück das die Mauer bereits gefallen ist, mit euch Ja- Sagern wäre das ni passiert. Die Dummheit und Unwissenheit mancher scheint grenzenlos zu sein.
21.09.2012
18:57 Uhr
26. Uwe:
Es gibt andere Methoden, als offenes Feuer in einer Menschenmenge, seine Emotion zu zeigen. Wenn etwas passiert, wer will dann die Haftung übernehmen? Der Verein, die einzelnen Verbände müssen jeden einzelnen der Zuschauer schützen - da aber einige der sogenannten Fans bereit sind, dieses zu negieren - muss ich, als normaler Fan dies akzeptieren, was der Verein, Verbände mir vorgeben (Hausrecht). Ich kann auch nicht auf einer Disko mit offenen Feuer umherspringen.
21.09.2012
15:17 Uhr
25. Konsument:
Ultras und Pyro raus aus dem Stadion! Alles Selbstdarsteller!
21.09.2012
14:58 Uhr
24. Krusty der Clown:
Kurioserweise stellen sich Politiker, Verbände und die Presse immer gegen Rassismus und Diskriminierung. Fussballfans kann man aufgrund ihrer Einstellung aber sehr gern diskriminieren. Da werden Leute, deren Definition von Fankultur nich begriffen werden aber liebend gern als Chaoten, Idioten, sogenannte Fans oder dumme hingestellt. Klasse Leistung Herr Kramer!
21.09.2012
14:57 Uhr
23. richard:
herr kramer muss so über pyro reden, wenn er in dieser task-dingsdings ist, sonst wäre er da schon lange rausgeflogen, der dfb legt fest. wenn es sich informieren würde, wäre ihm auch bekannt, dass in anderen ländern (u.a. spanien) das organisierte pyro möglich ist, weil eimer bereitgestellt werden u .klare absprachen erfolgen. seine argumentation mit opa und enkel ist sehr dünne. ich weiß doch, wo die ultras mit den bengalos stehen als fan und würde mich ja auch nicht 2 m daneben stellen, er wohl aber? das böller auch zu pyro gehören und verboten bleiben sollten, ist klar. diese undifferenzierte betrachtung von pyro ist aber die offizelle dfb-linie und das totschlagargument. wenn angeblich gesetze dagegen stehen, eine prüfung ist immer möglich. gesetze sind da zu da, von zeit zu zeit geprüft und auch mal verändert zu werden, sind keine heilige kuh für die ewigkeiten, wohinter man sich bequem verstecken kann, um einen dialog zu beenden, wie jetzt realität geworden.
21.09.2012
11:55 Uhr
22. Landei:
In Auerbach hat man keine Probleme mit den Fans, da es kaum echte Fangruppen gibt - auch keine Ultras. So würde das VfB-Stadion in diesem Zustand zum Beispiel in Zwickau nicht als regionaligatauglich abgenommen werden. Die Zuschauer im Heimbereich können ohne große Schwierigkeiten die Spielfläche betreten. Es ist aber in Auerbach wohltuend, dass in der Regel die Spiele ohne viel Polizei und Sicherheitsdienste ablaufen.
21.09.2012
10:44 Uhr
21. max:
welch hat recht! unkontrollierbar und gefährlich.
21.09.2012
09:56 Uhr

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Die "Task Force Sicherheit"...

... ist eine von DFB und DFL ins Leben gerufene Arbeitsgruppe, in der Vertreter aus Politik, Justiz, Polizei, der Fußballverbände und Fan-Beauftragte, die über Sicherheit in Fußballstadien diskutiert und dahingehend eng zusammenarbeitet. Die 17-köpfige Expertengruppe soll laut DFB die aktuelle Entwicklung analysieren und praxisnahe Schritte aufzeigen. Volkhardt Kramer vom Präsidium des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) wurde als Verantwortlicher für den Amateurfußball ernannt.

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