Die Mannschaft des 1. FC Lok Leipzig vor dem Pokalsieger-Finale am 13.05.1987 in Athen
Die längst genesene Mannschaft des 1. FC Lok Leipzig vor dem Finale des Europapokals der Pokalsieger am 13.05.1987 in Athen. Bildrechte: IMAGO

Fußball | Historie Loks Vorbereitung geht in die Hose

Genau 30 Jahre ist es her, dass sich der 1. FC Lokomotive Leipzig auf eine unvergessene Saison vorbereitete. Im Juli 1986 begann für Trainer Hans-Ulrich Thomale und sein Team ein Jahr, von dem die Fans noch immer schwärmen. Die Probstheidaer gewannen den FDGB-Pokal (4:1 gegen Hansa Rostock) und zogen im Europapokal der Pokalsieger ins Finale ein. Nur knapp scheiterten sie an Ajax Amsterdam. Dass die Spielzeit 1986/87 so erfolgreich verlaufen würde, war im Sommer 1986 allerdings undenkbar.

von Maria Köhler

Die Mannschaft des 1. FC Lok Leipzig vor dem Pokalsieger-Finale am 13.05.1987 in Athen
Die längst genesene Mannschaft des 1. FC Lok Leipzig vor dem Finale des Europapokals der Pokalsieger am 13.05.1987 in Athen. Bildrechte: IMAGO

Unliebsames Souvenir aus der Sowjetunion

Dass der "Loksche" in der Spielzeit lange ein Triumphzug durch Europa gelang, war eine Sensation. Denn der Saisonstart verlief denkbar schlecht: Eine Wettkampfreise in die Sowjetunion erwies sich als Desaster. Auf den Hotelzimmern gab es nicht nur illegale Kakerlaken-Rennen, die für schlaflose Nächte sorgten. Zudem fing sich das Team ein Virus ein, das die komplette Saisonvorbereitung zunichtemachte.

22 Personen auf engstem Raum

Fieber, Magenkrämpfe und Durchfall lauteten die Symptome. Die Folge: Nach und nach fanden sich Spieler und Trainer in der Quarantäne-Station des Klinikums St. Georg in Leipzig-Wiederitzsch ein. Chefcoach Thomale und 14 Spieler teilten sich ein Zimmer. Co-Trainer Gunter Böhme und sechs weitere Kicker belegten einen zweiten Raum.

Uli Thomale, 1987
Loks Trainer Hans-Ulrich "Uli" Thomale (Archiv) Bildrechte: IMAGO

Das Buch "neunzehn87 – Der Triumphzug des 1. FC Lok Leipzig durch Europa" überliefert: "In jedem Zimmer gab es (…) nur eine Toilette, die nur durch eine spanische Wand von den Betten getrennt war." Zudem schreiben die Autoren Thomas Franke und Marko Hofmann über die täglichen Stuhlproben: "Nur derjenige, in dessen Stuhlprobe drei Tage lang keine Bakterien nachgewiesen werden konnten, durfte nach Hause gehen. Ein Kreuz bedeutete positiv, ein Strich negativ."

Neue Trainingsmethode: Stühle heben

Doch schon im Quarantäne-Raum arbeitete Thomale an der Fitness seiner Spieler. Sie schoben die Betten zur Seite und absolvierten ein Lauf-ABC: Anfersen, Anhocken, Liegestütze. Der jetzige Lok-Trainer Heiko Scholz, der auf Wunsch Thomales als Talent von Chemie Leipzig gekommen war, erinnerte sich zudem an eine Übung von Co-Trainer Böhme: "Wir sollten Stühle hochheben, auf denen er drauf saß. Auch wenn die Krankheit blöde war, hatten wir viel Spaß."

Wer die vereinbarten Vorsichtsmaßnahmen vergaß, musste aber offenbar mit einer Standpauke rechnen. Verteidiger Ronald Kreer erzählte: "Heiko Scholz vergaß kurz die strengen Hygienebestimmungen und leckte die Ketchupflasche ab. Es muss ein riesiges Theater gegeben haben."

Heiko Scholz, 1987
Heiko Scholz: "Auch wenn die Krankheit blöde war, hatten wir viel Spaß." (Archiv) Bildrechte: IMAGO

Melone oder Verpflegungsbeutel?

Offen ist, wo sich Lok die Ruhr-Infektion einfing. Die Spieler vermuteten die auslösenden Bakterien im Leitungswasser von Mineralnyje Wody, einer aufgeschnittenen Melone in Sotschi und den Verpflegungsbeuteln auf der Reise nach Samtredia. Immerhin waren nicht alle von der Infektion betroffen. Glück hatten zum Beispiel die DDR-Nationalspieler René Müller, Uwe Zötzsche, Frank Baum, Ronald Kreer und Matthias Liebers, die zu einem Trainingslager in Österreich waren und die Wettkampfreise in die Sowjetunion nicht mit antraten.

Sowjetunion-Wettkampfreise

23.07.1986 Mineraly-Wody – 1. FC Lok Leipzig 2:2
24.04.1986 Lokomotive Moskau – 1. FC Lok Leipzig 2:0
29.07.1986 Samtredia – 1. FC Lok Leipzig 1:4

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2016, 08:45 Uhr

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7 Kommentare

24.07.2016 21:56 MDR.DE 7

Liebe User, wir müssen uns an die historischen Fakten halten. Und wie schon geschrieben, der SC Lok war eine Neugründung in Leipzig-Gohlis. In Leutzsch spielte von 1954 - 1963 die BSG Chemie Leipzig-West in unteren Ligen. Richtig ist, dass 1954 zum SC Lok die Spieler der "alten" BSG nach Gohlis überwechselten. Richtig ist aber auch, dass die Vereine SC Lok und SC Rotation im Jahr 1963 - über den Zwischenschritt SC Leipzig - zum späteren 1. FC Lok fusionierten.

24.07.2016 09:48 Chemieker 6

@ MDR
Die SC Lokomotive Leipzig ( 1954 ) ging aus Spielern der BSG Chemie hervor !!
Der Pokal Gewinn 1957 ging auf die Spieler BSG zurück !!
Diese spielte tw. im Stadion der Friedens und im Plache ! Siehe Wikipedia , unter Chemie Leipzig und unter SC Lokomotive Leipzig nach zu lesen !!

24.07.2016 07:52 Lange 5

Sc leipzig war der damalige sportverein und 1964 chemie 1966 lok wurden reine fußballvereine gegründet.chemiker erfolg muß man sich verdienen.bleibt wo ihr seit,als vierter verein in leipzig,ihr macht nur aufsehen durch eure graffitis an denn wänden in leipzig.wir sind der verein ohne niederlage die ganze letzte saison.lok lok lok

23.07.2016 19:45 Bernd 4

@Mölkauer, aus Chemie wurde 1954 der SC Lok und dann gab es 1964 die Aufteilung von Genossen Aschenputtel, die Guten... wo lieber MDR sowohl der FC Lok als auch Chemie entstanden. Daher sollte man nicht einem der beiden entstandenen Vereine die Erfolge zuschustern.

23.07.2016 14:39 MDR.DE 3

Liebe User, der SC Lok ist nachweislich ein Vorgänger des 1. FC Lok. 1954 wurden sogenannte Schwerpunktclubs in Gohlis und Probstheida gegründet. Das waren der SC Lok und SC Rotation. Beide Vereine fusionierten aufgrund eines DTSB-Beschlusses 1963 zum SC Leipzig, aus dem dann der 1. FC Lok hervorging. Viele Grüße von MDR.DE

23.07.2016 12:09 Mölkauer 2

Stimmt nicht ganz, der SC Lok war ein Vorgänger von Chemie.

23.07.2016 11:41 Bernd 1

Habe gerade mal die Links geklickt, dort steht dass Lok 1957 Pokalsieger war. Zeugt davon dass die Jungautoren sich vom vermeintlichen Namen, nicht aber der Geschichte haben leiten lassen, denn der SC Lok ging aus Chemie hervor!