Fußball | 3. und 4. Liga NOFV steht mit seinem Vorschlag alleine da

Die Diskussion um die Aufstiegsregelung aus den Regionalligen in die Dritte Liga schlägt derzeit hohe Wellen. Nun hat der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) mit dem Vorschlag überrascht, eine 4. Liga unter Leitung des DFB einzuführen. Laut Aussage von NOFV-Präsident Rainer Milkoreit ist ein Außerordentlicher DFB-Bundestag noch in diesem Jahr am 8. Dezember vorgesehen. Dort könnte man sich auch mit entsprechenden Reformen beschäftigen – somit wäre ein größerer Wurf auch schon kurzfristig möglich. Nach MDR-Informationen ist der Hauptgrund für einen solchen Bundestag allerdings das Thema „DFB-Akademie“. Die Mehrheit der Fußballverbände spricht sich allerdings für ein anderes System aus.

Rainer Milkoreit
Rainer Milkoreit und der NOFV schlagen eine einheitliche 4. Liga unter Führung des DFB vor - und stehen damit ziemlich alleine da. Bildrechte: IMAGO

NOFV fordert 4. Liga

Das ist das Ergebnis einer NOFV-Sitzung vom Mittwoch in Brandenburg, auf der sich alle Vereine des Verbandes auf diese Vorschläge einigen konnten. Dieser mit "Anstoß Nordost" bezeichnete Plan fließt in die Meinungsbildung des DFB Spielausschusses zur Reform ein. Der Spielausschuss berät sich schon in der kommenden Woche zu diesem Thema. Auch die anderen Regionalverbände sowie die Drittligisten haben verschiedene Vorschläge vorbereitet.

Dem NOFV-Vorschlag zufolge soll die Struktur der 3. Liga nicht verändert werden. Stattdessen soll der Unterbau grundlegend reformiert werden. Laut NOFV könnten sich die Vereine eine zwei- oder dreigleisige 4. Liga vorstellen, die als DFB-Spielklasse geführt wird. Dieser Schritt würde laut Verband der "leistungsorientierten Entwicklung des Fußballsports in Deutschland gerecht werden."

Wird dieser Vorschlag umgesetzt, dann ist die Regionalliga in ihrer aktuellen Form Geschichte.

Wie diese 4. Liga aussehen könnte und was aus den Regionalligamannschaften werden würde, die es nicht in die 4. Liga schaffen, ist noch nicht klar. Auch, wie sich eine solche Reform auf untere Ligen wie Oberliga und Verbandsliga auswirken würde, ist ungewiss. Allerdings ist dieser Vorschlag als langfristige Lösung geplant, für den es auch eines Beschlusses beim DFB-Bundestag bedarf.

Zwar ist am 8. Dezember ein außerordentlicher DFB-Bundestag vorgesehen, aber dort soll es in erster Linie der Bau der neuen DFB-Akademie besprochen werden. Ob es da auch um Reformen der Aufstiegsregelung geht, ist fraglich.

Rollierendes Modell keine Dauerlösung

Für kurzfristige Anpassungen, die bereits in der kommenden Saison greifen könnten, setzt der NOFV auf das "rollierende Modell". Demnach steigen drei Regionalligameister direkt auf. Die beiden verbleibenden Meister spielen den vierten Aufsteiger in einer Relegation aus. Welche Ligen die direkten Aufstiegsplätze bekommen, soll von Saison zu Saison wechseln und wird im Voraus per Losentscheid festgelegt.

Fans von Rot-Weiß-Essen zeigen ein Banner 'Meister müssen aufsteigen!'
Die Fans sind sich bundesweit, wie hier in Essen einig: Meister müssen aufsteigen. Bildrechte: IMAGO

In Bayern werden andere Lösungsmodelle bevorzugt

Die Debatte wird die Verantwortlichen in den kommenden Wochen noch beschäftigen. Beim Bayerischen Verband wird beispielsweise eine andere Lösung bevorzugt. Demnach sollen die beiden Regionalligen West und Südwest zwei feste Aufstiegsplätze bekommen. Zwei weitere Aufsteiger sollen in einer Aufstiegsrunde nach dem Motto "Zwei aus Drei" ermittelt werden. An dieser Runde sollen die drei Meister der übrigen Regionalligen teilnehmen.

