Öffentlicher Gesundheitsdienst : Thüringen gehen die Amtsärzte aus
In Thüringen ist fast die Hälfte aller Arztstellen in den Gesundheitsämtern unbesetzt. Einer Landes-Richtlinie zufolge besteht im Freistaat ein Bedarf von rund 153 Medizinern im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN sind jedoch nur 81 Stellen besetzt. So fehlen zurzeit in drei von 22 Thüringer Gesundheitsämtern die leitenden Amtsärzte. In 17 Kreisen gibt es keinen eigenen Facharzt für den sozialpsychiatrischen Dienst.
Bernhard Blüher vom Landesverband Thüringen der Ärzte und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sagte, Ursache für den Missstand seien die bestehenden Gehaltsunterschiede: Mediziner in den Ämtern verdienten monatlich mindestens 1.000 Euro weniger als ihre Kollegen in Kliniken. Sie seien vom Tarifvertrag der Ärzte "abgekoppelt". "Wenn es hier keine Angleichung gibt, dann wird man den Öffentlichen Gesundheitsdienst in den nächsten fünf Jahren nicht mehr besetzen können", sagte Blüher dem MDR.
Die Geschäftsführerin vom Kommunalen Arbeitgeberverband, Sylvana Donath, sagte, ihr Verband weise das Land "seit mehreren Jahren" auf dieses Problem hin. Solange die auf Bundesebene geführten Tarifverhandlungen zur Lohnangleichung ergebnislos blieben, könnten nur individuell vereinbarte Gehaltszulagen abhelfen. Jedoch lehne das dafür zuständige Thüringer Innenministerium die Zulagen für Ärzte ab. Das Innenministerium wollte sich auf Anfrage des MDR dazu nicht äußern.
Der Öffentliche Gesundheitsdienst leitet das Gesundheitswesen in den Kreisen und kreisfreien Städten. Er ist unter anderem zuständig für die schulärztliche Betreuung, für Hygiene und Seuchenschutz. Geleitet wird er in den Regionen durch die Amtsärzte.
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