Ehrung
Point-Alpha-Preis an DDR-Bürgerbewegung
Mit dem Point-Alpha-Preis ehrt das Kuratorium Deutsche Einheit Personen, die sich um die Einheit Deutschlands und Europas verdient gemacht haben. 20 Jahre nach der friedlichen Revolution ging der Preis an die gesamte Bürgerbewegung der DDR. Die Festrede hielt Joachim Gauck, anschließend debattierten Bürgerrechtler über die Errungenschaften der friedlichen Revolution.
Die Bürgerbewegung der DDR hat am Mittwoch den Point-Alpha-Preis erhalten. Das Kuratorium Deutsche Einheit ehrte die gesamte DDR-Oppositionsbewegung für Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit. Kuratoriumspräsidentin Christine Lieberknecht erklärte, damit bezeuge man der Bürgerbewegung ihren tiefen Respekt. Das Kuratorium trete zudem mit dem Preis dafür ein, "dem historischen Erbe der Bürgerbewegung in der Erinnerung unseres Volkes einen Ehrenplatz zu sichern." Lieberknecht fügte hinzu: "Wie viel unsere Freiheit uns und unseren Kindern wert sein muss, das erkennen wir am Mut und am unbeugsamen Freiheitsstreben von 1989."
Gauck würdigt die "Unvernünftigen"
Als Festredner würdigte der erste Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Joachim Gauck, diejenigen, die in der DDR gegen Missstände und Unrecht aufgetreten sind. Und das zu einer Zeit, in der sie nur wenige waren. Ironisch meinte er, vernünftiger wäre es gewesen, sich in der Diktatur anzupassen. Zum Glück habe es Menschen gegeben, die diese Art von Vernunft nicht hatten. Zugleich mahnte Gauck: "Von den Menschen aus der Bürgerrechtsbewegung lernen, heißt auch, sich zu bewähren, wenn die Diktatur vorbei ist."
"Von den Menschen aus der Bürgerrechtsbewegung lernen, heißt auch, sich zu bewähren, wenn die Diktatur vorbei ist."
Für ein optimales Audio- und Video-Erlebnis benötigen Sie den kostenlosen Flash Player ab Version 9.0.115.
Joachim Gauck: "Freiheit als Verantwortung verstehen"
Bürgerrechtler in der Diskussion
An der Preisverleihung, die bewusst am 17. Juni, dem Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR, im Grenzmuseum "Point Alpha" bei Geisa in der Rhön stattfand, nahmen zahlreiche Vetreter früherer Oppositionsgruppen der DDR teil. In einer Diskussionsrunde debattierten die Regisseurin Freya Klier, die Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, Angelika Barbe und Günter Weißgerber, der Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs und jetzige Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, und der Mitbegründer der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt, Konrad Weiß, über "die Errungenschaften und Ergebnisse der Friedlichen Revolution". Weiß sieht diese gefährdet, "wenn politische Kräfte am rechten und linken Rand weiter erstarken". Klier kritisierte, dass sich im Osten viele Schulen der Aufklärung über die Vergangenheit verweigern würden. Barbe, die die SPD wegen deren Zusammenarbeit mit der PDS verlassen hatte, erinnerte noch einmal an alltägliche Repressalien in der DDR. Weißgerber bekannte, er werde weiterhin innerhalb der SPD gegen ein Zusammengehen mit der Linken kämpfen. Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung vom 1988 aus der DDR ausgewiesenen Bürgerrechtler, Sänger und Schriftsteller Stephan Krawczyk.
Für ein optimales Audio- und Video-Erlebnis benötigen Sie den kostenlosen Flash Player ab Version 9.0.115.
Point-Alpha-Preisverleihung: Die Podiumsdiskussion
Filmische Erinnerungen an Stationen des Umbruchs
In Filmeinspielungen wurde an wichtige Stationen der friedlichen Revolution in der DDR erinnert. Dazu zählen die Aktionen zu den Kommunalwahlen 1989, die Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 und die Erstürmung und Besetzung der Stasi-Zentralen im Winter 1989/90. Dabei kamen prominente Persönlichkeiten wie Albrecht Schröter, Christian Führer und Matthias Büchner zu Wort. Ein besonderer Filmbeitrag widmete sich Bärbel Bohley und ihrer herausragende Rolle als Oppositionelle und Bürgerrechtlerin. Alle vier Filme führt die Point-Alpha-Stiftung auch über den Tag der Preisverleihung hinaus auf. Mit ihnen soll vor allem Schülern ein authentischer Einblick in die Umbruchzeit 1989 gegeben werden.
Preisgeld für das Bürgerbüro
Das Preisgeld von 25.000 Euro erhält stellvertretend das Berliner Bürgerbüro zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur. Das Büro war 1996 unter anderem von Bärbel Bohley, den Schriftstellern Jürgen Fuchs und Ralph Giordano sowie dem jetzigen Vorsitzenden des Vereins, dem Theologen Ehrhart Neubert, gegründet worden. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" ist Bohley wenige Tage vor der Preisverleihung aus dem Verein Bürgerbüro ausgetreten.
Preis nach Point-Alpha benannt
Der "Point-Alpha-Preis" ist nach einem US-Stützpunkt an der Grenze von Hessen nach Thüringen benannt. Der Stützpunkt zwischen den Orten Geisa und Rasdorf lag in der sogenannten "Fulda Gap" (Fulda-Lücke), in der die Militärstrategen der westlichen Alliierten einst im Ernstfall die Invasion der Truppen des Warschauer Pakts erwarteten. Heute ist "Point Alpha" eine Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte.
Erste Preisträger waren Bush, Gorbatschow und Kohl
Der Preis wird in unregelmäßigen Abständen für Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas verliehen. Erste Preisträger waren 2005 der frühere US-Präsident George Bush, der ehemalige sowjetische Präsident und KPdSU-Chef Michail Gorbatschow sowie Altbundeskanzler Helmut Kohl. Im vorigen Jahr ehrte das Kuratorium den tschechischen Dissidenten und späteren Präsidenten seines Landes, Vaclav Havel.
Kuratorium zu Ehren des Volksaufstandes von 1953
Das Kuratorium Deutsche Einheit wurde 2003 zum 50. Jahrestag des DDR-Aufstandes vom 17. Juni 1953 gegründet. Neben der Preisverleihung unterstützt der gemeinnützige Verein wissenschaftliche Projekte, Publikationen und Veranstaltungen. Dem Kuratorium gehören 15 Persönlichkeiten aus ganz Deutschland an, darunter die Thüringer Sozialministerin Christine Lieberknecht (CDU), der Chef des Fördervereins "Point Alpha", Berthold Dücker, sowie die Bischöfe Martin Hein von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck und Joachim Wanke des katholischen Bistums Erfurt.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2009, 13:56 Uhr