Wenn aber gilt "Der Meister muss aufsteigen", bevorzugen die Bayern ein Modell von vier Regionalligen, statt fünf, die dann direkt aufsteigen. Dafür sollen Vereine aus Thüringen (Nordhausen) und Sachsen (Lok und Chemie Leipzig) mit den bayerischen Vereinen eine Liga bilden. Andere Vereine aus der Regionalliga Nordost (Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) sollen dann in die Regionalliga Nord wandern. Der Fußball im Nordosten würde damit auseinander gerissen werden.

Auch im Südwesten ist man für vier Regionalligen

Die Vereine der Regionalliga Südwest befürworten ebenfalls ein System mit vier Regionalligen und direkten Aufsteigern. Das hätte aber auch vier Absteiger aus der 3. Liga zur Folge. Für den Fall, dass die Struktur der 3. Liga nicht verändert werden soll, sprechen sich die Verantwortlichen für einen direkten Aufstieg der Regionalligemeister der Staffeln Südwest und West aus. Die drei übrigen Vereine sollen dann den letzten Aufstiegsplatz in einem noch zu definierendem System ausspielen.

Der Westen favorisiert ebenfalls vier Regionalligen

Bei einer Sitzung des Westdeutschen Fußballverbands in Duisburg ergab sich ein ähnlich klares Bild: Zwölf der insgesamt 14 Vereine sprachen sich für eine Anpassung auf vier Regionalligen mit vier direkten Aufsteigern aus.

Im Norden schätzt man die Lokalderbys besonders

Die Vereine des Norddeutschen Fußballverbandes haben sich hingegen für eine Beibehaltung von fünf Regionalligen stark gemacht. Grund dafür sind die vielen attraktiven Lokalderbys und überschaubaren Distanzen zu Auswärtsspielen. Sie fordern stattdessen einen vierten Absteiger aus der Dritten Liga. Die Staffeln West und Südwest sollen einen festen Aufstiegsplatz bekommen. Ein dritter Aufstiegsplatz soll in einem rollierenden System an den Meister aus der Staffel Nordost, Nord oder Bayern vergeben werden. Der vierte Aufstiegsplatz soll dann in einer Relegation aus den beiden nicht berücksichtigen Mannschaften ausgetragen werden.

Das derzeitige Dilemma ist bekannt: Es gibt fünf Regionalligen, aber nur drei Aufstiegsplätze. Daher müssen die Meister (und der Vizemeister aus der Regionalliga Südwest) in Relegationsspielen die Aufsteiger ausspielen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 28. September 2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 14:41 Uhr

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27 Kommentare

30.09.2017 01:23 Andreas 1.FC Magdeburg 27

Alle zweiten Mannschaften aus Liga 3 und den Regionalligen raus. Dann mal schauen was noch übrig ist und damit kann man was machen. Auf alle Fälle muss der Meister aufsteigen.

30.09.2017 20:51 Fazzo 26

@25 - Bravo M.S.
Genauso schaut`s aus Leute - Patrona Bavariae !!!
Beim Bayern hat`s einfach zu viele professionelle Feierabendkicker die am Wochenende noch gegen die Pille hauen. Schweinfurt, Rosenheim, Seligenporten, VfR Garching, FV Illertissen, TSV Buchbach und der FC Pipinsried. Die ganz großen des Weltfussball zusammengepfercht in einer Liga - die brauchen unbedingt Freilauf !!!
UND was du im deutschen Vereinsfussball auch brauchst - natürlich immer gaaaanz wichtig ...ein Freeeeund, ein guter Freeeeund - das ist das beste was es gibt beim DF... ääh ...was es gibt auf der Welt !!!
Dann klappt`s auch mit den eigenen Vorschlägen...

... und wenns ka Saupreiße bist =))

30.09.2017 17:59 M.S. 25

Warum Bayern eine eigene Regionalliga hat? Weil die genausoviele, wenn nicht mehr, Fussballer im Bundesland haben wie der gesamte Osten zusammen. Dasselbe gilt im übrigen für die Regionalligen Südwest und West. Also hört auf, dem Osten einen Mystizismus einzureden, den er nicht verdient. Für uns im Osten mag der SV Schweinfurt oder 1860 Rosenheim nicht wichtig sein...aber den Bayern ist das genauso Chemie Leipzig oder der FC Oberlausitz. und 28 Jahre nach der Wende weiterhin einen Ossi-Bonus zu fordern, ist in meinen Augen völlig verfehlt. Vielleicht sollten sich die glorreichen Funktionäre stattdessen mal lieber Verbündete suchen und nicht immer rumheulen. Ein grosser Wurf ist gar nicht gewollt, also braucht man mit so einem unabgestimmten Vorschlag gar nicht erst anfahren. Der Vorschlag eines 3 + 1aus2 Systems wäre sicherlich mit Hilfe von Nord und West zu vermitteln gewesen, anstatt diese Verbände zu überfahren.

