Thüringen

Streit um Ärztehonorare : Thüringer Ärzte halten Praxen geschlossen

Mit einem symbolischen Tag der "Kassenbürokratie" haben viele niedergelassene Ärzte in Thüringen versucht, den Druck auf die gesetzlichen Krankenkassen im Streit um höhere Honorare zu erhöhen. Sie hielten die Praxen geschlossen oder behandelten nur lange vorbestellte Patienten. Stattdessen wollten sie die Sprechzeit für Verwaltungstätigkeit nutzen.

Ein Schild mit der Aufschrift Thüringer Ärztestreik, unsere Praxis bleibt am Freitag 28. September geschlossen, Patientenversorgung ist über den kassenärztlichen Notdienst gesichert
Hinweis auf den Ärztestreik am Freitag in einer Praxis in Erfurt

Mit dieser Aktion wollten die rund 3.200 niedergelassenen Ärzte im Freistaat ein Zeichen setzen, sagte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Annette Rommel. Sie richte sich nicht gegen die Patienten. Eine Notfallversorgung sei organisiert gewesen. Zudem haben die Mediziner laut KV einen Tag gewählt, an dem wenige Patienten betreut werden. Der Freitag war der letzte Behandlungstag des laufenden Quartals, an dem viele Praxen ohnehin ihre Sprechzeiten einschränken oder schließen, um die Abrechnung zu erledigen. "Wir haben den Termin für den Protesttag bewusst so gewählt, um die Auswirkungen auf die Patienten möglichst gering zu halten", sagte Rommel.

Streit um Honorarbudget

Seit Monaten streiten die niedergelassenen Ärzte in Deutschland mit den gesetzlichen Kassen über das Honorarbudget für das kommende Jahr. Die Kassen wollen das Gesamtbudget nach bisherigem Stand um 270 Millionen Euro erhöhen. Die Ärzte verweisen jedoch auf gestiegene Kosten und verlangen rund 3,5 Milliarden Euro mehr. Das Angebot der Kassen bedeute, "dass wir nicht einmal einen Inflationsausgleich erhalten", sagte Rommel. Von den Honoraren müssten das Praxispersonal und die laufenden Kosten gedeckt werden.

Die für Freitag in Thüringen geplante Aktion ist Teil einer von den Ärzten vor zwei Wochen angekündigten Strategie der "Nadelstiche". Dabei wollen die Mediziner auf den von den Kassen geforderten hohen Verwaltungsaufwand und die dadurch entstehende Mehrarbeit aufmerksam machen. Die Verhandlungen auf Bundesebene sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Deren Ausgang sei auch richtungsweisend für die in Thüringen anstehenden Verhandlungen, sagte Rommel. Sie sehe auch Signale bei Thüringer Kassen, dass diese bei dem von den Ärzten geforderten Abbau des bürokratischen Aufwandes auf die Mediziner zugingen.

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2012, 22:40 Uhr

5. Observer:
Der deutesche Bürger ist Spitzenreiter in Sachen jährliche Arztbesuche weltweit. Man höre und staune ganze 18mal rennt der deute Hypochonder durchscnittlich pro Person im Jahr zum Arzt. Schließlich hat er ja dafür durch Krankenversicherungsbeitrag gezahlt und somit steht Ihm dieser Irrsinn ja auch zu. Vielleicht nützt ja dieser Ärzteboykott auch dazu, daß der eine oder andere mal über sein Verhalten in Sachen Arzbesuch nachdenkt!? So schön kann das Wartezimmer beim Arzt doch gar nicht sein, daß ich 18mal im Jahr dort hinrenne. Mehr Bewegung und weniger Essen würde so manches Problem von alleine lösen. Aber zum Arzt gehen ist ja bequemer. Darauf eine Thüri8nger Bratwurst!
29.09.2012
15:42 Uhr
4. TopAnwalt ;):
@Frau Kreft: aufwände in Rechnung stellen. Sie haben beste Chancen!
28.09.2012
20:08 Uhr
3. Christina Kreft:
Habe am 20.9.einen Termin bei einem Facharzt 35km von meinem Heimatort entfernt, für den 28.9.2012, bekommen.Ich arbeite im Nachtdienst und habe nur 2,5h geschlafen um den Termin wahr nehmen zu können.Als ich dort ankam,war die Praxis geschlossen.Kann man dann nicht bestellte Patienten telefonisch benachrichtigen?
28.09.2012
16:25 Uhr
2. Rolf Piper:
Wodurch unterscheidet sich dieser Streik von den normalen Sprechzeiten? Mo - ab Mittag Di - ganztätgig Mi - bis Mittag Do- bis Mittag Fr - u.U. bis Mittag oder gar nicht! Eine Kürzung um 50% wäre angemessen! Und dann noch Therapeuten, deren Kenntnisstand unter dem einer Krankenschwester liegt und dem eines Sportlehrers mit Hochschulabschluss. Sie sehen Streik oder kein Streik - kein Unterschied!" Was ist mit Hausbesuchen? 24H Erreichnbarkeit? Na aslo!
28.09.2012
15:56 Uhr
1. Kranker:
Bitte etwas kritischer in den Überschriften und Kurztexten! Wenn die Ärzte heute Verwaltungsarbeit machen statt sich um die Patienten zu kümmern, sind das ja wohl eher Nadelstiche gegen die Patienten. Und nicht gegen die Kassen (=Verwaltung).
28.09.2012
10:01 Uhr

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