Die Wartburg bei Eisenach im Mai 2015
Bildrechte: MDR/Karsten Böttger

Hintergrund Die Geschichte der Wartburg

Es gibt wahrscheinlich wenige Burgen, mit denen so viele Legenden verbunden werden wie mit der Wartburg bei Eisenach. Schon die Erbauung durch Ludwig den Springer im 11. Jahrhundert ist eine Geschichte für sich:

Die Wartburg bei Eisenach im Mai 2015
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Der Landgraf Ludwig der Springer hatte an dem Berg Gefallen gefunden und soll der Legende nach spontan den Entschluss gefasst haben, dort eine Burg bauen zu lassen. Der Berg befand sich aber im Besitz eines anderen Grundherrn. Ludwig der Springer ging trickreich vor. Er ließ den Berg mit Erde aus seiner Landgrafschaft auffüllen, um später im Rechtsstreit zu behaupten, dass die Burg auf seiner Erde errichtet worden sei.

Die Burg ist im späten Mittelalter ein Ort der Kunst. Auch der sagenumwobene "Sängerkrieg" fand hier statt. Künstler wie Walther von der Vogelweide waren Gäste der Burg und ihrer Besitzer.

Luther als "Junker Jörg" auf der Wartburg

Von 1521 bis 1522 wohnte ein ganz anderer Gast auf der Wartburg: Martin Luther. Da er seit dem Reichstag zu Worms nach dem Bann auch noch mit der Reichsacht bedacht worden war, befand sich der Reformator in einer außerordentlich gefahrvollen Lage. Sein Schutzherr, der Wittenberger Kurfürst Friedrich der Weise, griff zu einer List. Offen konnte er Luther nicht unterstützen, da das den Konflikt mit der Papstkirche und dem Kaiser verschärft hätte. Deshalb ließ er das berühmte Kidnapping vortäuschen: Luther wurde auf dem Rückweg von Worms in der Nähe von Schweina von Abgesandten des Kurfürsten überfallen und auf die Wartburg gebracht. So konnte sich Luther seinen tatsächlichen Häschern entziehen. Auf der Wartburg lebte Luther für mehrere Monate als Junker Jörg.

Er nutzte die Zeit, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Welche Bedeutung diese Leistung für die Popularisierung der Bibel hatte, liegt auf der Hand. Damit verband sich aber auch noch eine weitere Leistung: Da die Übersetzung - Luther legte ihr die im Wittenberger Raum übliche obersächsische Sprache zugrunde - im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet wurde, nahm der Reformator auch Einfluss auf die Herausbildung einer einheitlichen deutschen Sprache. 1522 verließ Luther die Wartburg. In Wittenberg und an einigen anderen Orten hatten radikale Vertreter der Reformation die Oberhand gewonnen ("Wittenberger Bildersturm"). Luther gewann die Überzeugung, dass nur mit seinem persönlichen Erscheinen die radikalen Tendenzen zurückgedrängt werden könnten.

Wartburgfest 1817

300 Jahre nach dem Beginn der Reformation und vier Jahre nach der Leipziger Völkerschlacht schrieben Studenten ein Kapitel Wartburg-Geschichte. Sie versammelten sich beim Wartburgfest von 1817 und setzten sich für eine nationalstaatliche Einigung der deutschen Bundesstaaten ein. Nun gewann die Wartburg erst recht Bedeutung als nationales Symbol. Nicht selten wurde dabei künftig die Wartburg auch von reaktionärer Deutschtümelei vereinnahmt.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte die Burg dann ihre erste große "Rekonstruktion". Aus dieser Zeit stammen auch die bekannten Fresken von Moritz von Schwind, die die bekanntesten Sagen aus der Geschichte der Wartburg darstellen. Der "Sängerkrieg" auf der Wartburg und andere Ereignisse wurden durch Schwinds bildliche Darstellung noch weitaus bekannter.

Das Wartburg-Kreuz

Auf dem Turm einer Burg steht Hakenkreuz
Thüringens Nazi-Statthalter Fritz Sauckel ließ das Kreuz durch ein größeres Hakenkreuz ersetzen. Bildrechte: dpa

Angesichts der wechselvollen Geschichte der Burg gab es auch immer wieder Versuche, das historische Gemäuer für die verschiedensten Zwecke zu vereinnahmen. So hatte Thüringens Nazi-Gauleiter Fritz Sauckel im Frühjahr 1938 die Idee, das drei Meter hohe vergoldete Kreuz auf dem Bergfried der Burg durch ein noch größeres Hakenkreuz zu ersetzen. Damit wollte Sauckel ein "Siegeszeichen" setzen - der Anschluss Österreichs an das nazistische Großdeutsche Reich war eben erfolgt. Es gab aber so viele Proteste gegen die Demontage des religiösen Symbols, dass das "Siegeszeichen" schon nach drei Tagen wieder weichen musste. Und noch einmal, diesmal Ende 1944, wurde das Kreuz beseitigt, wobei von Seiten der Nazis die Propaganda-Lüge verbreitet wurde, dass ein englisches Flugzeug mit dem Kreuz kollidiert sei. Tatsächlich aber wurden die Einzelteile in den Burghof geworfen.

Im Luther-Jahr 1946 wurde das Kreuz dann mit Zustimmung der sowjetischen Besatzungsmacht wieder aufgestellt. Ähnliche Angriffe wie zu Nazi-Zeiten wiederholten sich nicht. Im Gegenteil: Neben dem Kreuz wehte bei besonderen Anlässen die DDR-Flagge. Der Wartburg-Direktor Werner Noth blickte voraus: Bei der Neuvergoldung des Kreuzes ließ er die im Sockelbewahrte Urkunde von 1859 um eine handschriftliche Notiz ergänzen: Er wünschte dem Wartburgkreuz, der Wartburg und dem deutschen Volk Glück und Frieden in einem wiedervereinigten Deutschland.