Thüringen

Hintergrund : Kali+Salz und Thüringen - eine schwierige Verbindung

Der Kasseler Unternehmen Kali + Salz sorgt nicht zum ersten Mal für negative Schlagzeilen in Thüringen. Die Versalzung der Werra durch den Bergbau ist nur ein Teil der Kritik. Kali + Salz hat viele Kritiker. Und Emotionen sind nicht selten im Spiel. Denn oft schwelen im Hintergrund Ost-West-Konflikte.

Die "hässliche Fratze des Kapitalismus"

Schon unmittelbar nach der Wiedervereinigung entbrannte ein Streit zwischen Kali + Salz und ostdeutschen Bergleuten. Dabei ging es um die Privatisierung der Mitteldeutschen Kali AG (Sondershausen). Die Treuhandanstalt hatte das Unternehmen an Kali + Salz verkauft. Zur Neuerwerbung gehörte auch die Thüringer Grube in Bischofferode. Die sollte stillgelegt werden, um eine Überproduktion in Deutschland zu verhindern. Kritiker argwöhnten, dass das Werk im Interesse der westdeutschen Industrie geopfert werden sollte, obwohl es allein gute Marktchancen habe. Aus Protest gegen die Schließung ihres Werkes traten die Kalikumpel aus Bischofferode in einen wochenlangen Hungerstreik. Damit erzielten sie deutschlandweit Aufmerksamkeit. Ministerpräsident Bernhard Vogel sagte, in Bischofferode habe sich die "hässliche Fratze des Kapitalismus gezeigt". Letztendlich konnten die Bergleute die Schließung ihrer Grube nicht verhindern. Insgesamt acht von neun Thüringer Gruben wurden nach 1990 geschlossen. Lediglich in Unterbreizbach blieb ein Kaliwerk. Auch dieses Werk gehört zu Kali + Salz. Von den einst 8.000 Kalikumpeln im Thüringer Werra-Revier arbeiten in Unterbreizbach 750.

Mehr Wirtschaftlichkeit ohne Arbeitsplatz-Garantie

Mitte der 90er-Jahre wurde der Kali-Staatsvertrag zwischen Thüringen und Hessen verhandelt. Dabei ging es um den länderübergreifenden Kali-Abbau. Kali + Salz wollte Kali aus Unterbreizbach nach Hattorf in Hessen bringen und dort verarbeiten. Dafür sollte für Unterbreizbach Salz aus dem Feld Merkers in Thüringen geholt werden. So sollte ein unterirdischer Grubenverbund mit hoher Wirtschaftlichkeit im Werra-Revier entstehen. Kritiker befürchteten allerdings langfristig schlechtere Perspektiven für das Thüringer Kali-Werk. Die Thüringer Landesregierung unterschrieb schließlich den Vertrag, obwohl Kali + Salz keine Beschäftigungsgarantie für das letzte Thüringer Werk geben wollte. Das Unternehmen versprach lediglich, ein Drittel der in der Region abgebauten Salze in Unterbreizbach zu verarbeiten. Auch der Landtag stimmte nach langen Debatten für den Verbund.

Müll + Salz

Seit 2006 wird eine Müllverbrennungsanlage diskutiert, die Kali + Salz im osthessischen Heringen plant. 270.000 Tonnen Abfall sollen jährlich verbrannt werden. Kritiker befürchten, dass die vom Kalibergbau belastete Region nun mit Dioxin und Schwermetallen belastet werde. Beiderseits der hessisch-thüringischen Grenze wird gegen die Pläne protestiert.

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2008, 14:39 Uhr

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