Politik Soziologe: AfD will Kapital aus Flüchtlingsdebatte schlagen

Die Partei AfD versucht nach Einschätzung des Jenaer Sozialwissenschaftlers Matthias Quent, aus der Flüchtlingsdebatte politisches Kapital für sich zu schlagen. "Man muss sich in Erinnerung rufen, dass die AfD als Anti-Euro-Partei gegründet wurde", sagte Quent MDR THÜRINGEN. Angesichts der derzeit laufenden öffentlichen Debatte sei es nicht verwunderlich, "dass sich die AfD ihrem populistischen Format folgend auch dieses Themas annimmt und gewissermaßen auf den fahrenden Zug aufspringt".

Soziologe Matthias Quent
Soziologe Matthias Quent Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor allem Thüringens AfD-Vorsitzender Björn Höcke trete in dieser Debatte als Demagoge auf. "Er nimmt die Ängste von Menschen auf, bestätigt deren Vorurteile und führt sie in eine politische Richtung weit rechts von der CDU", sagte Quent. Laut aktuellem Thüringen-Trend des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap sei Höcke derzeit der unbekannteste und unbeliebteste Thüringer Spitzenpolitiker. Deshalb sei das Thema Flüchtlinge für ihn ein Feld, "sich zu produzieren und Hörer zu finden".

Quent: Höcke "produziert sich", um bekannter zu werden

Björn Höcke, Fraktionschef der Alternative für Deutschland
Björn Höcke Bildrechte: dpa

Aufgabe der Politik sei es in der aktuellen Debatte, "ehrlich mit den Herausforderungen und auch mit den Problemen und Konflikten umzugehen, die möglicherweise im Zuge dieser grundsätzlichen Veränderung unserer Gesellschaft auf uns zukommen". Dabei müssten auch die Ängste der Bevölkerung ernst genommen werden.
Zugleich müssten Versuche zurückgewiesen werden, gesellschaftliche Gruppen und deren Interessen gegeneinander auszuspielen. Das gelte beispielsweise bei der Forderung, den gesetzlichen Mindestlohn bei der Beschäftigung von Flüchtlingen auszusetzen. Solche Forderungen beförderten nur die Konkurrenzsituation zwischen den Menschen, so Quent.

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2015, 09:15 Uhr

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82 Kommentare

26.09.2015 16:00 ralf meier 82

@81. Bernd: Sie schreiben ' Björn Höcke ist ein Hetzer. Er unterstellt Flüchtlingen pauschal Agressivität. So äußert er sich ja im Thüringer Landtag. Kann jeder nachschauen. ' Für das so dringend gewünschte und immer noch nicht gebrachte Beispiel etwas pauschal .. finden Sie nicht auch?. Warum sollte sich Herr Höcke von NPD und Faschismus abgrenzen . Er ist doch so überzeugend antifaschistisch , dass selbst Ihnen bei allem Bemuehen kein konkretes Gegenbeispiel einfallen will.

26.09.2015 13:15 Bernd 81

@ Markus Schröder: Doch, Björn Höcke ist ein Hetzer. Er unterstellt Flüchtlingen pauschal Agressivität. So äußert er sich ja im Thüringer Landtag. Kann jeder nachschauen. Ich habe die Konsequenzen gezogen. Meine Frau und ich denken darüber nach ein Flüchtlingskind zu unterstützen ggf. auch zu adoptieren. Lieber Herr Schröder, passen Sie auf, wem Sie da hinterherrennen. Ein Demagoge, der sich von NPD und Faschismus nicht mehr abgrenzen möchte (Interview Thüringer Allgemeine) und auch die USA wieder als Feindbild bemüht, steht nicht für den Geist des Grundgesetzes. Denken Sie an die großen Persönlichkeiten Thüringens: Goethe, Schiller, Bach. Vielleicht ist es dann einfacher die Jämmerlichkeit Höckes zu begreifen.

26.09.2015 12:54 Brigitte Schmidt 80

Verstößt es gegen die Kommentarregeln, wenn man nach dem Zustandekommen der Formulierung "der unbekannteste und unbeliebteste Thüringer Spitzenpolitiker." fragt??? Warum werden derartige Kommentare nicht freigeschaltet??? [Wir vermuten, dass der User sich auf hier veröffentlichte Umfragen bezog. Da in den Dimap-Umfragen zu Thüringen nach Beliebtheit und Bekanntheit der Spitzenpolitiker gefragt wurde, ergab sich ein Rangfolge, die auch auf MDR.DE veröffentlicht wurde. - MDR.DE_Redaktion]

