Netzausbau : Tausende Kilometer neuer Leitungen sind nötig
Eines der zentralen Projekte des Umstiegs auf die Nutzung erneuerbarer Energiequellen ist der Ausbau des Netzes zur Stromübertragung. An dessen Kapazitäten werden hohe Anforderungen gestellt: Das Netz muss die ständig wachsende Zahl von Einspeisern verkraften - fast täglich nehmen neue Solar- und Windkraftanlagen den Betrieb auf - und es muss in der Lage sein, starke Schwankungen bei der Stromerzeugung auszugleichen. Wenn beispielsweise an der Küste starker Wind weht, erzeugen Offshore-Anlagen im Meer mehr Strom als an ruhigeren Tagen. Um eine Überlastung des Netzes zu verhindern, müssen andere Kraftwerke in dieser Zeit ihre Leistung drosseln. An sonnenarmen und windstillen Tagen, wenn Solar- und Windkraftwerke wenig Strom liefern, müssen konventionelle Kraftwerke hingegen wieder mehr Strom liefern, um den Bedarf zu decken.
Dena: 4.500 Kilometer neue Stromleitungen werden gebraucht
Die Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass Deutschland spätestens ab dem Jahr 2050 seinen Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen deckt. Bis dahin muss das Stromübertragungsnetz auf eine - im Vergleich zu heute - stärker dezentrale Energieerzeugung ausgerichtet sein. Wieviele Stromleitungen bis dahin noch neu gebaut werden müssen, ist derzeit umstritten. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) geht davon aus, dass rund 4.500 Kilometer neue Leitungen für den überregionalen Stromtransport notwendig sind. Hinzu kämen noch Tausende Kilometer auf der regionalen Verteilerebene. Nach Ansicht des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) sind lediglich 900 Kilometer neuer Leitungen notwendig. Die Kostenschätzungen für den Netzausbau liegen im zweistelligen Milliardenbereich.
Wie viele Kilometer es letztlich auch sein werden: Der Netzausbau stößt zunehmend auf Kritik. Denn nicht nur die vielen neuen Windräder und Solaranlagen, sondern auch die Pläne für neue Stromtrassen mit ihren riesigen Masten und kilometerlangen Leitungen führen den Menschen im Land die bislang gern ignorierte Tatsache vor Augen, dass Strom irgendwo auch erzeugt werden muss. Bisher leben nur vergleichsweise wenige Menschen mit einem riesigen Atom- oder Kohlekraftwerk vor ihrer Haustür. Im Zuge der Energiewende entstehen nun Tausende kleiner Kraftwerke, die das Landschaftsbild prägen.
Lokale Bürgerinitiativen wehren sich
Immer häufiger bilden sich nun lokale oder regionale Bürgerinitiativen, die gegen den Bau neuer Windräder im Ort oder geplante Stromtrassen mobil machen. So tobt bereits seit einigen Jahren in Südthüringen ein erbitterter Streit zwischen Kommunen und Einwohnern einerseits und Energieerzeugern und Landesregierung andererseits über eine 380-Kilovolt-Trasse durch den Thüringer Wald. Zwar gibt es mittlerweile ein höchstrichterliches Urteil für den Bau der Leitung, doch der Widerstand vor Ort ist damit nicht beendet worden. Die Gegner des Projekts fürchten unter anderem um den touristischen Wert der Region, wenn sich eine hundert Meter breite und mit Strommasten bestückte Schneise durch den Thüringer Wald ziehen sollte.
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