Handball HC Leipzig: Konkursmasse beträgt 50.000 Euro

Beim früheren Handball-Meister HC Leipzig soll das Präsidium in diesem Monat entscheiden, ob die HC Leipzig Bundesliga GmbH entschuldet werden soll. Wie der Insolvenzverwalter Christoph Alexander Jacobi am Montag dem Mitteldeutschen Rundfunk erklärte, liegt der Schuldenstand bei 1,5 Millionen Euro. Die Konkursmasse beträgt 50.000 Euro.

Sollte das Konkursverfahren im September eröffnet werden, wird das restliche Geld in gleichen Teilen unter allen Gläubigern, darunter die Spielerinnen, aufgeteilt. Jacobi hat eigenen Angaben zufolge noch nicht alle Geldflüsse rekonstruiert. Er sagte aber, dass es verschiedene Sanierungspläne gegeben habe. Die finanzielle Schieflage sei wohl entstanden, weil viele Sponsoren verloren gegangen seien, so Jacobi. Wie der Insolvenzverwalter mitteilte, ist es schwer zu sagen, ob eine Insolvenzverschleppung vorliegt. Das müsse ohnehin das Amtsgericht entscheiden.

Die Handball Bundesliga Frauen HBF hatte dem HC Leipzig die Lizenz verweigert. Der HCL ging dagegen in den Widerspruch. Ein Verfahren vor einem unabhängigen Schiedsgericht hatte Leipzig noch gewonnen. Trainer, Spielerinnen und weitere Angestellte sollen seit dem Frühjahr kein Gehalt mehr bekommen haben.

Titel, Triumphe, Tränen - die bewegende Geschichte des HC Leipzig

Mit dem Lizenzentzug muss der Rekordmeister die Handball-Bundesliga der Frauen verlassen. Der HCL steht vor einem Scherbenhaufen - dabei eilten die HCL-Frauen in den letzten 20 Jahren von Erfolg zu Erfolg.

