Rückblick

Polizeireform : Thüringens Polizei wird jetzt aus Erfurt dirigiert

Die neu geschaffene Landespolizeidirektion hat in Erfurt feierlich ihre Arbeit aufgenommen. Thüringens Innenminister Jörg Geibert sagte bei einem Festakt am Montag, künftig solle von hier aus die Thüringer Polizei zentral geleitet werden. Die Landespolizeidienststelle sei eine Herausforderung, sie bringe aber auch mehr Effizienz und mehr Polizeipräsenz. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sagte, mit der Behörde "wird eine der wichtigsten Reformen der gesamten Legislaturperiode verwirklicht".

Die Direktion gilt als Kernstück der im Herbst 2011 vom Landtag beschlossenen Polizeistrukturreform. Ziel des Umbaus ist es, die Polizei in Thüringen künftig effizienter zu organisieren und mehr Polizisten auf der Straße einzusetzen. Die bisherigen sieben Polizeidirektionen im Freistaat wurden im Zuge der Reform zu Landespolizeiinspektionen heruntergestuft.

Neben den sieben Inspektionen sind der neuen Behörde in der Erfurter Andreasstraße künftig auch die Autobahn- und die Bereitschaftspolizei unterstellt. Der Chefposten des Landespolizeipräsidenten bleibt vorerst noch unbesetzt. Zudem seien noch etwa 150 Posten in der LPD offen, sagte Geibert. Bis Ende 2013 soll auch die künftige Landes-Einsatzzentrale ans Netz gehen. Sie kann dann alle rund 350.000 Notrufe jährlich aus ganz Thüringen entgegennehmen.

Geibert: Alle Standorte bleiben erhalten

Geibert erklärte, alle bisherigen Polizeistandorte sowie auch die Ansprechpartner blieben erhalten. In der Landespolizeidirektion selbst sollten einmal mehr als 400 Beamte und Angestellte arbeiten, allerdings nicht alle in Erfurt. So bekämen Temposünder ihre Knöllchen künftig aus Artern - jedoch nicht mehr von der Bußgeldstelle als eigenständige Behörde, sondern von einer Abteilung der Landespolizeidirektion.

Rückblick: Meldungen zur Modernisierung der Thüringer Polizei

Jahrelang wurde die Polizeireform in Thüringen vertagt. Hier finden Sie die gesammelten, früheren Meldungen im Zusammenhang mit der Strukturreform. [mehr]


Reform-Kritik auch aus eigenen Reihen

Der Thüringer Bund der Kriminalbeamten kritisierte die Reform als Kaputtsparen der Polizei, der gleichzeitig immer mehr Aufgaben übertragen würden. Gleichzeitig würden das Einsatzgeschehen und die Kriminalitätsformen immer komplexer. Während der Strukturdiskussion hatte auch die Gewerkschaft der Polizei bezweifelt, dass die Reform mehr Polizisten in den Streifendienst bringen könne.

Lieberknecht sagte, sie sei überzeugt, dass die Reform positive Effekte bringen werde. Es gehe aber gleichzeitig darum, im Alltag den Polizisten den Rücken zu stärken. Sie trügen die Hauptlast und seien die Garanten der inneren Sicherheit.