30.09.2017 10:44 Steffen 24

Schmeißt die ganzen zweiten Mannschaften aus den Regionalligen raus und ihr habt 4.Ligen. Und dann 4 Absteiger. Zu den Spielen mit den zweiten Truppen kommen kaum Zuschauer und die bringen auch keine Fans mit. In England haben die Nachwuchsteams ihre eigene Liga und fahren gut damit.

30.09.2017 02:28 Frank 23

Kann mir mal jemand erklären, warum Bayern überhaupt eine eigene Regionalliga hat?

29.09.2017 18:20 Hobbykicker 22

Man könnte die Abstiegsregelung der 3. Liga reformieren. Nur die letzten beiden steigen direkt ab, 13.-18.,14.-17.,14.-16. bestreiten ein Relegationsspiel mit Heimrecht für die besserplatzierte Mannschaft. Dann könnten alle Regionalligameister aufsteigen und die 3.Liga bleibt bis zum Schluss spannend, da alle Plätze in der 2.Tabellenhälfte umkämpft sind. Keine Mannschaft kann schon 6-8 Spieltage vor Schluss die Füße hochlegen, weil es um nichts mehr geht, so wie jetzt des Öfteren.

29.09.2017 18:17 Mike 21

was los mit den bayern, wegen denen gibt es doch erst 5 regionalligen, weil die ja jnter sich sein wollten.

29.09.2017 17:40 Ostkur"f"e Erfurt 20

Das was nie u nimmer kommen sollte ist tatsächlich passierte. Zur Zeit spielen doch tatsächlich 7 ehemalige DDR Mannschaften in der 3. Liga. Nun wird noch Lösungen gesucht um dies rückgängig zu machen. Früher sind Mannschaften durch ihre Leistung aufgestiegen. Dies soll nun für bestimmte Gebiete geändert werden. Wo sind wir hier hingeraten. Diese Forderung ist nicht nur frech sondern schon total dreist. Wenn dann auch noch das ehemalige DDR Gebiet mit der gewachsenen Tradition geteilt wird, ist für mich die Spitze des Eisberges erreicht. Da wird Fussball Tradition mit Füssen getreten. Diese Vorschläge sind eine bodenlose Frechheit u Unverschämtheit ( West, Südwest u Bayern). Am besten wir gehen geschlossen wieder zu Russland. Da werden wir wenigstens akzeptiert.

29.09.2017 15:25 Hans Maulwurf 19

@Fazzo: Bester Kommentar, den ich hier seit langem gelesen habe. Das müsstest du eigentlich direkt in die Fleck-Schneise schicken. Aber ich befürchte der hohe Rat der grauen Eminenzen ist zur Zeit mit umfangreichen Weihrauch- und Myrrhelieferungen aus anderen Bundesgebieten beschäftigt. Das kistenweise angekarrte Gold der letzten Jahre wird auch eine baldige Verwendung im neuen Palast finden. Hosianna

29.09.2017 13:56 Meefish 18

Einführung einer zweigleisigen 4. Liga. Nord und Süd.
Der Erste und Zweite steigt auf und aus der 3. Liga steigen vier ab.
Aus den jetzigen fünf Regionalligen bilden die besten Acht die neue 4. Liga.
Der Rest bleibt in der 5. Liga (Regionalliga) und wird mit den wiederum besten Mannschaften der Oberliga aufgefüllt.
Die Oberliga wird abgeschafft.
Alle Lizenzbetrüger und Insolvenzanmelder beginnen in der untersten Kreisklasse und nicht eine Liga tiefer, oder nur mit Punktabzug in der Selbigen.
Das muss ab der Bundesliga gelten.
So schafft man Planungssicherheit der seriös arbeitenden Vereine.