Gegenwind für Höcke und Co. Alternative Mitte fordert mehr Einfluss in der AfD

Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke bekommt Gegenwind in der Partei. Etwa 150 Mitglieder aus dem konservativ-bürgerlichen Lager der AfD haben sich am Dienstag im bayrisch-thüringischen Grenzgebiet getroffen. Die Alternative Mitte (AM) fordert mehr innerparteilichen Einfluss.

von Matthias Thüsing

Helmut Widder, der Thüringer Sprecher der Alternativen Mitte (AM) - also jenem Zusammenschluss von gemäßigten Kräften innerhalb der AfD - hat seinen Parteifreunden einmal dargelegt wie es in "Höcke-Land" zugeht. "Nachdem ich zum Sprecher der AM in Thüringen gewählt wurde, bin ich aus der Whats-App-Gruppe des Landesvorstandes ausgeklinkt worden", sagt der 69-Jährige.

Der Pensionär aus Suhl strebt in kein Parlament, will nichts mehr werden in der AfD. 1989 ist er mit seiner Frau auf die Straße gegangen, hat die Demokratie mit herbeigekämpft. Nun kämpft er wieder - diesmal innerhalb der AfD Thüringen. Für bürgerliche Werte. Für Meinungsfreiheit. Gegen Beleidigungen in Richtung des (auch innerparteilichen) Gegners. Und gegen das Niederreißen von immer mehr Roten Linien in der Politik. Letztlich also gegen die Übermacht der ultrarechten Parteiplattform "Der Flügel" um Björn Höcke und André Poggenburg.

Beatrix von Storch
Beatrix von Storch Bildrechte: dpa

"Der Flügel war lauter als die anderen. Die bürgerliche Mitte für die AfD zu gewinnen, war nicht einfach", so das Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch in einem Grußwort an das Bundestreffen. "Doch wir brauchen beide Strömungen in der AfD: Die Nationalkonservativen und die bürgerlich-konservativen Kräfte." Neu gewählte Bundestagsabgeordnete, Landes- und Bundesvorstandsmitglieder aus ganz Deutschland sind dem Ruf der Alternativen Mitte ins nordbayrische Tettau im Landkreis Kronach gefolgt. Es geht um mehr innerparteilichen Einfluss. Und darum, die bürgerlichen Kräfte endlich zu organisieren. Denn nur so, das ist auf dem Gängen der Tettauer Festhalle, einem etwas angegrauten Zweckbau aus den 70-er Jahren, immer wieder zu hören, könnten die in Teilen unter Rechtsextremismusverdacht stehende "Patriotische Plattform" aus Sachsen, die problematischen Rechtsaußen im thüringisch-sachsen-anhaltinischen Flügel oder eben Björn Höcke und André Poggenburg zurückgedrängt werden.

Ein Wahlkämpfer aus Sachsen-Anhalt formulierte es so: "Bei uns haftet der AfD bei vielen bürgerlichen Wählern immer noch ein 'Igittfaktor' an, weil einzelne Wortführer immer noch meinen, permanent rote Linien überschreiten zu müssen. Ich bin es leid." Gerade innerhalb der westdeutschen Landesverbände hätten die Mitglieder es satt, sich immer wieder für die Pöbeleien der prominenten Ostvertreter rechtfertigen zu müssen. Der Flügel solle seinen Raum in der Partei bekommen, so ein bayrischer Vertreter. Aber Höcke und Poggenburg müssten auf ihrer Landesebene bleiben, dürften dem künftigen Bundesvorstand nicht angehören.

Gerade der Austritt von Frauke Petry - bis vor kurzem Bundesvorsitzende der AfD - hat den gemäßigten Kräften hier ein komfortables Druckmittel an die Hand gegeben, die Partei für sich zurückzuerobern. "Ihr Austritt war falsch. Aber es ist nicht so, als könnte ich ihre Motive nicht verstehen", so etwa Jens Wilharm, einer der Sprecher der Alternativen Mitte in Niedersachsen. Auch sei der Zustand der AfD keinesfalls so, dass man Petry folgen müsse. Derzeit. Denn entscheiden könnte sich für Wilharm diese Frage schon an der Zusammensetzung eben jenes nächsten Bundesvorstands.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2017, 16:33 Uhr

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22 Kommentare

04.10.2017 13:54 Wieland der Schmied 22

@ 18 Jette Zitat „Die Frauen DER AFD haben es geschafft in den bundestag und nu werden sie von den Männern wieder wegrationalisiert“> Dafür sehe ich keine Anzeichen, nach dem Abgang Petrys ist Weidel nachgerückt.
Petry als Vorsitzende war eine Lichtgestalt besonderer Güte und war zusammen mit Höcke das Doppel, das die lahme Lucke-AfD vom Kopf auf die Beine stellte und das von da an losstürmte. Petrys Abgangsabsichten deuteten sich schon auf dem Kölner PT an, als sie mutterseelenallein im Präsidium saß und ein persilgewaschenes‚
CDU-paßfähiges Programm schrieb, was niemanden interessierte. Der alte Chevalier Gauland trat zu ihr hin, verneigte sich und gab ihr einen Handkuß, einen Abschiedskuß mit der Zusicherung freien Geleits, was sie nach dem 24.9. in Anspruch nahm und ihrer Wege ging. Kein Streit, keine Zurechtweisung, nur sie trat draußen angekommen nach. Devise der AfD: Man soll Reisende nicht aufhalten! Man lese den Artikel ihres Redenschreibers Klonovsky – Petry-Pretzell.

04.10.2017 12:12 Earth Spirit 21

04.10.2017 09:35 Wieland der Schmied

Wissen Sie, wo das Fieber besonders steigt ? Genau - bei der AfD, denn die sind so überhitzt, dass die schon gar keine bodenständige Politik mehr betreiben können. AfD = Aus für Demokratie .... p.s.: wussten die AfD eigentlich, dass ihr Parteikürzel auch so interpretiert werden kann ? Auf alle Fälle ist eines NICHT erwünscht in der AfD: eine Mitte ! Wäre auch komisch, wenn rechte Ideologen sich in einer Mitte sehen würden :-)

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