Verbindung Erfurt-Halle/Leipzig Schnell erklärt: Die neue Bahnstrecke und ihre Folgen

Mitte Dezember 2015 nimmt die Deutsche Bahn die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Erfurt und Halle/Leipzig in Betrieb. Zwischen diesen Städten verringern sich die Reisezeiten - andere werden vom Fernverkehr abgehängt. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was geht wann in Betrieb?

Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 wird die Bahnstrecke Erfurt-Leipzig mit einem Abzweig nach Halle in Betrieb genommen. Es handelt sich um eine neu gebaute Hochgeschwindigkeitstrasse, die zwischen Erfurt und Gröbers bei Halle mit 300 km/h befahren werden kann. Um dieses hohe Tempo zu ermöglichen, verläuft die Strecke über sechs Talbrücken und durch drei Tunnel. Befahren werden kann die Strecke von Reisezügen und Güterzügen. Vorrangig genutzt werden soll sie von den ICE-Zügen der Deutschen Bahn AG. Der zweite Teil der Neubaustrecke - die Verbindung von Erfurt durch den Thüringer Wald nach Ebensfeld bei Bamberg - geht erst in zwei Jahren in Betrieb. Dann soll sich die Reisezeit von München nach Berlin um zwei Stunden und mehr verringern.

Wer profitiert von der Strecke?

Derzeit brauchen ICE-Züge von Leipzig nach Erfurt über die alte Strecke durch das Saaletal 72 Minuten - von Halle nach Erfurt sind es sogar 75 Minuten. Mit der neuen Strecke werden sich die Reisezeiten auf 45 bzw. 34 Minuten verringern. Schneller unterwegs sind damit Reisende etwa auf der Verbindung von Dresden nach Frankfurt am Main oder auf einer neuen Verbindung von Frankfurt am Main über Erfurt und Halle nach Berlin. Als Stadt profitiert vor allem Erfurt von der neuen Strecke: Der Bahnhof wird ein zentraler Knoten im ICE-Verkehr der Deutschen Bahn. Stündlich sollen sich hier zahlreiche Fernzüge treffen.

Wird es teurer?

Die Bahn lässt sich die Zeitersparnis von ihren Reisenden honorieren: Zum Normalpreis wird die Fahrt über die Neubaustrecke um bis zu sieben Euro teurer sein.

Wer wird abgehängt?

Durch die neue Strecke verliert Weimar fast alle Fernverkehrshalte - ICE-Züge fahren ab Dezember gar nicht mehr zu Goethe, ICs nur noch vereinzelt. Naumburg, Jena und Saalfeld droht dasselbe Schicksal 2017, wenn der südliche Teil der Strecke von Erfurt nach Ebensfeld in Betrieb geht. Vom 12. Januar bis 3. September 2016 nimmt die Bahn für Naumburg, Jena und Saalfeld jedoch das Ende der Fernverkehrshalte quasi vorweg: Wegen Bauarbeiten in Franken werden die Züge von Berlin nach München in dieser Zeit über die Neubaustrecke Leipzig-Erfurt und Fulda umgeleitet.

Was ändert sich noch?

Zeitgleich mit der neuen Strecke nimmt das Bahnunternehmen Abellio seinen Betrieb in Mitteldeutschland auf. Die Tochter der niederländsischen Bahn hat bei einer Ausschreibung das sogenannte E-Netz Saale-Thüringen-Südharz gewonnen, das Strecken wie Halle-Eisenach, Halle-Nordhausen oder Saalfeld-Leipzig umfasst. Bisher wurden diese Nahverkehrsstrecken von der Bahntochter DB Regio bedient. Abellio wird auf den Strecken mit 35 neuen Elektrotriebzügen vom Typ Talent 2 befahren, die unter anderem im mitteldeutschen S-Bahnnetz rund um Leipzig und Halle verkehren. Abellio wird unter anderem Weimar, Jena, Saalfeld und Naumburg anfahren und Reisenden damit den Anschluss an die ICE-Welt in Erfurt, Leipzig und Halle ermöglichen - zusammen mit DB Regio und der Erfurter Bahn.

Wie und wann fahre ich künftig Bahn?

Die neue Strecke ist bereits in die elektronische Fahrplanauskunft unter bahn.de eingearbeitet worden. Reisenden werden für die Zeit nach dem 13. Dezember die passenden Verbindungen mit den Zügen der Deutschen Bahn, deren Tochter DB Regio und von der Konkurrenz angezeigt.

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2015, 11:17 Uhr