Zuschnitt der Polizeidirektionen in Thüringen

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2012, 20:47 Uhr

5. Thüringer:
Wenn "PI Wald und Wiese" Recht hat, beschleicht einem der Gedanke, dass hier vielleicht über "Umwege" wieder einmal höherwertige Beamtenstellen (für eine kleine elitäre Gruppe) geschaffen werden, weil sich hier Groß-Behörden ergeben haben - die die Aufgaben von zuvor kleineren Dienststellen mit weniger gutbezahlten Polizisten, übernehmen. Nur eben der Polizist, der immer wieder mit dem Bürger in Kontakt kommt, der wird mit gleichem Gehalt aber noch mehr optimierter Aufsicht seine Arbeit machen müssen - ganz ohne Aussicht auf eine Weiterentwicklung oder gar Perspektive. Ich erinnere mich an einen Beitrag des MDR bei dem von einem hohem Krankenstand in der Polizei gesprochen wurde - hoffentlich ist das keine Form von Arbeitsverweigerung!!!!
03.07.2012
22:05 Uhr
4. PI Wald und Wiese:
. 6. Wird doch kaum Personal gespart, schließlich fallen die 70 Beamten nicht vom Himmel und 7. Kostet der Irrsinn auch noch 10 Millionen. Und noch eins: Die geplante Struktur des Digitalfunkes, welcher übrigens in der jetzigen technischen Variante ganz schöner Mist ist (Empfang, Sprachqualität und Anfangswartezeit)ist ebenfalls nicht die glücklichste: Nun hört keiner mehr in seinem Bereich was auf der Autobahn los ist und andersrum. Wehe wenn da mal schnell geholfen werden könnte, aber es zu lange dauert bis man voneinander weiß...
03.07.2012
15:32 Uhr
3. PI Wald und Wiese:
2. Informationsverlust - es kennt doch wohl jeder stille Post... 3. Soll der Schichtleiter/Wachleiter Entscheidungen treffen, obwohl er nicht selber mit dem Mitteiler sprach und so für ihn wichtige Informationen abfragen kann, sondern auf die Informationen aus Erfurt angewiesen ist. 4. Selbst wenn der Beamte in Erfurt auf seinem Monitor sieht, wo der Anrufer gerade ist, kennt er sich dennoch nicht im Bereich aus, wenn etwas beschrieben wird. Ganz blöd wird es dann bei lokalen Sonderbegriffen oder kann einer was mit der "Zwick", dem "Ponyhof" oder dem "Luftschiff" anfangen?? 5. Bislang war es möglich den Anrufer in der Leitung zu lassen und parallel hierzu die Kräfte zu schicken, etwa bei flüchtigen Tätern um 1:1 deren Position und Richtung zu übermitteln.
03.07.2012
15:31 Uhr
2. PI Wald und Wiese:
Mal abgesehen von der Augenwischerei mit den 400 Beamten mehr im Streifendienst (Diese Zahl wird niemals erreicht und wir sind gespannt, wieviele - wenn überhaupt einer - ankommen) ist das mit der Landeseinsatzzentrale der größte Mist, den sich einer ausdenken konnte! Zumindest der Teil mit den Notrufen... Was gibt es denn für Vorteile?? Eine einheitliche Führung? Das ist doch schon jetzt gegeben, da die gleichen Richtlinien usw. überall gleich in Thüringen gelten. Und hierzu auch entsprechende Meldepflichten. Aber dafür ganz viele Nachteile: 1. Zeitverzug, da nun ein Telefon mehr in der Alarmierungskette ist - egal ob Kollegen oder z.B. Feuerwehr, Rettung...
03.07.2012
15:30 Uhr
1. Thüringer:
Die Thüringer Polizei hat nun wieder eine Struktur erhalten, wie sie schon in Teilen einmal war. Das kann daran liegen, dass die Polizei zahlreiche "Chefs" (Innenminister) hatte, welche so manches Mal kaum eine Wahlperiode überstanden. Stiefmütterlich behandelt ist diese Polizei dennoch, bei aller unterstellten besten Absicht der Regierenden sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass die Fusstreifen von den geringstbezahltesten und mit den wenigsten Aufstiegschancen in ganz Deutschland bewerkstelligt werden. Sie können bloß hoffen, dass auch die anderen Versprechen des Ministeriums für das Jahr 2012 erfüllt werden - nämlich Beurteilungssystem überarbeiten und eine Dienstrechtsreform! Denn nicht nur immer neue Effizienzen und neue Aufgabenbereiche sollten der Polizei zugestanden werden, auch eine vergleichbare Ausbildung und Laufbahnreformen - so wie in den "gebrauchten Bundesländern" tut mehr als Not!
02.07.2012
19:45 Uhr

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