Schnellverbindung durch den Thüringer Wald Neue ICE-Strecke lässt Reisezeiten massiv schrumpfen

Die Bahn zählt schon die Tage: 177 sind es am heutigen Freitag, bis das Unternehmen seine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Thüringer Wald in Betrieb nimmt. Die Reisezeiten von und nach Bayern sinken erheblich.

von Sebastian Großert

Die gestammelte Transrapid-Rede von Edmund Stoiber ist legendär. Der damalige bayerische Ministerpräsident radebrechte 2002 darüber, dass Reisende mit einer Magnetschwebebahn in zehn Minuten vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen sausen könnten. Das Projekt ist längst vergessen - wer von der Münchner Innenstadt zum Flieger will, fährt 40 Minuten mit der S-Bahn.

Drei Triebfahrzeugführer schauen während einer Testfahrt mit dem ICE-Sprinter auf der Neubaustrecke Erfurt - Bamberg auf die Gleise
Drei Triebfahrzeugführer schauen während einer Testfahrt mit einem ICE auf der Neubaustrecke Erfurt-Ebensfeld auf die Gleise. Bildrechte: dpa

Die lange Anreise zum Flughafen nervt viele Passagiere. Der Deutschen Bahn spielt sie in die Hände: Am 10. Dezember nimmt sie ihre neue Hochgeschwindigkeitsstrecke von Ebensfeld bei Bamberg in Oberfranken durch den Thüringer Wald nach Erfurt in Betrieb. 3 Stunden und 55 Minuten statt 6 Stunden werden die schnellsten ICE-Züge dann von München nach Berlin brauchen. Flugreisende dürften von Innenstadt zu Innenstadt kaum fixer unterwegs sein. Das Ziel der Bahn: Sie will ihren Marktanteil auf der Verbindung München-Berlin auf 40 Prozent verdoppeln.

Deutlich mehr Fernzug-Halte in Erfurt

Bahnchef Richard Lutz preist das Projekt als "größte Angebotsverbesserung für unsere Kunden seit der Bahnreform 1994". Die Rennstrecke durch den Thüringer Wald, die für Tempo 300 ausgelegt ist, wird nicht nur Reisenden zwischen München und Berlin Zeit sparen. Von Erfurt nach Nürnberg etwa schrumpft die Fahrzeit von 3 Stunden 10 Minuten auf 1 Stunde 20 Minuten. Dresden-München ist mit der Bahn künftig in 4 Stunden 45 Minuten zu schaffen statt in 6 Stunden wie bisher.

Erfurt wird dabei "zu den größten Profiteuren" zählen, lobt sich die Bahn: Ab Mitte Dezember verdoppelten sich die Fernverkehrshalte in Thüringens Landeshauptstadt auf 90 pro Tag. Pro Stunde würden ICE-Züge von Erfurt aus in drei Richtungen fahren - nach Nürnberg/München, nach Berlin über Halle und Leipzig und nach Frankfurt am Main.

Nahverkehrs-Fahrpläne werden angepasst

Damit auch Bewohner abseits der ICE-Halte von den schnellen Zügen profitieren, werden die Fahrpläne der Nahverkehrszüge angepasst. Von der größten Fahrplanumstellung seit Jahrzehnten spricht Richard Lutz. Der Bahnchef: "Was nützt mir ein pfeilschneller Zug, wenn ich in Erfurt eine halbe Stunde auf den Anschlusszug warten muss?"

Die 107 Kilometer lange Neubaustrecke von Erfurt nach Ebensfeld ist bis auf minimale Restarbeiten fertig. Baufirmen haben 22 Tunnel gegraben und 29 Talbrücken errichtet. Seit Mai laufen die Testfahrten. Im August startet der Probebetrieb, bei dem die Züge nach regulären Betriebsvorgaben auf der Strecke fahren - nur noch ohne Fahrgäste. Dabei sollen sich die Triebfahrzeugführer und Fahrdienstleiter mit der neuen Trasse vertraut machen, sagt Projektleiter Olaf Drescher. Er verantwortet das gesamte "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8", das auch die 2015 in Betrieb gegangene neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Erfurt und Leipzig/Halle umfasst sowie den Ausbau der Strecken Halle/Leipzig-Berlin und Ebensfeld-Nürnberg. Zehn Milliarden Euro wird das Projekt am Ende gekostet haben - das weicht laut Drescher gerade drei bis fünf Prozent von der Kalkulation von 2006 ab.

Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 Leipzig/Halle-Berlin: Ausbau, 187 km, 2 Brücken, Inbetriebnahme 2006

Erfurt-Leipzig/Halle: Neubau, 123 km, 3 Tunnel, 6 Brücken, Inbetriebnahme 2015

Ebensfeld-Erfurt: Neubau, 107 km, 22 Tunnel, 29 Talbrücken, Inbetriebnahme 2017

Nürnberg-Ebensfeld: Ausbau, 83 km, 2 Tunnel, 2 Brücken, Inbetriebnahme 2012

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16.06.2017 | ab 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2017, 20:22 Uhr

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