Bahnunglück Zeulenroda-Triebes "Ich hab einen Knall gehört"

von Stefanie Reinhardt

Der Bahnübergang ist wieder geöffnet. Die Aufräumarbeiten sind abgeschlossen. Ein paar Leute haben vor dem Bahnübergang Blumen abgelegt. Auf der Straße liegen noch Scherben. Direkt vor dem Gleis hat sich eine Schleifspur ein paar Zentimeter tief in den Teer gefressen. Sie zeigt, welche Kräfte am Mittwochabend bei dem Zusammenprall gewirkt haben müssen.

Am Sockel einer Schranke an einem Bahnübergang stehen Blumensträuße.
Blumen am Unfallort zum Gedenken an die Opfer des tragischen Unglücks Bildrechte: MDR/Stephanie Reinhardt

Nachdem in Triebes bei Zeulenroda im Landkreis Greiz ein Auto mit einem Regionalzug zusammengestoßen ist, stehen viele Anwohner in dem kleinen Ort unter Schock. "Ich habe gedacht, das ist eine Explosion", beschreibt ein Hausbesitzer das Geschehen. "Dann habe ich mich umgedreht und gesehen, wie der Zug das Auto mitgeschleift hat." Die Schranken seien geschlossen gewesen, erinnert er sich. Wie die Fahrerin mit ihrem Auto auf die Gleise kam und ob sie die Schranke umfahren haben könnte, das habe er nicht gesehen.

Auch seine Nachbarin erlebte den Unfall mit. Während des Zusammenpralls habe sie auf ihrem Balkon gesessen - mit Blick auf das Bahngleis. "Ich habe einen Knall gehört und gesehen, wie der Zug das Auto vor sich her geschoben hat", erzählt sie und erinnert sich: "Der Zug kam schnell, hat keine Hupe gegeben und nicht gebremst". Die Frau, die mit ihrer Enkeltocher in dem Auto saß, habe sie gut gekannt. "Sie war aus Triebes, war eine gute Fahrerin und kannte sich hier gut aus." Sie hinterlasse ihren Mann und ihre Tochter.

Auch eine andere Anwohnerin kannte die Verunglückte. "Das ist sehr traurig, die Mutter des verunglückten Kindes ist eine Freundin von uns." Gesehen hat die Anwohnerin den Unfall nicht, dafür aber gehört: "Es gab auf einmal einen Schlag." Auch sie ist gestern Nachmittag mit dem Auto über den Bahnübergang gefahren. "Da stand die Sonne so, dass man das nicht gesehen hat, ob das rot ist", erinnert sie sich.

Andere Anwohner berichten, dass sich die Schranke oft erst spät geschlossen habe. Die Züge hätten häufig kurz nach Schließen der Schranke den Bahnübergang passiert. "Früher haben wir zehn Minuten an der Schranke gewartet, jetzt geht sie runter und der Zug ist manchmal schon da", sagt eine Frau. Die Züge aus Richtung Zeulenroda seien zudem oft sehr schnell durch Triebes gefahren.

Knapp einen Tag nach dem Unfall suchen die Menschen in Triebes nach Erklärungen. Die Ursache des Unfalls ist noch nicht geklärt. Polizei und Eisenbahnbundesamt ermitteln.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 18.05.2017 | Fazit | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 08:33 Uhr

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