Auf einem Plakat der Leipziger Image-Kampagne Leipziger Freiheit in einem so genannten City-Liner jubeln drei Handballspielerinnen des HC Leipzig (v.l.n.r. Ingrida Radzeviciute, Gerit Jurack, Milica Danilovic) am Freitag (05.12.2003) in Leipzig
Spitzenhandball - da waren die Frauen aus Leipzig lange Zeit eine feste Institution. So wie hier im Dezember 2003. Beim Handball-Masters traten die weltweit besten sechs Mannschaften an und stritten um die damalige Rekordsumme von 57.000 Euro. Bildrechte: dpa
Auf einem Plakat der Leipziger Image-Kampagne Leipziger Freiheit in einem so genannten City-Liner jubeln drei Handballspielerinnen des HC Leipzig (v.l.n.r. Ingrida Radzeviciute, Gerit Jurack, Milica Danilovic) am Freitag (05.12.2003) in Leipzig
Spitzenhandball - da waren die Frauen aus Leipzig lange Zeit eine feste Institution. So wie hier im Dezember 2003. Beim Handball-Masters traten die weltweit besten sechs Mannschaften an und stritten um die damalige Rekordsumme von 57.000 Euro. Bildrechte: dpa
Der Sekt spritzt in die Kamera beim Mannschaftsfoto der Handballerinnen des VfB Leipzig nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels am Samstag (22.05.1999) in eigener Halle.
Es war nicht der einzige Erfolg der Leipziger Handballerinnen. Der HCL und seine Vorgängervereine SC Leipzig und VfB Leipzig sammelte insgesamt 21 Meistertitel, davon 15 DDR-Meistertitel und sechs Deutsche Meisterschaften. Das Bild stammt von 1998, als die Frauen im Trikot des VfB Leipzig den ersten deutschen Meistertitel nach der Auflösung des SC Leipzig feierten. Bildrechte: dpa
Handballspielerin Grit Jurack vom HC Leipzig jubelt am Samstag (10.06.2000) im sächsischen Riesa über den Sieg beim Pokalfinale und hält den Pokal mit beiden Armen über dem Kopf.
Eng mit dem 1998er Titel und vielen weiteren Erfolgen ist der Name Grit Jurack verbunden. Die Rekordnationalspielerin trug von 1993 bis 2004 das VfB- und HCL-Trikot, wurde hier zweimal deutsche Meisterin und zweimal DHB-Pokalsiegerin. Bildrechte: dpa
Trainer Maik Nowak (Leipzig) mit Ball (Saison 2000/2001)
In Erinnerung bleiben werden zahlreiche Top-Spielerinnen und -Trainer, die der HCL hervorgebracht hat. Mit Coach Maik Nowak feierte der HCL drei Meistertitel, Nowak wurde später Handball-Nationaltrainer. Bildrechte: IMAGO
Stefan Kretzschmar (SC Magdeburg) mit Vater Peter und Mutter Waltraud am Rande seines Abschiedspiels 2007
Und auch diese Dame in der Mitte gehört zur Geschichte des glorreichen Leipziger Handballs: Waltraud Kretzschmar schenkte nicht nur Stefan Kretzschmar das Leben, sie war auch selbst eine äußerst erfolgreiche Handballerin. Mit dem SC Leipzig wurde sie zehnmal DDR-Meisterin und gewann zweimal den Europapokal der Landesmeister. Als Kapitänin der DDR-Nationalmannschaft wurde sie u.a. dreimal Weltmeisterin. Bildrechte: IMAGO
Nikola Pietzsch (hinten) vom HC Leipzig wirft am 30.12.2003 beim Endspiel der "Handball Masters" in Leipzig vor dem Block von Katja Kurent (r) von Kotex Ljubljana (Slowenien) den Ball.
Der HCL war auch dabei, hier wirft Nikola Pietsch im Spiel gegen Kotex Ljubljana. Die Leipzigerinnen gewannen das Turnier. Bildrechte: dpa
Die deutsche Handballerin Grit Jurack bejubelt den Sieg gegen Rumänien bei der Handball-Weltmeisterschaft in Paris, Frankreich.
Fünfmal wurde Jurack als deutsche Handballerin des Jahres geehrt, dreimal davon als HCL-Spielerin. Bildrechte: dpa
Die Frauen des HC Leipzig jubeln am 10.06.2000 im sächsischen Riesa über den Sieg beim Pokalfinale und halten die Hände an den gewonnenen Pokal.
Ein Bild aus der Zeit, als die Welt beim HCL noch in Ordnung war. Ein Jahr, nachdem sich der Verein vom insolvenzbedrohten VfB Leipzig getrennt und als HC Leipzig neu gegründet hat, feierten die Handballerinnen im Jahr 2000 den DHB-Pokal. Bildrechte: dpa
Die Spielerinnen des HC Leipzig jubeln am Samstag (29.04.2006) im sächsischen Riesa über den Sieg im DHB-Pokalfinale der Frauen.
Auch 2006 ging der Pokal an die Pleiße – ein besonderes Jahr, das erste und einzige Mal in der jüngeren Geschichte gelang das Double aus Meisterschaft und Pokal. Bildrechte: dpa
Die Leipzigerin Nina Wörz (M) im Duell mit Anna Loerper (l) und Sabrina Neukamp aus Leverkusen. Dem HC Leipzig ist durch einen bequemen Punktevorsprung der Titel des deutschen Handballmeisters so gut wie sicher.
Aus dem Jahr 2006 auch dieses Bild - der HC Leipzig besiegt im Endspiel um die deutsche Meisterschaft Bayer Leverkusen. Mit den Leverkusenerinnen verband den HCL eine langjährige und gut gepflegte Hass-Liebe. Auf der Platte immer umkämpft und mit zahlreichen verbalen Giftpfeilen. Bildrechte: dpa
Handball, Frauen: Bundesliga, Thüringer HC - HC Leipzig, 26. Spieltag am 14.05.2016 in Bad Langensalza (Thüringen). Leipzigs Anne Hubinger (l) wird von den THC-Spielerinnen Crina Pintea und Danick Snelder (r) angegriffen
In den letzten Jahren nahm ein anderer Verein diese Stelle ein. Der Thüringer HC wurde zum Dauerrivalen der Leipzigerinnen. Mit einem kleinen Unterschied: Die Duelle mit Leverkusen konnte der HCL zumeist gewinnen. Gegen den Thüringer HC unterlagen die HCL-Frauen in der Mehrzahl der Spiele … Bildrechte: dpa
Leipzigs Luisa Schulze (l) und Alexandra Mazzucco (r) behindern Thüringens Danick Snelder behindert.
… so auch in der Champions League 2014/15, als der THC (hier Danick Snelder, Mitte) beide Hauptrundenspiele gegen Leipzig gewinnen konnte. Bildrechte: dpa
Die Leipzigerin Karolina Kudlacz (M) wird von der Norwegerinnen Linn-Kristin Riegelhuth (r) und Tonje Larsen (l) von Larvik HK attackiert.
Überhaupt der Europapokal … Im Gegensatz zu den Erfolgen auf deutschem Parkett waren die Leipzigerinnen international längst nicht so erfolgreich. Hier zu sehen Karolina Kudlacz in der Champions-League-Saison 2010/11. Der HCL schied in der Hauptrunde als Letzter aus. Bildrechte: dpa
Frauen-Handball, Europapokal, Halbfinale Hinspiel HC Leipzig - Viborg HK, am Sonntag (01.04.2012) in der Arena Leipzig. Grit Jurack vom Viborg HK setzt hier vor ihrer Mannschaftskollegin Cristina Georgiana Varzaru und den beiden Leipzigerinnen Natalie Augsburg und Maura Visser (l-r) zum Wurf an
2012 erreichte der HCL immerhin das Europapokal-Halbfinale - schied aber gegen Viborg aus. Siegreich mit Viborg die Leipziger Legende Grit Jurack, die hier zum Torwurf ansetzt. Bildrechte: dpa
Das Frauen-Handball-Team vom HC Leipzig um Kapitän Katja Schülke (mit dem Pokal) feiert am Sonntag (16.05.2010) in der Arena Leipzig den sechsten Meistertitel seiner Vereinsgeschichte. Der Mannschaft reichte dazu ein 22:22 (11:10) Unentschieden gegen Bayer Leverkusen für die Titelverteidigung. Der HCL hatte das Hinspiel bereits mit 28:26 gewonnen. Es war Leipzigs insgesamt 21. Meistertitel (inklusive 15 DDR-Championaten)
Letztmals Meister wurde der HCL 2010. Bildrechte: dpa
Die Leipziger Spielerinnen Luisa Schulze (r-l), Anne Hubinger und Shenia Minevskaja jubeln nach einem Treffer.
Letztmals Pokalsieger war der HC Leipzig 2016, damals schon finanziell angeschlagen. Im Final-Four-Halbfinale gelang ein prestigeträchtiger Sieg gegen den THC. Bildrechte: dpa
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mkö/iha

