Der Schriftzug -Notarzt Rettungsdienst- auf der Motorhaube eines Rettungswagens
Bildrechte: IMAGO

Zu wenig Platz an ICE-Neubaustrecke Landkreis Sonneberg verklagt die Bahn

Ein Jahr vor Inbetriebnahme der neuen ICE-Trasse durch den Thüringer Wald hat der Rettungsdienst-Zweckverband noch erhebliche Sicherheitsbedenken. So hält er die Rettungsflächen an den Tunnelportalen für zu klein. Deshalb hat der Landkreis Sonneberg die Deutsche Bahn AG verklagt.

von Bert Weber

Der Schriftzug -Notarzt Rettungsdienst- auf der Motorhaube eines Rettungswagens
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Der Rettungsdienst-Zweckverband Südthüringen hat das ganz große Geschütz aufgefahren: Wie Verbandsvorsitzender Jens Triebel, zugleich Suhler Oberbürgermeister, am Donnerstag in Sonneberg mitteilte, hat der Landkreis Sonneberg als Verbandsmitglied beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Deutsche Bahn verklagt.

Zu wenig Platz für Retter

Grund sind die Rettungsplätze an den Ein- und Ausfahrten der ICE-Tunnel, die nach Ansicht des Verbandes viel zu klein sind, um bei einem Massenereignis ausreichend Platz für Rettungsfahrzeuge oder zum Versorgen von Verletzten zu bieten. Mit der Klage will der Landkreis erreichen, dass die Bahn entlang der ICE-Strecke durch den Thüringer Wald größere Flächen einrichtet. Gespräche mit der Bahn hätten im Vorfeld keine Einigung gebracht. Wie die Sonneberger Landrätin Christine Zitzmann mitteilte, hat das Eisenbahnbundesamt bereits Unterlagen angefordert. Das zeige, dass in das Verfahren Bewegung gekommen sei. Einen Verhandlungstermin gibt es laut Zitzmann bislang aber nicht.

Forderung nach hauptamtlicher Tunnelfeuerwehr

Christine Zitzmann, Landrätin im Kreis Sonneberg
Christiane Zitzmann, Landrätin im Kreis Sonneberg Bildrechte: MDR/Bert Weber

Dem Verband gehören die Landkreise Hildburghausen und Sonneberg sowie die kreisfreie Stadt Suhl an. Er ist damit für das Rettungswesen von 160.000 Bewohnern zuständig. Im Zusammenhang mit der neuen ICE-Strecke von Erfurt nach Nürnberg forderte Landrätin Zitzmann zudem eine hauptamtliche Tunnelfeuerwehr.

Im Kreis Sonneberg gebe es drei Tunnelbasiseinheiten, die allesamt technisch hervorragend ausgestattet seien, so Zitzmann. Doch alle Feuerwehrleute arbeiten ehrenamtlich. "Wir werden auf Dauer an einer Berufsfeuerwehr nicht vorbei kommen." Die Menschen würden immer älter, sie arbeiteten oft auswärts, die Bereitschaft zum Ehrenamt nehme ab, so die Landrätin.

Kommunikations-Probleme zwischen Bayern und Thüringen

Probleme sieht der Zweckverband auch bei der Kommunikation entlang der ICE-Trasse, auf der die Züge mit bis zu Tempo 300 unterwegs sein sollen. Verbandschef Triebel sagte, bei einem Zwischenfall zwischen Thüringen und Bayern gebe es ein Riesenproblem.

"Die Bayern haben ihren kompletten Funk auf digital umgestellt, in Thüringen hat nur die Polizei Digitalfunk. Rettungsdienste und Feuerwehr sind noch analog." Wie da die Kommunikation laufen solle, zumal bei der schwierigen Topographie mit Bergen und Tälern, bleibe für viele ein Rätsel.

Verband zieht positive Gesamtbilanz

Ansonsten zog der Verband eine durchweg positive Bilanz seiner zehnjährigen Geschichte. Im Verbandsgebiet gibt es zehn Rettungswachen, die jüngste war nach achtjährigem Kampf mit den Krankenkassen im Frühjahr in Masserberg eröffnet worden. Herzstück des Rettungswesens ist die Leitstelle. Sie ist rund um die Uhr besetzt. Der Verband beschäftigt 25 Mitarbeiter, darunter 18 Rettungsassistenten in der Leitstelle, die die Einsätze in den Rettungswachen auslöst und koordiniert.

Allein die Stadt Suhl zahlt dafür pro Jahr rund 350.000 Euro. Verbandschef Triebel forderte von der Landesregierung nun ein klares Signal, wie die Leitstellen im Freistaat künftig verteilt werden sollen. "Nach zehn Jahren stehen hohe Investitionen in neue Computertechnik an. Und es ist ein Unterschied, ob ich Technik für 160.000 oder 350.000 Einwohner benötige." Das Innenministerium wolle zwar die Leitstellen im Land neu strukturieren - wie, das wisse aber niemand.

Paradoxe Situation in Südhüringen

In Südthüringen gibt es ohnehin eine paradoxe Situation: Die Leitstelle befindet sich im Gefahrenabwehrzentrum direkt an der A71 in Zella-Mehlis und damit auf dem Gebiet des Landkreises Schmalkalden-Meiningen. Der unterhält in Meiningen eine eigene Leitstelle und lehnt es bislang ab, dem Verbund der drei anderen Partner beizutreten. Wenn im Gebiet um das Gefahrenabwehrzentrum jemand zu Schaden kommt und die 112 wählt, läuft der Notruf daher in Meiningen auf.

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2016, 20:06 Uhr