Rückblick

Safer Internet Day : Experte: "Online-Nutzer sind oft zu gutgläubig"

Jedes Jahr im Februar soll der Safer Internet Day die Nutzer für die Gefahren im Netz sensibilisieren. Die Sicherheit der heimischen Computer ist vielen wichtig, aber gesurft wird heute überall. IT-Experten mahnen daher, vor allem bei mobilen Geräten die Sicherheit nicht aus den Augen zu lassen. Professor Wolfgang Kleinwächter von der Universität Aarhus in Dänemark spricht sich für eine frühzeitige Interneterziehung aus.

Frau tippt auf das Display des Motorola Xoom Tablet mit dem neuen Betriebssystem Android 3.0 Honeycomb.

Der richtige Umgang mit dem Internet sollte schon im Kindergarten unterrichtet werden. Das fordert Wolfgang Kleinwächter, IT-Experte und Professor an der dänischen Universität Aarhus. Bei MDR INFO sagte Kleinwächter, die sogenannte Interneterziehung gehe nicht erst im Teenager-Alter oder im Berufsleben los. Sie müsse wie das richtige Verhalten im Straßenverkehr von Kindesbeinen an gelehrt werden.

"Eine E-Mail ist kein zugeklebter Brief"

Kleinwächter erklärte, viele Internetnutzer seien zu gutgläubig. Sobald sie vor ihrem Rechner säßen, unterlägen sie der Illusion, sie seien allein im Raum. Eine E-Mail etwa sei aber kein zugeklebter Brief, sondern eher wie eine Postkarte zu verstehen, die im Grunde jeder mitlesen könne. Weitere Risiken seien Viren, Schadsoftware oder wenn unbedacht Kreditkartendaten weitergegeben würden. Dennoch sei das Internet "die tollste Errungenschaft des 21. Jahrhunderts", sagte Kleinwächter.

Aktionstag zu sicherem Surfen mit Smartphones

Anlässlich des Safer Internet Days am 7. Februar warnen Experten auch vor den Gefahren, denen Smartphone-Besitzer ausgesetzt sind. Wer auf diese Weise mobil ins Internet geht, kann immer leichter Opfer von Betrügern werden. An dem Aktionstag beteiligen sich zahlreiche Institutionen und Organisationen wie Behörden, Verbraucherzentralen, Unternehmen, Medien und Privatpersonen, koordiniert wird der Aktionstag in Deutschland vom Projekt "klicksafe".

Die Sicherheit in mobilen Netzen ist in diesem Jahr Schwerpunkt des Aktionstags. Und die Gefahr, mit dem Smartphone in eine Betrügerfalle zu tappen, steigt. Der Sicherheitssoftware-Hersteller Symantec zählte bis Ende Dezember vergangenen Jahres allein 500 verschiedene Schadprogramme für das Smartphone-Betriebssystem Android. Android ist nach einer Mitteilung von Symantec bei Kriminellen besonders beliebt, weil im Vergleich zu dem iOS-System der iPhones und iPads der Marktplatz für Zusatzprogramme weniger überwacht werde. Die Ziele der Schadprogramme sind dabei vielfältig und reichen vom SMS-Versand an kostenpflichtige Nummern über das permanente Anklicken von Werbung bis hin zum Ausspähen von persönlichen Dateien. Das werde besonders gefährlich, wenn die Nutzer auf ihren Geräten auch die Zugänge zu Kontodaten lagerten.

Gefahr bei öffentlichen Netzen

Auch bei der Nutzung von frei verfügbaren Netzen raten die Experten zu Vorsicht. Orte wie Flughäfen, Bahnhöfe oder Cafés, wo jeder sich problemlos in die bereitgestellten W-LAN-Netze einwählen kann, werden für Betrüger zunehmend attraktiv. Laut IT-Experte Hannes Federrath stehen die Geräte, die sich in die Netze eingewählt haben, potenziellen Betrügern regelrecht offen. So sei es denkbar, dass sich Hacker in ein Café oder an einen Flughafen setzen und darauf warten, dass andere Teilnehmer ihre Notebooks aufklappen, um sich dann in deren Computer zu hacken. Zum Schutz empfiehlt Federrath vor allem, die Programme zu prüfen, die einem zum Download angeboten werden. Darüber hinaus sollte das System regelmäßig aktualisiert werden.

Portal informiert über Sicherheit in Netzwerken

Aber die mobile Internetnutzung ist nicht der einzige Schwerpunkt am Safer Internet Day. So will unter anderem die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bei jungen Menschen für einen sicheren Umgang mit dem Internet im Allgemeinen und mit sozialen Netzwerken im Speziellen werben. Eigens dafür wurde das Internetportal "Ins-Netz-gehen.de" eingerichtet. Es soll Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei helfen, im Netz verantwortungsvoll mit persönlichen Daten umzugehen und die im Internet verbrachte Zeit im Auge zu behalten. Der Bundeszentrale zufolge gehen 90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen täglich oder mehrmals die Woche ins Internet.

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2012, 21:15 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Safer Internet Day

Der Safer Internet Day ist ein weltweiter Aktionstag für mehr Sicherheit im Netz. Ins Leben gerufen wurde er von der EU. Seit 2004 findet er am zweiten Dienstag im Februar statt. In Deutschland finden am Safer Internet Day vor allem zahlreiche Informationsveranstaltungen statt. In die Aktionen sind neben dem Verbraucherschutzministerium das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und die Verbraucherzentralen eingebunden.

Hotline der Verbraucherzentrale Sachsen

Experten der Verbraucherzentrale beraten heute zu Themen wie Datenschutz in sozialen Netzwerken,Cybermobbing, Abofallen im Internet oder dem Herunterladen von Filmen und Musik.

Telefon: 0180-2-556611 (zwischen 14 und 16 Uhr)

Ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet sechs Cent, Anrufe aus Mobilfunknetzen können teurer sein.

© 2012 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK