HC Leipzig Manager Kay-Sven Hähner
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Handball | Bundesliga Fassungslosigkeit und Wut nach HCL-Pleite

Die Reaktionen nach dem Aus des HC Leipzig sind heftig. Für den Trainer des Thüringer HC ist das Verhalten des Leipziger Managers "schon fast kriminell". Wütend und verärgert reagierte auch der Trainer des HC Leipzig. Norman Rentsch hatte den Versprechungen der Führung geglaubt. Der HBF-Vorsitzende Berndt Dugall bangt um den HCL-Nachwuchs.

HC Leipzig Manager Kay-Sven Hähner
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Traurig, aber auch sauer, wütend und aufgebracht hat der Trainer des Thüringer HC auf die Nachricht der Leipziger Pleite reagiert. Herbert Müller sagte dem MDR: "Es tut mir für die Sportlerinnen und das Trainerteam in der Seele weh. Wir hatten immer tolle, brisante und packende Spiele gegeneinander. Die Hallen waren voll. Ich finde es auch überragend, wie sich die Mannschaft und der Trainer bis zum letzten Spieltag reingehangen hat, obwohl es seit einem halben Jahr kein Geld mehr gab.

Trainer Herbert Müller
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Richtig sauer und wütend bin ich aber auf Manager Kay-Sven Hähner. Das ist fahrlässig, ja schon fast kriminell, wie er gehandelt hat. Ich weiß genau, was es heißt, in Insolvenz zu gehen. Wir hatten das damals in Nürnberg, da bekamen die Spielerinnen noch 165 Euro und wir holten trotzdem das Double. Herr Hähner war damals der größte Querschießer. Er hat uns schikaniert ohne Ende. Auch in der Zeit hier beim Thüringer HC. Was jetzt passierte, ist unfassbar."

Das ist fahrlässig, ja schon fast kriminell, wie er gehandelt hat.

Herbert Müller (Trainer Thüringer HC) über Kay-Sven Hähner (Manager HC Leipzig)

Rentsch: "Das ist mit Wut und Ärger kaum zu beschreiben"

Norman Rentsch
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Er hielt dem HC Leipzig bis zuletzt die Treue und glaubte den Verprechungen von Manager Hähner. Jetzt ist Trainer Norman Rentsch einfach nur ernüchtert: "Das ist absolut grenzwertig für uns alle. Viele Menschen haben ihr Leben nach dem Erhalt des HC Leipzig ausgerichtet. Man hat hier so Menschen vor den Kopf gestoßen und den Berg runtergestoßen. Wenn man jetzt so dermaßen den Berg runterfällt, ist das mit Wut und Ärger kaum zu beschreiben. Ich frage mich, wie die Verantwortlichen des Vereins und des Managements gearbeitet haben. Es ist eine krasse und bewegende Situation für uns."

Dugall: "Potentieller Sponsor sprang vor einer Woche ab"

Der Vorsitzende der Handball Bundesliga Frauen, Berndt Dugall, hatte bereits im MDR-Interview am 2. Juni das Aus für den HC Leipzig prognostiziert. Besonders um die sehr gute Nachwuchsarbeit sorgt er sich nun: „Die Sache mit dem Rekordmeister ist eher eine Sache der Vergangenheit. In den letzten Jahren spielte der HCL da nicht mehr die dominante Rolle. Es ist für die Liga natürlich eine Schwächung, aber eine nicht so große. Schade wär es, wenn die tolle Nachwuchsarbeit des HC Leipzig beendet würde. Ich bin mir nicht sicher, ob es hier überhaupt zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kommt. Man hat hier die Leute in Illusionen gewogen.“

Zschiedrich: "Etwas Schimmeres kann nicht passieren"

Andreas Zschiedrich HC Rödertal Handball
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Andreas Zschiedrich, Präsident des HC Rödertal und Vize-Präsident der HBF sorgt sich ebenfalls um die Nachwuchsarbeit: "Das ist das schrecklichste Szenario, das es gibt. Aber bei der Schuldenlast … Vielleicht hätte man einen anderen Weg gehen müssen. Wir haben in Leipzig eine Sportschule. Wir haben in Leipzig in jeder Altersklasse eine Handballklasse. Etwas Schlimmeres kann eigentlich nicht passieren. Ich bin davon ausgegangen, dass es Leipzig nach dem Gerichtsurteil schafft. Die Signale, die ich aus Leipzig bekommen habe, waren verhalten positiv."

