Ronny Zimmermann (DFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest)
Bildrechte: IMAGO

Fußball | 3. Liga RL-Südwest kündigt "offene Diskussion an" - Sander: "Gibt keine Superlösung"

Im Nordosten finden Trainer und Fans eine Reform des Drittliga-Aufstiegs gut. Wie sehen das andere Regionalliga-Trainer und -Präsidenten? Wir haben bei Petrik Sander und Karsten Neitzel nachgefragt. Auch die Südwest-Liga äußerte sich mittlerweile.

Ronny Zimmermann (DFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest)
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Ronny Zimmermann, DFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest, sagte dem MDR:

"Jeder Fußballer wünscht sich, dass ein Meister einer Klasse aufsteigen sollte. Nur leider funktioniert das an der Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifussball nicht immer, deshalb gab es ja auch schon mehrfach Reformen an dieser Stelle. Alleine auf die sportlichen Ergebnisse der letzten Jahre zu schauen geht ebenfalls am Thema vorbei. Es gibt viele Parameter, die hier eine Rolle spielen, wie beispielsweise entstehende Kosten oder auch die Mannschaften hinter den Regionalligaträgern. So repräsentiert alleine die Regionalliga Südwest zum Beispiel fast ein Drittel aller Herrenteams in Deutschland. Deshalb gibt es ja auch den zweiten Teilnehmer an den Aufstiegsspielen. Wir werden nun mit unseren Klubs der Regionalliga einschließlich denen der dritten Liga aus unserem Einzugsbereich eingehend die Modelle ergebnisoffen diskutieren und hoffentlich zu einer vernünftigen, tragbaren Lösung kommen, welche auch die Meisterfrage vernünftig regelt."

Petrik Sander (Trainer von Südwest-Regionalligist TuS Koblenz) sagte dem MDR:

"Ich glaube, die bisherige Regelung finden alle schlimm. Ich glaube, es gibt keinen, der dies als Optimallösung betrachtet. Ich denke schon, dass die Formel mit den fünf Aufsteigern die Formel ist, auf die man sich einigen könnte. Das bedeutet sicherlich eine unwahrscheinlich hohe Belastung für die 3. Liga. Aber in England funktioniert das mit noch mehr Mannschaften ja auch. Es ist eine schwierige Sache, die Superlösung, wo alle 'Hurra' schreien, gibt es da wohl nicht, aber ich bin optimistisch, dass das eine Lösung ist, mit der ein Großteil der Vereine leben kann.

Ich glaube einfach, dass der Meister aufsteigen muss. Das ist ja Sinn und Zweck einer Meisterschaft. Wir im Südwesten hatten bislang immer zwei Möglichkeiten, aber ich sagte ja, dass irgendjemand immer Abstriche machen muss bei einer solchen Reform. Die Struktur mit den fünf Regionalligen finde ich okay, da sollte man jetzt nichts vogelwild zusammen tun."

Petrik Sander, Trainer TuS Koblenz
Petrik Sander Bildrechte: imago/Hartenfelser

Karsten Neitzel (Trainer von Südwest-Regionalligist SV Elversberg) sagte dem MDR:

"Es ist ja eigentlich schlimm, dass wir darüber reden müssen. Man hätte schon vor Jahren etwas machen müssen. Nun muss man den Vereinen etwas anbieten, weil viele unzufrieden sind. Es wird nicht immer gerecht sein. Bei uns ist es in gewisser Weise natürlich Jammern auf hohem Niveau, weil wir ja zwei Playoffplätze haben. Deshalb bin ich als ein Trainer in der Südwest-Liga auch zwiegespalten: Steigen die ersten Fünf auf oder bleibt es bei zwei Plätzen für den Südwesten? Da wüsste ich nicht, wie ich mich entscheiden sollte. Das mit den fünf Auf- und Absteigern ist sicherlich die einfachste und nachvollziehbarste Lösung. In meiner ersten Saison bei den Stuttgarter Kickers 1992/1993 gab es einmal eine 2. Liga mit 24 Mannschaften. Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Wichtig ist, dass der regionale Bezug bei den Ligen gewahrt werden muss. Wenn wir gegen Saarbrücken spielen ist das etwas anderes als gegen eine 2. Mannschaft. Oder solche Duelle wie Lok gegen Chemie im Osten."

Fußballtrainer Karsten Neitzel
Karsten Neitzel Bildrechte: IMAGO

Gerd Dais (Trainer von Südwest-Regionalligist Waldhof Mannheim) bei SWR.DE:

"Wenn man Meister wird, sollte man auch aufsteigen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, dass da etwas in Bewegung kommt. Wir müssen abwarten, ob alle Beteiligten zufriedengestellt werden können. Da sind dann die Drittligavereine sauer, weil das Fernsehgeld anders verteilt wird. Für mich wäre es am sinnvollsten, wenn es zukünftig vier Regionalligen gäbe, aus denen jeweils der Meister in die 3. Liga aufsteigt. Die 3. Liga kann auf jeden Fall vier Absteiger verkraften."