26.09.2015 10:51 annerose will 79

Warum fanden Sie das Wort Demagogie denn unpassend? Selbst wenn es unpassend wäre, warum tolerieren Sie es nicht? Haben wir noch das recht zu freier Meinung? [Das Problem vieler User ist, dass Sie meinen, das Recht auf freie Meinungsäußerung schließe auch das Recht ein, die Persönlichkeitsrechte anderer User und das Strafrecht zu ignorieren. - MDR.DE_Redaktion]

25.09.2015 23:01 Phrasenhasser 78

Wie "alt" ist denn dieser Soziologe? Meine Güte - da will sich ein junger Mann wohl wichtig machen? Die AfD hatte doch schon vorher ihr Programm fertig, ehe wir mit der heutigen Asylantenflut konfrontiert wurden. Eigentlich ist dieser Beitrag zum Schmunzeln. Denn wie kommt denn der junge Mann darauf, wenn es so eine tolle humane Sache ist, in Deutschland Hunderttausende aufzunehmen, dass man sich mit einer kritischen Meinung dazu profilieren könnte? Ist dies nicht ein Riesenwiderspruch zu dem, was der Bürger jeden Tag in den Medien hört und sieht?

25.09.2015 22:12 M.W. 77

Herr Quent sollte mit Frau König mal ein Vollbad nehmen. Das entspannt und reinigt die Sinne.

25.09.2015 20:57 P.Reinike 76

Typische Interpretationsmuster eines bisher wenig renommierten linken Soziologenprofils: Instrumentalisieren und populistisch argumentieren können einzig 'rechte' Politiker, aber die Erkenntnis erreicht ihn nicht, daß sich Höcke nur profilieren kann, weil in einer zentralen Zukunftsfrage wie der Zuwanderung im Bundestag keine Opposition mehr vorhanden ist, in den Landtagen nur die AfD eine Partei, die die jetzige Asylpolitik sehr kritisch hinterfragt. Und das obwohl die Hälfte der Deutschen die jetzige Asylpolitik ablehnen. Die Worthülse, man müsse die Ängste der Menschen ernst nehmen, wird dann auch gleich mit dem volkspädagogischen Belehrungsreflex flankiert, der jedes 'ernst nehmen' wieder bis zur Absurdität relativiert. Neue Soziologen braucht das Land, aber leider andere als Herrn Quent.

25.09.2015 20:46 Vogtland 75

Schade um jedes Wort. Vollkommen weltfremd der Mann. CSU UND AFD für Deutschland.

25.09.2015 19:56 FreierBayer 74

Solche "Experten", gut bezahlt oder sonstwie "abhängig" (hier wieder einmal von den Über-Gutmenschen von ProAsyl, die alle herrlich reicher werden je länger diese Tragödie andauert aber dem Volk Armut und Demut predigen) können mir gestohlen bleiben. WAS will dieser [...] uns sagen ? Die AfD profiliert sich ? War ja nur eine "Anti-EURO-Partei" ? [...]! Die AfD war von jeher national orientiert (oh nein, ihr grünlinken Gutmenschen, das heißt nicht automatisch RECHTS und NAZI, nur hier in D) und stellte das Interesse der eigenen Bevölkerung nach vorne, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das ist der einzig richtige Weg, den ich mir auch nicht von diesem Junior-Lobbyisten wegreden lasse. Achja, nur mal zur Aufhellung: ICH bin AfD-Mitglied, werde es auch bleiben, und bin wütend auf alle anderen Parteien, die uns verraten und verkaufen. [...] Beschimpfungen gelöscht MDR.DE_Redaktion

25.09.2015 19:34 fischotter 73

Der Meinung eines Herrn Quent, der erwiesenermaßen zum Dunstkreis der umstrittenen Linken Katharina König gehört, kann man eigentlich nur billige linke Polemik vorwerfen. Dazu kommt die Aussage, dass es „möglicherweise zu Veränderungen in der Gesellschaft kommen kann". Die sind längst im Gange. Blendet dieser eher jungenhaft wirkende Soziologe die Ereignisse in Asylunterkünften in Suhl, Leipzig, Dresden und anderswo einfach aus oder warum steht darüber nichts geschrieben? Ganz abgesehen von den Übergriffen angeblich traumatisierter Asylanten auf die einheimische Bevölkerung. Eine objektive Meinung kann ich ihm auch dahingehend nicht unterstellen, als er am 1. Mai in Saalfeld zur rechten Zeit am rechten Ort mit seiner Handycam zur Stelle war. Zufall oder genau so geplant? Ich glaube eher Herr Quent will hier auf einen fahrenden Zug aufspringen, um sich selbst zu profilieren und sein Nischendasein aufwerten, nur scheint dieser längst ohne ihn abgefahren zu sein.