Handball | 1. Bundesliga Handball-Ikone Kretzschmar: "Die Aufgabe wird schwieriger"

Er ist das Gesicht des SC DHfK Leipzig: Stefan Kretzschmar. Seit 2009 kümmert er sich als Aufsichtsrat um die Geschicke der "Grün-Weißen". Als ehemaliger Spieler des SC Magdeburg schaut der einstige Linksaußen gebannt auf die Partie am Mittwoch. Um 19 Uhr empfängt der SCM die Leipziger.

Stefan Kretschmar, das Hinspiel hat der SC DHfK Leipzig mit 26:25 knapp gewonnen. Gibt es am Mittwoch wieder eine Sensation?

Stefan Kretzschmar bei einem Spiel in der Saison 2006/2007 bei den SC Gladiators Magdeburg am Ball.
Stefan Kretzschmar bei einem SCM-Spiel in der Saison 2006/2007. Bildrechte: IMAGO

"Die Aufgabe wird um ein Vielfaches schwieriger. Ich glaube, dass wir einen guten Trainer haben, der das Team emotional packt und sie heiß machen wird. Ich denke, dass das Spiel aufgrund des Derbycharakters viel Brisanz haben wird. Die Derbyniederlage wird Magdeburg zusätzlich anspornen. Die Halle wird auf dieses Spiel heiß sein. Ich freue mich auch, dass 300 Leipziger Fans mitfahren. Ich will nicht sagen, dass es für Magdeburg das Spiel des Jahres ist, aber das Spiel ist enorm wichtig. Das wird für uns eine wahnsinnig schwierige Herausforderung. Ich hoffe, dass die Jungs die Nerven behalten. Ich weiß selber, wie es ist, in dieser Halle zu spielen. Glücklicherweise trug ich da immer das Trikot des SCM. Aber wenn man da als Gegner einläuft und das einen kalt lässt, weiß ich nicht, wofür man überhaupt Handball spielt. Dort Handball zu spielen ist sicherlich das emotional größte, was man machen kann."

Dort Handball zu schauen, ist sicherlich auch klasse. Wo werden Sie denn die Partie verfolgen?

"Per Liveticker, ich muss leider nach Kiel und das für mich uninteressantere Spiel gegen Gummersbach kommentieren. Eigentlich hat mir der Sender versprochen, Magdeburg gegen Leipzig zu kommentieren, hat sich dann aber anders entschieden."

MDR.DE zeigt die Partie im Livestream - für alle Handball-Fans. Gern können Sie sich auch reinklicken.

Worauf wird es für Trainer Christian Prokop und sein Team ankommen, um aus Magdeburg mindestens einen Punkt mitzunehmen?

"Du darfst nur wenige Fehler machen. Wenn Du Fehler machst, bestraft dich Magdeburg. Die Marschroute muss natürlich sein, unfassbar diszipliniert zu spielen. Damit verhindern wir, dass die Magdeburger Gegenstöße spielen können und einfache Tore machen. Es darf nicht so kommen, dass der SCM das Spiel auf seine Seite bringt und dann dort Partystimmung ist. Wir versuchen, der Spielverderber zu sein und hart zur Sache zu gehen."

Was denken Sie denn, wie die Partie ausgeht?

"Ich halte es nicht für unmöglich, dass wir dort etwas mitnehmen können. Ich habe gelernt, immer an unser Team zu glauben. Dafür hat die Hinrunde genug Gründe geliefert. Aber natürlich hat Magdeburg einen anderen Kader als wir - mit Spielern, die Spiele allein entscheiden können."

Nicht mehr dabei ist der HSV Handball, der sich vom Spielbetrieb abgemeldet hat. Wie nehmen Sie das Aus nach 13 Jahren auf?

SC DHfK Stefan Kretzschmar
Stefan Kretzschmar vor dem Aufstieg des SC DHfK Leipzig im Frühjahr 2015. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, wenn man merkt wie hoch die Verbindlichkeiten sind. Wenn man der Liga etwas vorgegaukelt hat, ist das die gerechte Strafe. Alle arbeiten am Limit und versuchen aus ihren Möglichkeiten das Beste zu machen. Wenn man den Wettbewerb verzerrt, ist das allen anderen gegenüber ungerecht. Ganz uneigennützig formuliert leiden wir sehr darunter, dass es den HSV nicht mehr gibt. 17 Punkte hätten sich besser angehört, als 15. Niemand von unseren Abstiegskonkurrenten hat gegen den HSV gewonnen. Als Handballfan ist das Aus schade. Aber als gesamtdeutscher Gerechtigkeitsfanatiker ist es natürlich nur konsequent."

Inwiefern haben Sie trotzdem etwas Mitleid mit HSV-Geldgeber Andreas Rudolph?

"Für Andreas ist das sicher genauso tragisch wie für die gesamte Handball-Welt, dass dieser Verein kaputt gegangen ist. Dieser Mann hat über die Jahre hinweg 50 Mio. Euro aus seinem Privatvermögen investiert. Wer stellt sich da hin und sagt: 'Du bist der Bösewicht.'? Ich weiß nicht, warum man für die Mäzene dieser Welt negative Worte sucht. Sie stecken viel Geld in den Sport. Ich sehe da nichts Negatives. Ich weiß nicht, ob es unser Modell ist, einen großen Mäzen an Land zu ziehen. Kein Verein der Liga würde so etwas ablehnen. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Aber man muss immer gucken, ob man sich jemandem ausliefert und seine Identität verkauft. Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Zum Glück hatten wir so ein unmoralisches Angebot noch nicht. Wir mussten noch nicht darüber nachdenken."

Lesen Sie hier Teil zwei des Interviews. Darin äußert sich Kretzschmar über weitere Kaderplanungen.

mkö

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2016, 16:08 Uhr

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