Über dieses Thema berichtet auch MDR aktuell MDR FERNSEHEN | 07.08.2017 | ab 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2017, 18:27 Uhr

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5 Kommentare

09.08.2017 07:36 Ich 5

Ballerina hat Recht: Wenn keine Sponsoren da sind, kann ich halt nicht soviel ausgeben. Mir bezahlt auch niemand meine Skiausflüge. Der Grund ist nicht der Wegfall von Sponsoren sondern die darauf nicht reagierende Geschäftsführung. Unglaubliche Aussage, als ob die Sponsoren was dafür könnten....

08.08.2017 10:38 schaugenauhin 4

Hier wird es noch sportartenübergreifend viele solcher Fälle in Mitteldeutschland geben. Aber es wird ja durch die Verbände zugelassen, dass zB. Eishockeyvereine buchmäßig überschuldet sind. Nachlesbar im Bundesanzeiger. Ich glaube auch nicht daran, dass Fußball unterhalb der 2. Liga retabel gestaltbar ist.Blender verkaufen die Geschäftsidee Mannschaftsport gut als Gladiatorenspiele der Moderne. Der Ablösewahnsinn wird es richten, das die Summen steigen werden. Wer bezahlt´s: im Zweifel der Steuer- und Sozialabgabenzahler. Hier wird Geld vernichtet, welches besser in den anderen Leistungssport gesteckt werden sollte.

08.08.2017 07:37 Leonard 3

Da wurde jahrelang betrogen, getrickst und gelogen.

07.08.2017 20:30 Ballerina 2

Dass Sponsoren über Jahre weggebrochen sind ist allerdings nur die Hälfte des Geschehens.Die andere Hälfte ist die Tatsache dass vom Geschäftsführer der GmbH weiter mit vollen Händen Spielerinnen verpflichtet und Geld ausgegeben wurde (nur ein Beispiel:Meldung für die Championsleague obwohl dafür keine spielerische und finanzielle Basis gegeben war)
Die Frage was mit dem 2017 gespendeten Geld auf dem Unterstützerkonto wirklich gemacht worden ist wird noch interessant.Laut Konkursverwalter hat er bisher ja nur den Überblick bis 2016 .

07.08.2017 18:04 Bermuda 1

Für die Gläubiger kann man nur hoffen, dass der insolventsverwalter alles gut prüft und ggf. Gelder von allen zurückholt, vorfallen von den Banken. Den die Sehen die Insolvenz als erste! Kontoführung und. Bilanzen der letzten Jahre sagen alles.