Gerd Dais, Trainer Waldhof Mannheim
Gerd Dais Bildrechte: imago/Eibner

Michael Welling (Präsident West-Regionalligist Rot-Weiss Essen) bei "derwesten.de":

"Das Modell ist auf jeden Fall besser als das bisherige. Ich finde gut, dass für Klubs, die Meister werden wollen, eine höhere Chance besteht, tatsächlich auch aufzusteigen. Ich bin aber gespannt, wie die Drittligisten auf diesen Vorschlag reagieren. Die wären nämlich die Verlierer – eine Veränderung ohne Nachteile gibt es aber nicht."

Michael Welling (1. Vorsitzender Rot-Weiss Essen)
Michael Welling Bildrechte: IMAGO

Bernhard Hartmann (Geschäftsführer des West-Regionalligisten SC Wiedenbrück) bei "derwesten.de":

“Die Aufstiegsregelung, wie wir sie jetzt kennen, findet niemand gut. Es kann nicht sein, dass Waldhof Mannheim im Relegationsspiel in Meppen einen Elfmeter an den Pfosten schießt und deshalb nicht aufsteigt. Alles andere ist deshalb besser.“

Bernhard Hartmann (Geschäftsführer SC Wiedenbrück)
Bernhard Hartmann Bildrechte: IMAGO

Welche Aufstiegsregelung befürworten sie?

62% 14157 Stimmen   Die Staffelsieger steigen direkt auf. Die 3. Liga hat fünf Absteiger und wird auf 22 Teams aufgestockt.
3% 716 Stimmen   Rollierendes System: Drei Staffelsieger steigen auf. Zwei spielen den vierten Aufsteiger aus. Es gibt vier Absteiger aus Liga 3.
3% 590 Stimmen   Die Staffelsieger spielen in einem Fünfer-Turnier (mit Hin- und Rückspiel) die drei Aufsteiger aus.
33% 7508 Stimmen   Die Regionalliga wird auf drei Staffeln reduziert. Die Sieger steigen direkt auf.

Stand: 24.09.2017 08:06:08 Uhr 22971 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank, Deine/Ihre Stimme ging in die Wertung ein. Die Abstimmung ist beendet.

Das Thema im Programm MDR aktuell | 13.09.2017 | 19:30 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 13. September 2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2017, 17:46 Uhr

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3 Kommentare

18.09.2017 13:49 Duffy 3

Fünf Regionalligen a 12 Mannschaften spielen eine Doppelrunde von Juli bis Weihnachten aus. Die beiden besten Teams pro Liga (plus jeweils ein Dritter aus den beiden Mitglied stärksten Ligen) steigen nach der Winterpause in eine eingleisige bundesweite Playoff Runde ein, die die drei Aufsteiger zur Dritten Liga sportlich mega gerecht unter sich ausspielen. Nebeneffekt: sie können schon einmal Bundesliga für eine Halbsaison üben.

18.09.2017 13:14 Kalle 2

Ich möchte gerne eine attraktive 3.Liga in Deutschland haben und die gibt es nun mal nur mit den oftmals vielgescholtenen "Traditionsvereinen".
Wenn ich im "Kicker" durchklicke wieviele Zuschauer denn zu den einzelnen Spielen der "Dorfvereine" kommen, dann wäre es ein Hohn wenn Mannschaften die 3.Liga bevölkern die ca 450 Zuschauer im Heimschnitt und ca 25-30 aktive Auswärtszuschauer aufdie Beine bringen. Dann doch lieber 3000 Zuschauer bei Heim- und bis zu 1000 Zuschauer bei Auswärtsspielen der Traditionalisten.

18.09.2017 11:37 Zuschauer 1

Das Problem „Direktaufstieg des Staffelersten“ ist nur vorgeschoben. Es geht wohl eher darum, daß es sogenannte Traditionsvereine betrifft, die – aus welchen Gründen auch immer – in die Regionalliga abgerutscht sind bzw. sich in diese nach Neugründung des Vereins (z. B. Lok, Chemie) dahin vorgekämpft haben.
Man will sogenannte Traditionsvereine in den oberen Ligen sehen. Würden Meuselwitz, Drochtersen, Erndtebrück oder Seligenporten jeweils um Platz 1 kämpfen, würde niemand etwas an der Aufstiegsregelung bemängeln. Aber nun geht es um Essen, Mannheim, Uerdingen, Saarbrücken, Kassel, Offenbach. Auch die Leipziger Neugründungen sähen sich gern in Liga 3.

Meiner Meinung nach soll alles so bleiben.