Streit um Ärztehonorare : Thüringer Ärzte halten Praxen geschlossen
Mit einem symbolischen Tag der "Kassenbürokratie" haben viele niedergelassene Ärzte in Thüringen versucht, den Druck auf die gesetzlichen Krankenkassen im Streit um höhere Honorare zu erhöhen. Sie hielten die Praxen geschlossen oder behandelten nur lange vorbestellte Patienten. Stattdessen wollten sie die Sprechzeit für Verwaltungstätigkeit nutzen.
Mit dieser Aktion wollten die rund 3.200 niedergelassenen Ärzte im Freistaat ein Zeichen setzen, sagte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen, Annette Rommel. Sie richte sich nicht gegen die Patienten. Eine Notfallversorgung sei organisiert gewesen. Zudem haben die Mediziner laut KV einen Tag gewählt, an dem wenige Patienten betreut werden. Der Freitag war der letzte Behandlungstag des laufenden Quartals, an dem viele Praxen ohnehin ihre Sprechzeiten einschränken oder schließen, um die Abrechnung zu erledigen. "Wir haben den Termin für den Protesttag bewusst so gewählt, um die Auswirkungen auf die Patienten möglichst gering zu halten", sagte Rommel.
Streit um Honorarbudget
Seit Monaten streiten die niedergelassenen Ärzte in Deutschland mit den gesetzlichen Kassen über das Honorarbudget für das kommende Jahr. Die Kassen wollen das Gesamtbudget nach bisherigem Stand um 270 Millionen Euro erhöhen. Die Ärzte verweisen jedoch auf gestiegene Kosten und verlangen rund 3,5 Milliarden Euro mehr. Das Angebot der Kassen bedeute, "dass wir nicht einmal einen Inflationsausgleich erhalten", sagte Rommel. Von den Honoraren müssten das Praxispersonal und die laufenden Kosten gedeckt werden.
Die für Freitag in Thüringen geplante Aktion ist Teil einer von den Ärzten vor zwei Wochen angekündigten Strategie der "Nadelstiche". Dabei wollen die Mediziner auf den von den Kassen geforderten hohen Verwaltungsaufwand und die dadurch entstehende Mehrarbeit aufmerksam machen. Die Verhandlungen auf Bundesebene sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Deren Ausgang sei auch richtungsweisend für die in Thüringen anstehenden Verhandlungen, sagte Rommel. Sie sehe auch Signale bei Thüringer Kassen, dass diese bei dem von den Ärzten geforderten Abbau des bürokratischen Aufwandes auf die Mediziner zugingen.
5 Kommentare
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.