Zscherpe: "Auf dem Weg zu WM besonders tragisch"

Dirk Zscherpe, 2004
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Dirk Zscherpe, Geschäftsführer des Handball-WM-Organisationskomitees in Leipzig, äußerte sich ebenfalls zur HCL-Pleite: "Auf dem Weg zur Heim-WM ist diese Insolvenz besonders tragisch. Der Handball der Frauen in Deutschland verliert einen Leuchtturm, der über viele Jahre maßgeblich die Entwicklung des Sports vorangetrieben hat. Wir hoffen, dass sich das Insolvenz-Verfahren im Sinne des Handballs der Frauen entwickelt und die vielen talentierten Nachwuchsspielerinnen weiterhin ein sportliches Zuhause in Leipzig haben werden."

dh/rei


Über dieses Thema berichtet "MDR aktuell" MDR HÖRFUNK | 15. Juli, stündlich XX:40 Uhr
MDR FERNSEHEN | | 15. Juli, 16.25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2017, 17:54 Uhr

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6 Kommentare

17.07.2017 16:18 Leonard 6

Bei diesen Schulden handelt es sich um jahrelange Misswirtschaft, über die Verhältnisse gelebt und dazu noch das Umfeld getäuscht.
Handball ist eben nicht Fußball, wo Millionen verbraten werden.

17.07.2017 08:50 Alex 5

Zum einen hat Herbert Müller natürlich recht. Dass er jetzt so dagegen schießt und selbst - wenn man den Jahresabschlüssen der THC GmbH glauben kann - selbst nichts dazu gelernt hat, ist allerdings sehr schade.

16.07.2017 13:25 Lutz Siedentopf 4

Schade, als ehemaliger Fan des F-HC kann ich keine Schadenfreude empfinden. Frankfurt ist allerdings nicht Leipzig, liegt am A... der Welt. Hier ist der gesamte Leistungssport den Bach runter gegangen.
Ich denke, dem SCL ist die neue Konkurrenz durch den Männerhandball und erst recht dem Fußball nicht gut bekommen. Da werden Sponsoren knapper, den Rest macht das schlechte Management und die Verkennung der Tatsachen. Dafür kommen beim F-HC gegen den SCL statt 250 vielleicht 600 bis 800 Fans. Hätte ich aber auch drauf verzichten können.

15.07.2017 18:45 old-handball-fan 3

Schade, aber es war zu erwarten. Wer wirklich gedacht hat, Investoren geben jetzt noch 600TEuro, der ist ein Traumtänzer. Wenn es Sponsoren gegeben hätte, warum haben diese nicht eher Engagement gezeigt - weil es sie nicht gegeben hat!!!
Diese "Hoffnung" hat es nie richtig gegeben.
Der letzte große Titel war der Europapokalsieg 1993 und der wird es nun auf Ewigkeit gewesen sein.
Ich glaube Frauenhandball in der 1. Liga wird es in Leipzig nicht mehr geben - es ist nur traurig.

15.07.2017 17:35 paul fritz 2

die Leitung des HCL muss zur Verantwortung gezogen werden und vor allem ihren platz räumen.

15.07.2017 14:15 Fehlerteufel 1

So so. "Aufgebraucht" hat der Trainer des Thüringer HC reagiert?
Wie hat man sich denn das vorzustellen?
Kleiner Tipp: Da ist ein "u" zu viel! Das sollte bestimmt "aufgebracht" heißen.

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]